Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Schwere Zusammenstöße zwischen Bauern und Polizei in Athen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Schwere Zusammenstöße zwischen Bauern und Polizei in Athen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:17 12.02.2016
Viele Demostranten wurden schon außerhalb Athens gestoppt und trugen den Protest in die Vorstädte. Foto: Pantelis Saitas
Anzeige

Athen (dpa) - Die Proteste der Landwirte in Griechenland gegen neue Sparmaßnahmen haben am Freitag einen neuen Höhepunkt erreicht: Tausende Bauern trugen ihre seit mehr als zwei Wochen andauernden Proteste von den Provinzen in die griechische Hauptstadt Athen.

Dabei haben Hunderte von ihnen versucht, das Landwirtschaftsministerium zu stürmen. Es kam zu schweren Krawallen.  

Bereits am frühen Morgen kamen an Bord von Fähren Bauern aus Kreta und begaben sich zum Landwirtschafsministerium. "Los für den großen Angriff", sagte im kretischen Dialekt einer der Anführer der Landwirte. Mit geschnitzten Hirtenstöcken schlugen die Bauern auf die Polizisten ein. Es flogen Steine und Tomaten durch die Gegend.

Es dauerte nicht lange und die Polizei setze massiv Tränengas und Schlagstöcke ein. Nach Polizeiangaben wurden bei den Zusammenstößen zehn Beamte leicht verletzt. Mindestens fünf Menschen seien in Polizeigewahrsam genommen worden. An dem Gebäude des Landwirtschaftsministeriums sind erhebliche Schäden entstanden. 

Zu heftigen Zusammenstößen zwischen Bauern und der Polizei ist es auch in zwei Vororten von Athen gekommen. Tausende Bauern wollten mit ihren Traktoren ins Stadtzentrum. Die Regierung hatte vorgesorgt, damit kein Verkehrschaos in Athen verursacht wird:  Ein großes Aufgebot von Sondereinheiten der Polizei sperrte sämtliche Zufahrtsstraßen nach Athen. Dadurch kam es auch dort zu Krawallen, bei denen die Beamten Tränengas einsetzten und die Landwirte mit ihren Stöcken Polizeifahrzeuge zerstörten.

Die Polizei ließ symbolisch etwa 100 Bauern mit ihren Treckern in die Stadt fahren. Am Nachmittag erreichten mehrere Tausend Landwirte das Stadtzentrum von Athen. Vor dem Parlament protestieren sie lautstark gegen die geplante Renten- und Steuerreform. "Tsipras (der Ministerpräsident) hat uns reingelegt. Er hatte versprochen, es werde keine neuen (Steuer) Lasten geben. Jetzt werden wir durch die neuen Steuern in den Ruin getrieben", sagte ein aufgebrachter Bauer aus Kreta im Fernsehen. 

Die Bauern wollten auf dem zentralen Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament in Zelten übernachten und auch am Samstag weiter protestieren. Einige hatten Obst und Gemüse im Gepäck, darunter kistenweise Mandarinen, die sie an Passanten verschenkten.

Landwirtschaftsminister Vangelis Apostolou verurteilte die Ausschreitungen. Sie stellten den friedlichen Protest der breiten Masse der Landwirte in ein schlechtes Licht. Er rief die Bauern zum Dialog auf. Der für den Bürgerschutz verantwortliche Minister Nikos Toskas sagte im Fernsehen, rechtsextremistische Elemente steckten hinter den Ausschreitungen.

Die Landwirte sollen, wie auch viele Freischaffende, mit höheren Steuern und Abgaben zur Sanierung der schwer defizitären Rentenkassen und der Finanzen des Landes beitragen. Für die Bauern sind unter anderem eine Anhebung der Rentenbeiträge von 7 auf 20 Prozent sowie die Abschaffung von Steuerprivilegien vorgesehen.

Regierungschef Alexis Tsipras hat wiederholt gewarnt, wenn die Reformen nicht umgesetzt würden, werde das Rentensystem bald zusammenbrechen. Die Reformen sind zudem Voraussetzung für weitere Hilfen der Gläubiger.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Lange war Polen für die Kanzlerin einer der ersten Ansprechpartner. Mit dem Wechsel zu der neuen nationalkonservativen Regierung kühlte das Verhältnis ab. Beim - späten - Antrittsbesuch von Beata Szydlo ist nicht alles in Ordnung. Aber der Wille zu mehr Harmonie ist da.

12.02.2016

Die SPD-Spitze um Sigmar Gabriel ist mit ihrem Versuch gescheitert, den früheren Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy nach dessen Kinderpornografie-Affäre aus der Partei auszuschließen.

12.02.2016

Der Prozess um den Brandanschlag in Salzhemmendorf könnte schneller vorbei sein, als er begonnen hat. Weil Anwälte Nebenkläger, ohne ihr Wissen für den Prozess "geworben" haben, droht die Verhandlung zu platzen.

15.02.2016
Anzeige