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Ein Polizeifahrzeug fährt in Kundus Patrouille - vermutlich von Talibankämpfern gesteuert. Foto: Stringer

Ein Polizeifahrzeug fährt in Kundus Patrouille - vermutlich von Talibankämpfern gesteuert. Foto: Stringer

Konflikte

Präsident Ghani verspricht Rückeroberung von Kundus

Die Taliban haben Kundus erobert, nun setzt die afghanische Regierung zum Gegenschlag an - mit Unterstützung der USA. Präsident Ghani versichert, Kundus werde nicht aufgegeben.

Kundus/Berlin. Nach dem Fall von Kundus haben afghanische Regierungstruppen eine Gegenoffensive zur Vertreibung der Taliban aus der Provinzhauptstadt begonnen. Präsident Aschraf Ghani kündigte an, Kundus werde zurückerobert.

"Ich versichere der Nation, dass alles unternommen wird, die Kontrolle über die Stadt zurückzugewinnen", sagte Ghani in Kabul. "Ich appelliere an das afghanische Volk, unseren Sicherheitskräften zu trauen und Ruhe zu bewahren." Zusätzliche Soldaten und Spezialkräfte seien in Kundus eingetroffen.

Der Fall von Kundus löste in Deutschland eine erneute Debatte über den geplanten Abzug der Bundeswehr aus Nordafghanistan aus. Zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kundus hatten die radikalislamischen Taliban die Stadt am Montag überrannt. Kundus ist die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde.

Polizeisprecher Sajed Sarwar Hussaini sagte, Regierungstruppen seien am Dienstagmorgen in die nordafghanische Stadt eingedrungen. "Wir haben das Polizei-Hauptquartier und das Provinz-Gefängnis zurückerobert." Ein US-Militärsprecher in Kabul sagte, US-Streitkräfte hätten einen Luftangriff in Kundus geflogen.

Bei den Kämpfen um Kundus kamen mindestens 33 Menschen ums Leben. Der amtierende Verteidigungsminister Masum Staniksai sagte am Dienstag, bislang seien 17 Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte getötet und 18 weitere verwundet worden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Kabul sagte, außerdem seien 16 Leichen in Krankenhäuser gebracht worden. 172 Menschen seien verletzt worden. "Wir wissen nicht, ob das Zivilisten oder Taliban sind."

Am Dienstag flog ein kleines Team der Bundeswehr zum Flughafen in Kundus, der weiterhin unter Regierungskontrolle ist. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte, es sei darum gegangen "zu verstehen, wie die afghanische Armee gedenkt, die Hoheit über die Stadt zurückzugewinnen".

Taliban-Chef Mullah Achtar Mohammad Mansur versicherte, die Aufständischen würden "Leben, Besitz und Ehre der respektierten Bürger der Stadt Kundus schützen." In einer Mitteilung Mansurs zur "Befreiung" der Stadt hieß es, die Menschen dort könnten ihr Leben "in absoluter Sicherheit" weiterführen. Ähnliche Mitteilung der Taliban etwa zum Schutz von Zivilisten im Afghanistan-Krieg hatten sich in der Vergangenheit als Lippenbekenntnisse entpuppt.

Ein Taliban-Kommandeur namens Mullah Usman in Kundus sagte, die Aufständischen durchsuchten Häuser nach Regierungsmitarbeitern und regierungsfreundlichen Milizionären. Ein afghanischer Mitarbeiter eines Hilfswerks in Kundus, der anonym bleiben wollte, sagte am Dienstag, die Taliban hätten Fahrzeuge der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und anderer internationaler Hilfsorganisationen in ihre Gewalt gebracht.

Der SPD-Politiker Rainer Arnold forderte angesichts der Eroberung eine Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Nordafghanistan. Auch die Unionsfraktion stellte den Abzug infrage.

Die Bundeswehr hatte sich vor zwei Jahren aus Kundus zurückgezogen, ist aber noch im 150 Kilometer entfernten Masar-i-Scharif stationiert - allerdings nur zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee. Der Kampfeinsatz der Nato war Ende Ende 2014 nach 13 Jahren ausgelaufen. Bisher ist geplant, im Laufe des Jahres 2016 alle Nato-Truppen aus der Fläche nach Kabul zurückzuziehen.

dpa


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