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Anti-saudischer Protestmarsch in der iranischen Hauptstadt Teheran.

Anti-saudischer Protestmarsch in der iranischen Hauptstadt Teheran. © Abedin Taherkenareh

Justiz

Saudische Verbündete kappen Beziehungen zum Iran

Immer mehr sunnitische Regierungen wenden sich gegen Teheran: Im eskalierenden Konflikt mit Saudi-Arabien brechen einige Verbündete der Ölmonarchie ihren diplomatischen Kontakt in den Iran ab. Deutschland forderte die Erzrivalen zum Dialog auf.

Riad/Teheran. Der eskalierende Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran erfasst weitere Länder der arabisch-islamischen Welt.

Nach Riad kündigten die Golfmonarchie Bahrain und die Regierung des Sudan ein Ende der diplomatischen Verbindungen zu der schiitischen Regionalmacht in Teheran an. Die Vereinigten Arabischen Emirate zogen ihren Botschafter aus Teheran ab und wollen diesen durch einen Geschäftsträger ersetzen.

Saudi-Arabien verkündete unterdessen alle Flugverbindungen in den und vom Iran. Das berichtet die saudische Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf die zivile Luftfahrtbehörde des Landes. Alle Fluggesellschaften seien beauftragt, entsprechende Flüge auszusetzen.

Vorausgegangen war die Stürmung der saudischen Botschaft in Teheran durch wütende Bürger in der Nacht zum Sonntag, nachdem die Ölmonarchie am Samstag den prominenten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und 46 weitere Verurteilte hingerichtet hatte. Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, hatte darauf empört reagiert.

Saudi-Arabien hatte am Sonntagabend mitgeteilt, sein Botschaftspersonal bereits aus dem Iran abgezogen zu haben. Die iranischen Diplomaten hätten 48 Stunden Zeit, das Königreich zu verlassen, sagte Außenminister Adel al-Dschubair. Der iranische Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian bezeichnete die Entscheidung Saudi-Arabiens als "voreilig".

Der iranische Vizepräsident Ishagh Dschahngiri kritisierte am Montag die Entscheidung Saudi-Arabiens zum Abbruch der Beziehungen: "Die Politik der Saudis hat in den letzten Jahren für die Region nur Negatives gebracht." Auch die jüngste Entscheidung werde nur zu mehr Spannungen in der Region führen.

Der saudische Außenminister Al-Dschubair nannte den Angriff auf die saudische Botschaft in Teheran dagegen einen "schwerwiegenden Bruch internationaler Konventionen" und warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen.

Die Bundesregierung hielt beide Staaten zur Verständigung an. "Wir rufen beide Staaten zum Dialog auf", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Beziehungen beider Länder - "so konfliktreich sie sind" - seien von grundlegender Bedeutung für die Lösung der Krisen in Syrien und im Jemen sowie für die Stabilität in der gesamten Region. Saudis und Iraner sind in viele Konflikte der Region verwickelt.

Bezüglich der Massenhinrichtung Saudi-Arabiens machte Regierungssprecher Seibert deutlich, dass derzeit keine Sanktionen ins Auge gefasst werden. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will jedoch Rüstungsexporte an Saudi-Arabien künftig noch genauer unter die Lupe nehmen. Die Grünen forderten einen sofortigen Stopp der Handelsbeziehungen mit Saudi-Arabien. Den meisten der 46 neben Al-Nimr exekutierten Männern wurde Terrorismus vorgeworfen.

Die US-Regierung äußerte sich zurückhaltend zu den Spannungen zwischen Saudis und Iranern. Die USA glaubten, dass "diplomatisches Engagement von grundlegender Bedeutung" sei, zitierte der Sender CNN den Sprecher des Außenministeriums, John Kirby. Russland zeigte sich unterdessen bereit, zwischen beiden Ländern zu vermitteln.

Das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien war jahrzehntelang schwierig, die Eskalation vom Sonntag allerdings markiert einen lange nicht erreichten Tiefpunkt. 1988 hatte Saudi-Arabien das letzte Mal die Beziehungen zum Iran abgebrochen.

dpa


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