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Katholische Kirche

Probst Martin Tenge im Interview zu Papst Franziskus

Propst Martin Tenge (51) aus Hannover spricht im NP-Interview über Papst Franziskus und die Zukunft der Katholischen Kirche.

Franziskus ist nun der erste Papst aus Lateinamerika. War es Zeit dafür?

Es ist ein sehr gutes Zeichen für die ganze Kirche, dass es einen lateinamerikanischen Papst gibt – der auf seine Weise deutlich macht, dass die Katholische Kirche eine Weltkirche ist, die sich nicht nur von Europa her definiert. Wir sind nicht das Maß aller Dinge. Immerhin leben 42 Prozent aller Katholiken in Lateinamerika. Die Wahl macht deutlich, da hat sich etwas verschoben. Das ist ein großartiges Signal.

Welche Auswirkungen wird die Wahl für europäische Katholiken haben?

Der Papst wird uns Themen näher bringen, zum Beispiel soziale Gerechtigkeit, Armut und Teilhabe. Mit seiner selbstverständlichen Art, wie er schon das Gebet gesprochen hat, werden wir auch interkulturell viel lernen können.

Bergoglio galt nicht als absoluter Favorit, trotzdem hat es nur fünf Wahlgänge gegeben.

Der erste Wahlgang ist eine Probe, bei der alle möglichen Namen auf den Tisch kommen. Das kann die Kardinäle zum Nachdenken anregen. Und in Bergoglio, er war ja schon 2005 im Rennen, könnten viele schnell dann doch den Richtigen gesehen haben. Es ist nicht nur ein technisches Stimmen-Abgeben, das Verfahren ist auch ein kreativer Prozess.

Wie würden Sie ihn einschätzen, und was können wir von Papst Franziskus erwarten?

Er ist ein Mensch, der in seinem Glauben tief verwurzelt ist. Sehr spirituell und doch offen für die Menschen. Er richtet sein Fähnlein nicht nach dem Wind. Er weiß, wo er steht und wo er hin will. Und er wendet sich gleichzeitig den Menschen zu und bittet sie um den Segen. ,Bevor ich euch segnen kann, müsst ihr mich segnen‘ – das kann nur jemand, der Offenheit vertritt.

Bei Themen wie dem Zölibat oder der Ehe zwischen Homosexuellen, da zeigte sich Franziskus aber schon strikt.

Ich gehe davon aus, dass er an der Stelle sehr konservativ ist. Konservativ im Sinne des Bewahrens dessen, was ihm als Lehre der Kirche vorsteht. In seiner neuen Funktion wird er aber nicht einfach strikt sagen ,geht nicht‘, sondern er wird sich damit auseinandersetzen und es bewerten. Vielleicht bleibt die Praxis dieselbe, aber er wird die Menschen nicht verurteilen.

Wo könnte sich etwas verändern?

Es muss sich atmosphärisch etwas verändern, gerade in Deutschland. Wir leiden an einem geistlichen Burn-out, da ist wenig Frische und Freude bei uns am Christsein. Ich hoffe, dass dieser Mann wieder das Feuer in den Herzen entfacht, dass Glaube sinnvoll ist.

Er ist Jesuit und hat den Namen Franziskus gewählt. Welchen Einfluss wird das haben?

Den Namen wird er sehr bewusst gewählt haben. Einmal als menschennaher Patron der Armen, aber der Heilige Franziskus hat die Kirche auch reformiert. Der Papst wird nach den sozialen Dimensionen der Kirche fragen, Caritas und Diakonie werden starke Themen sein. Dass er keinen klassischen Jesuiten als Namen gewählt hat, zeigt, er ist ein Brückenbauer.

Franziskus ist schon 76 und hat eine angeschlagene Gesundheit. Ist das nur ein Übergang?

Selbst wenn er nur fünf Jahre regieren sollte, es kommt auf die gesetzten Akzente an. Es ist keine Frage der Zeitdauer, sondern der Intensität, um etwas zu bewegen.

Kirche ist auch geprägt von Skandalen – wie wird er damit umgehen?

Er muss innerhalb des Vatikans viele Fragen stellen, das geht nicht ohne den kritischen Blick und personelle Veränderungen. Er muss seine Führungsebene definieren. Vor den Skandalen und Schwierigkeiten wird er die Augen nicht verschließen – und die Frage stellen, wie können wir damit in Verantwortung vor den Menschen umgehen.


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