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Polizeibeamte stehen im hessischen Dreieich vor einer Flüchtlingsunterkunft.

Polizeibeamte stehen im hessischen Dreieich vor einer Flüchtlingsunterkunft. © Frank Rumpenhorst

Migration

Schüsse verletzen schlafenden Asylbewerber

Mitten in der Nacht durchschlagen Schüsse Fenster einer Flüchtlingsunterkunft im Kreis Offenbach. Ein Asylbewerber wird leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft geht von einem "gezielten Angriff" aus.

Dreieich. Nach mehreren Schüssen auf eine Asylbewerberunterkunft im südhessischen Dreieich fahndet die Polizei nach einem oder mehreren Tätern. Bei der Tat wurde ein Flüchtling im Schlaf leicht verletzt.

Die Schüsse seien am Montag kurz vor 2.30 Uhr auf ein Fenster des Gebäudes abgegeben worden, teilte die Polizei mit. Ein Projektil traf einen schlafenden Asylbewerber am Bein. Der 23-Jährige ist nach Aussage eines Mitbewohners Syrer. Er wurde zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Die Hintergründe waren zunächst unklar. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "gezielten Angriff", wollte sich unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen aber nicht zu Waffe und Munition äußern. "Das ist Täterwissen", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Nina Reininger. Von dem oder den Tätern fehlte zunächst jede Spur. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) und der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel verurteilten die "feige Tat".

Die Sprecherin der Ermittlungsbehörde sagte weiter: "Wenn jemand mit einer Waffe auf eine Unterkunft schießt, in der sich Menschen befinden, gehe ich von einem gezielten Angriff aus.". Von einem Anschlag wollte Reininger zunächst aber nicht sprechen. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Die Flüchtlinge sind in einem eingezäunten Gebäudekomplex mitten in einem Gewerbegebiet untergebracht. Die Schüsse schlugen in einem Anbau ein. Experten des Landeskriminalamts untersuchten die Einschusslöcher in der gesplitterten Glasscheibe in dem Flachbau.

Das Polizeipräsidium Südosthessen habe eine "Besondere Aufbauorganisation" eingerichtet und arbeite mit Unterstützung des Landeskriminalamts mit einem 90-köpfigen Team an der Aufklärung, sagte Beuth. Gewalt gegen Schutzsuchende in Hessen werde nicht geduldet. "Wir nehmen diesen Angriff sehr ernst."

Ein Zeuge sprach von einem vermummten Täter, den er gesehen habe. Es habe sich um eine Einzelperson gehandelt, die sechs- bis siebenmal aus einer Handfeuerwaffe gefeuert habe, sagte der in der Unterkunft lebende Syrer mit Hilfe eines Dolmetschers.

Die Flüchtlingsunterkunft besteht aus einem dreistöckigen Haus, in dem nach Angaben der Stadt vier Familien leben, sowie dem beschossenen einstöckigen Anbau. Darin seien 15 Männer untergebracht, 14 Syrer und ein Afghane, sagte eine Sprecherin. Insgesamt leben in Dreieich rund 430 Flüchtlinge.

"Wir sind erschüttert, fassungslos und entsetzt", sagte der stellvertretende Bürgermeister Dreieichs, Martin Burlon (parteilos). Es habe keinerlei Anzeichen für fremdenfeindliche Stimmung in der Stadt gegeben. Die Erfahrungen im Zusammenleben mit den Flüchtlingen seien durchweg positiv, auch dank des großen ehrenamtlichen Engagements der Bürger.

dpa


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