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Der türkische Präsident Erdogan im Sommer vergangenen Jahres.

Der türkische Präsident Erdogan im Sommer vergangenen Jahres. © Presidential Press Office

Medien

Satire mit türkischen Untertiteln: "Extra 3" legt gegen Erdogan nach

Der türkische Protest gegen eine deutsche Erdogan-Satire geht nach hinten los: Das NDR-Magazin "extra 3" legt nach. In Istanbul soll nun ein Prozess gegen regierungskritische Journalisten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Berlin/Istanbul. Das NDR-Fernsehmagazin "extra 3" hat nach dem türkischen Protest gegen eine Satire über Präsident Recep Tayyip Erdogan noch einmal kräftig nachgelegt. Das umstrittene Video, das Erdogan nicht passte, gab es noch einmal mit türkischen Untertiteln zu sehen.

"Vielleicht hat Erdogan den Beitrag nicht verstanden?", begründete Moderator Christian Ehring die Übersetzung. Ehring machte sich weiter über den Präsidenten lustig: Erdogan gucke offenbar "extra 3", zahle aber keine Gebühren. Andererseits: "Wenn er Kritik hören will, muss er "extra 3" sehen. Will er keine Kritik, sollte er besser die Bundeskanzlerin treffen." Die Sendung erzielte mit 880 000 Zuschauern und einer Quote von 4,5 Prozent Rekordwerte.

Der Satire-Beitrag war am 17. März erstmals zu sehen und wurde auf YouTube mittlerweile rund drei Millionen Mal angeklickt. Zur Musik von Nenas "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" legte das Satiremagazin dem umstrittenen Staatschef Textzeilen wie "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast" in den Mund.

Erdogan reagierte erbost, der deutsche Botschafter in Ankara wurde ins Außenministerium einbestellt. Ehring sagte dazu: "Wir haben heute bei uns den türkischen Botschafter einbestellt - er ist bloß nicht erschienen."

Letztlich plädierte Ehring für Deeskalation im "extra-3"-türkischen Konflikt. Denn man müsse Erdogan dafür dankbar sein, dass die Zusammenarbeit mit ihm hervorragend geklappt habe: "extra 3" wählte ihn aus diesem Grund auch zum Mitarbeiter des Monats.

In Istanbul wird am Freitag der Prozess gegen die regierungskritischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Es seien keinerlei Prozessbeobachter zugelassen, sagte der Anwalt Dündars, Bülent Utku, der Deutschen Presse-Agentur. Lediglich die Verteidiger, Zeugen und nahe Verwandte der Angeklagten dürften an der Verhandlung teilnehmen.

Beim Prozessauftakt am vergangenen Freitag waren der deutsche Botschafter Martin Erdmann und andere Diplomaten anwesend. Erdogan hatte das scharf kritisiert, Erdmann wurde wegen der Prozessbeobachtung am Dienstag zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ins Außenministerium einbestellt.

Die Bundesregierung will sich nun für mehr Transparenz in dem Prozess einsetzen. "Für die Bundesregierung sind Rechtstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Justiz hohe Güter, die geschützt werden müssen", hieß es aus dem Auswärtigen Amt. "Vor diesem Hintergrund setzen sich die Botschaft Ankara und das Generalkonsulat Istanbul derzeit in enger Abstimmung mit den EU-Partnern für eine möglichst hohes Maß an Transparenz bei dem Verfahren ein."

 

Das Gericht hatte beim Prozessauftakt am vergangenen Freitag entschieden, die Öffentlichkeit von allen folgenden Verhandlungen auszuschließen. Dündar ist Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet", Erdem Gül Hauptstadt-Büroleiter. Die Staatsanwaltschaft wirft den Journalisten unter anderem Spionage und Unterstützung einer Terrororganisation vor. Ihnen droht lebenslange Haft.

Hintergrund der Anklage ist ein Bericht der "Cumhuriyet" über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien aus dem vergangenen Jahr. Staatspräsident Erdogan hatte Anzeige gegen Dündar und Gül erstattet. Der Präsident ist neben dem türkischen Geheimdienst MIT Nebenkläger im Prozess.

dpa


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