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SIEHT EINE RUFSCHÄDIGUNG: Pastorin Ute Quednow, Sprecherin der Diakonie Himmelsthür.

SIEHT EINE RUFSCHÄDIGUNG:
Pastorin Ute Quednow, Sprecherin
der Diakonie Himmelsthür.

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Diakonie

Sex-Skandal in Diakonie nur ein Gerücht?

Die Aufregung in der größten Diakonieeinrichtung Niedersachsens ist groß: Hinweise, wonach sich Behinderte der Diakonie Himmelsthür (Sorsum, Kreis Hildesheim) als Prostituierte angeboten haben sollen, basieren offenbar auf Gerüchten.

Sorsum. Die Polizei ermittelt zwar - die Staatsanwaltschaft sah Montag aber noch keine Anhaltspunkte für Prostitution. Die Negativ-Schlagzeilen haben allerdings Mitarbeiter und Bewohner schockiert. „Wir werden prüfen, ob wir wegen übler Nachrede gegen den Hinweisgeber vorgehen“, kündigte Diakonie-Sprecherin Ute Quednow im Gespräch mit der NP an. Die Pastorin schloss nicht aus, dass später auch Schadensersatzforderungen eine Rolle spielen könnten.

Der Vater einer Himmelsthür-Bewohnerin hatte die Vorwürfe erhoben. Betreuer und ein Ex-Zivildienstleistender sollen sie bestätigt haben (NP berichtete). Der Hinweisgeber hatte auch behauptet, dass Behinderte am Hildesheimer Bahnhof Sex gegen Geld angeboten hätten, um ihr Taschengeld aufzubessern.

Die schockierenden Vorwürfe: alles nur viel Lärm um nichts? „Der Hinweisgeber hat sich wohl etwas unglücklich ausgedrückt“, formulierte es gestern Staatsanwaltschafts-Sprecherin Christina Pannek. Sie fasste erste Ermittlungen und Befragungen so zusammen: „Es kursierten Gerüchte, es gab pauschale Behauptungen, Hörensagen wurde als eigene Kenntnis ausgegeben. Niemand hat etwas beobachtet. Und Leute, die seit mehr als 30 Jahren dort arbeiten, haben nichts gesehen oder gehört.“

Trotzdem sei nicht generell ausgeschlossen, dass Behinderte auf den Strich gingen, erklärte Pannek. Das sei auch nicht strafbar. Verfolgt werde vielmehr der Missbrauch sogenannter „widerstandsunfähiger“ Menschen, die erkennbar schwer geistig oder körperlich behindert seien.

Unklar ist, was genau den Hinweisgeber bewog, jetzt mit den Anschuldigungen zum Thema Prostitution von Behinderten an die Öffentlichkeit zu gehen. Nach NP-Informationen führt der Mann allerdings seit längerem auch eine zivilrechtliche Auseinandersetzung mit der Diakonie.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Vorwürfe nicht erhärten“, betonte Sprecherin Quednow. Aufgrund der „ungeheuerlichen Vorwürfe“ habe man sofort Befragungen gestartet. „Wir haben absolut zuverlässige Mitarbeiter“, sagt Quednow. Mit Blick auf das Thema Prostitution durch Behinderte unterstreicht sie: „So etwas wäre an unseren Ohren nicht vorbei gegangen.“ Verärgert sei die Diakonie, weil „Leute pauschal stigmatisiert werden, die ohnehin am Rande der Gesellschaft stehen“. Um Bewohner über die aktuellen Vorgänge zu informieren, sei ein Info-Blatt in sogenannter „leichter Sprache“ verfasst worden. Behinderten, die nicht lesen können, werde darüber berichtet. Zudem seien Mitarbeiter besorgt, weil „sie unter Generalverdacht stehen“, möglicherweise weggeschaut zu haben.

Auf ihrer Internetseite hat die Diakonie Himmelsthür, die nach Bekanntwerden der Vorwürfe schnell Anzeige erstattete, einen „Aufruf zur Mithilfe“ veröffentlicht: „Wir bitten jeden und jede, der oder die Angaben darüber machen kann, ob und gegebenenfalls unter welchen Umständen es zu solchen Straftaten gekommen sein könnte, sich mit den Ermittlungsbehörden oder der Diakonie Himmelsthür in Verbindung zu setzen“, da der „Verdacht des sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen besteht“.

Zur Diakonie Himmelsthür gehören unter anderem 20 Wohngruppen für rund 300 Erwachsene, dazu kommen zehn Wohngruppen für Kinder und Jugendliche sowie rund 400 Mitarbeiter.

Hildesheim ist der Hauptsitz der Diakonie Himmelsthür, die bereits 1884 gegründet wurde. Landesweit hat sie 20 Standorte mit rund 2000 Wohnplätzen für Behinderte. Dazu kommen rund 2400 Mitarbeiter.


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