Navigation:
Ensaf Haidar, die Frau des inhaftierten und von 1000 Peitschenschlägen bedrohten saudischen Bloggers Raif Badawi, bei der Verleihung des Sacharow-Preises.

Ensaf Haidar, die Frau des inhaftierten und von 1000 Peitschenschlägen bedrohten saudischen Bloggers Raif Badawi, bei der Verleihung des Sacharow-Preises. © Patrick Seeger

EU

Saudischer Blogger Raif Badawi erhält Sacharow-Preis

Der saudische Blogger Raif Badawi hat den Sacharow-Preis bekommen, weil er mutig für die Meinungsfreiheit kämpft. Seine Ehefrau Ensaf Haidar, die den Preis in Straßburg entgegennahm, ist ebenso mutig.

Straßburg (dpa) - Der inhaftierte saudische Blogger Raif Badawi (31) ist mit dem Sacharow-Preis des EU-Parlaments "für die geistige Freiheit" ausgezeichnet worden. Seine Ehefrau Ensaf Haidar hielt im Straßburger Parlament ein Foto ihres Mannes hoch, bevor sie die Ehrung für ihren Mann entgegennahm.

Sie beeindruckte die Abgeordneten im Plenarsaal, weil sie zu einer Schweigeminute für die Opfer der Terrorangriffe in Paris vom 13. November aufrief. 

In ihrer Dankesrede bedauerte sie, dass der Ausdruck des freien Denkens in arabischen Ländern häufig als Gotteslästerung betrachtet werde. Ihr Mann habe in seinem Blog die Einschüchterungsversuche der Religionsvertreter damit erklärt, "weil sie (die Religionsvertreter) Gefahr laufen, dass die Denker ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen und eines Tages ihre Lügen und ihre Ignoranz offenlegen könnten". Arabische Intellektuelle könnten nicht frei ihre Meinung äußern, "sie müssen sich immer drehen und winden, um ihre Botschaft zu übermitteln".   

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz würdigte Badawi als "Symbolfigur für die Menschen, die weltweit für die Grundrechte kämpfen". Die Schließung seiner Webseite sei ein großer Verlust für die Meinungsfreiheit in seiner Heimat. Schulz forderte das islamisch-konservative Königreich auf, Badawi freizulassen. Haidar erklärte, sie habe Zeichen erhalten, dass ihr Mann bald freigelassen werden könnte. Sie lebt mit den drei gemeinsamen Kindern im kanadischen Exil.  

Der Blogger und Menschenrechtsaktivist wurde 2014 zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilt. Er soll angeblich den Islam beleidigt haben. Die ersten 50 Stockhiebe hatte er im Januar erhalten, die weitere Bestrafung wurde vorläufig ausgesetzt, offiziell aus Gesundheitsgründen. 

Haidar stellte klar, dass sie keineswegs die Regierung des saudischen Königreiches kritisiere. Ihr Widerstand und die Opposition ihres Mannes richteten sich nur gegen die Religionspolizei. Auf die Frage eines Journalisten über das Wiedersehen mit ihrem Mann im Fall seiner Freilassung sagte sie, sie stelle sich vor, ihn am Flughafen in Kanada zu begrüßen, wo sie mit ihrer Familie auch in Zukunft leben wollte.

Badawis Fall hat weltweit Proteste ausgelöst. Westliche Regierungen mahnten die Saudis, auf die Strafe zu verzichten. Auf seinem Blog hatte er die Trennung von Staat und Religion vorgeschlagen - eine schwere Provokation im streng religiösen Königreich.

Haidar hatte früher erklärt, dass ihr Mann seit knapp einer Woche in einem Gefängnis bei Dschidda einen Hungerstreik begonnen habe. Der Sacharow-Preis ist mit 50 000 Euro dotiert.

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Die Bahn verspricht, pünktlicher zu werden - schafft sie das?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie