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Russland will durch den Importstopp verbotene Lebensmittel aus dem Westen im großen Stil zu vernichten.

Russland will durch den Importstopp verbotene Lebensmittel aus dem Westen im großen Stil zu vernichten. © Christian Charisius/Symbol

Konflikte

Russland vernichtet 300 Tonnen Lebensmittel aus dem Westen

Moskau (dpa) - Trotz scharfer Kritik von Bürgern haben die russischen Behörden begonnen, durch einen Importstopp verbotene Lebensmittel aus dem Westen tonnenweise zu vernichten.

Ein entsprechender Erlass von Präsident Wladimir Putin trat am Donnerstag in Kraft. Die Öffentlichkeit ist schockiert.

Ein Video im Kreml-nahen Internetportal "Lifenews" zeigte, wie sich inmitten einer grünen Wiese bei Belgorod im Süden Russlands lange Metallzähne in Käse fressen und ihn in einen gelblichen Brei verwandeln. 55 Tonnen Obst und Gemüse in Smolensk, 40 Tonnen polnischer Äpfel und Tomaten im Gebiet Moskau, 20 Tonnen Milchprodukte aus Deutschland in St. Petersburg: Im ganzen Land berichtete die Agraraufsicht von Lebensmitteln, die im großen Stil verbrannt oder zermahlen wurden.

Allein am ersten Tag vernichteten die Behörden nach Angaben aus Moskau insgesamt mehr als 300 Tonnen. Mit dem umstrittenen Schritt reagiert der Kreml auf die illegale Einfuhr von Fleisch, Fisch und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse aus der EU und den USA.

Ungeachtet des Importverbots sind nach Behördenangaben im vergangenen Jahr Hunderte Tonnen Essen aus dem Westen nach Russland geliefert und dann umetikettiert worden. Vor allem über Weißrussland und Kasachstan führen die Schmuggelrouten. Denn dank ihrer Mitgliedschaft in der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion sind dort die Grenzkontrollen gering.

Russische Medien und Bürger sehen in der Verbrennung indes eine unfassbare Verschwendung von Essen. "Die Behörden wollen die Vernichtung von Lebensmitteln in einem Land begründen, das in seiner Geschichte viele Male Hunger gelitten hat und lange ein Nahrungsmitteldefizit hatte", kritisiert die Zeitung "Wedomosti".

Hunderttausende Russen protestierten mit einer Petition im Internet gegen das Projekt. Sie verlangen, das Essen an Bedürftige wie Rentner, Invalide und Veteranen zu verteilen. Mehr als 20 Millionen Russen gelten Berichten zufolge als arm. Rund 280 000 Menschen unterstützen die Aktion. Allein am Donnerstag kamen innerhalb weniger Stunden rund 20 000 Unterschriften hinzu.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, der Protest werde zur Kenntnis genommen, doch die Vernichtung werde fortgesetzt. Die beschlagnahmten Produkte seien Schmuggelware ohne Zertifikate, deren Sicherheit nicht garantiert sei. Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschjow verteidigte die umstrittene Maßnahme als Schritt, um keinen Handel mit West-Essen auf dem Schwarzmarkt zu ermöglichen. "Wenn diese Produkte verteilt würden, wo wäre dann die Garantie, dass es keine Korruption gibt?", meinte er im TV-Sender Rossija 24.

Mit seinem Embargo will Kreml-Chef Putin langfristig die heimischen Bauern stärken und dafür sorgen, dass mehr russische Produkte in den Supermärkten zu kaufen sind. Das Embargo ist Putins Antwort auf Strafmaßnahmen des Westens wegen der Ukraine-Krise. Inzwischen droht der Kreml, seine Sanktionen auch auf Montenegro, Albanien, Island, Norwegen und Liechtenstein auszuweiten, die sich kürzlich den Strafmaßnahmen der EU angeschlossen hatten.

Aufsehen erregte in der Nacht zum Donnerstag ein Lastwagenfahrer an der weißrussischen Grenze. Als er erfuhr, dass seine Ladung mit 1,5 Tonnen Tomaten vernichtet werden soll, warf er kurzentschlossen den Motor an und machte sich über die Grenze nach Weißrussland davon.

dpa


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