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Deutschland/Welt „RAF wird im Vergleich mit IS eine Fußnote sein“
Nachrichten Politik Deutschland/Welt „RAF wird im Vergleich mit IS eine Fußnote sein“
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00:20 29.06.2015
Große Trauer und Entsetzen in Kuwait nach einem verheerenden Bombenanschlag auf eine Moschee. Quelle: Raed Qutena
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Lyon, Sousse, Kuwait - haben wir es mit einer koordinierten Aktion zu tun?

Fest steht, dass alle Anschläge unter dem gemeinsamen Logo des Islamischen Staates oder Al Kaida verübt worden sind. Wir reden von einer globalisierten militant-islamistischen Brüdergemeinde. Es ist eine Gemeinschaft im Geiste des islamistischen Terrors. Daher sind alle drei Taten unter ein bestimmten Raster einzuordnen: der Kampf gegen Ungläubige, der Kampf gegen den Westen, der Kampf gegen westliche Ziele.

Hat der IS nicht im eigenen „Staat“ in Syrien und im Irak zu kämpfen?

Ja, der IS konzentriert sich durchaus erst einmal auf seinen Staat dort. Im Gegensatz zu Al Kaida, der den „fernen Feind“ im Visier hat, also die USA, Großbritannien, Israel. Der IS agiert dagegen in seinem näheren Umfeld, gegen den „nahen Feind“, worunter unter anderen die prowestlichen arabischen Staaten fallen. Er streckt seine Fühler jetzt auch nach Libyen aus. Die meisten Staaten des arabischen Frühlings sind gescheitert. Tunesien ist von ihnen noch das stabilste Land. Die Terroristen wollen mit Hilfe des Terroranschlags das Land destabilisieren, deswegen wird eine der wichtigsten Einnahmequellen, der Tourismus, angegriffen. In Kuwait hat es eine schiitische Moschee getroffen, der sunnitische IS nutzt die religiösen Spannungen mit den Schiiten aus.

Ist es möglich, dass es unter den islamistischen Terroristen eine Art grausamen Wettbewerb gibt, um möglichst viele Anhänger hinter sich zu versammeln?

Das ist richtig. Wir haben zwei konkurrierende Terrororganisationen, auch wenn sie im selben Geiste kämpfen: IS und Al Kaida. Al Kaida hat an Strahlkraft verloren. Die sind mittlerweile vom IS getoppt, denn der IS hat ein Kalifat, einen sogenannten Staat, er hat sich in der Fläche etabliert. Fast die Hälfte Syriens gehört dem IS, dazu große Teile des Irak. Ob der IS jetzt über das Mittelmeer den Sprung nach Europa wagt, ist die Frage. Es gibt Islamwissenschaftler, die befürchten, der IS müsse noch den großen Anschlag in Europa durchführen, um den 11. September 2001 der Al Kaida zu übertreffen. Ich sehe das anders: in der Zwischenzeit gibt es dutzende Anschläge mit genauso großer Wirkung. Denken Sie nur an „Charlie Hebdo“ in Paris. Da stand das ganze westliche Wertesystem im Fokus.

Also haben sie längst mit Al Kaida gleichgezogen?

Selbst wenn der Islamische Staat irgendwann verschwindet, so haben sie doch tausende Kämpfer mit der Lizenz zum Töten geschaffen.

Al Kaida ist ein Netzwerk, jedes Netz für sich kann autonom zuschlagen. Ist der IS ähnlich gegliedert?

Der IS ist strukturell wie ein Staat aufgebaut. Wer sich in den eroberten Stätten der IS unterwirft, wird ja sogar in Lohn und Gehalt gehalten. Die werden nicht unbedingt ihre Leute nach Europa schicken. Aber sie haben 3000 Westeuropäer, davon 700 aus Deutschland, die für den IS kämpfen. 200 sind bereits zurückgekommen. Ein Rückkehrer kann eine Kleinzelle gründen oder als Einzeltäter auf die Stunde X warten.

Schießen, Sprengstoff, Enthaupten - ist denen egal, wie sie ihre Feinde töten?

Neu ist, dass sie wie in Sousse mit Kalaschnikows vorgehen, das ist eine Kriegswaffe mit großer tödlicher Wirkung. Sie gehen also im Kommandostil vor. Die Enthauptung in Lyon wiederum scheint das „Markenzeichen“ für den IS zu sein. Man will Panik und Schrecken verbreiten.

In den 70und 80er Jahren gab es die linksterroristische RAF. Müssen wir noch lange mit dem islamistischen Terrorismus leben?

Wenn es in 50 oder 100 Jahren eine Enzyklopädie des weltweiten Terrors geben wird, dann wird die RAF im Vergleich mit der Al Kaida und der IS nur noch eine Fußnote sein. Wir werden noch lange mit ihnen zu tun haben. Viele Kämpfer dort werden noch als terroristische Manövriermasse durch die Weltgeschichte morden.

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