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Ein Teil des örtlichen Polizeihauptquartiers wurde nach einer anonymen Drohung abgesperrt, später folgte jedoch Entwarnung. Foto: Erik S. Lesser

Ein Teil des örtlichen Polizeihauptquartiers wurde nach einer anonymen Drohung abgesperrt, später folgte jedoch Entwarnung. Foto: Erik S. Lesser

Kriminalität

Polizistenmörder von Dallas plante noch größere Attacke

Die Stimmung in den USA ist aufgewühlt. Präsident Obama ruft zum Zusammenhalt auf. Dennoch kommt es zu neuer Gewalt gegen Polizisten. Derweil wird immer mehr Schockierendes über den Heckenschützen von Dallas bekannt.

Dallas. Der Polizistenmörder von Dallas plante eine noch größere Attacke als die tödlichen Schüsse auf die Beamten.

Darauf deuteten unter anderem Einträge in einem Tagebuch und der Sprengstoff hin, der in der Wohnung des Täters gefunden wurde, sagte der Polizeichef der texanischen Stadt, David Brown, am Sonntag.

In zahlreichen US-Städten gingen wieder Tausende Menschen gegen Polizeigewalt auf die Straße. In St. Paul im Bundesstaat Minnesota wurden Polizisten mit Steinen, Böllern und Molotowcocktails beworfen und fünf von ihnen verletzt.

In mehreren Städten blockierten Demonstranten wichtige Verkehrsstraßen, in einigen Fällen setzte die Polizei nach Medienberichten Rauchbomben ein. Insgesamt wurden mehr als 200 Menschen festgenommen, allein 125 in Baton Rouge (Louisiana).

Präsident Barack Obama beschwor die Einheit der Nation und rief seine Landsleute auf, nach vorn zu blicken. Den Polizistenmörder bezeichnete er als "verrückten" Einzeltäter.

Obama will nach Angaben des Weißen Hauses am Dienstag Dallas besuchen und dort unter anderem auf einer überkonfessionellen Gedenkfeier sprechen. Er verkürzte deshalb einen Spanienbesuch im Anschluss an den Nato-Gipfel in Warschau und flog am Sonntag nach Washington zurück.

Auslöser der landesweiten Proteste war der Tod zweier Afroamerikaner in den US-Staaten Minnesota und Louisiana durch Polizeischüsse. In der Nacht zum Freitag eskalierte die Lage. Der 25-jährige Afroamerikaner Micah Johnson erschoss während einer Demonstration gegen Polizeigewalt fünf Polizisten und verletzte fünf weitere sowie zwei Zivilisten.

Als Motiv gilt Hass auf Weiße. Gefundene Schriften und Facebook-Einträge deuten auch darauf hin, dass Johnson Sympathien für afro-nationalistische Ideen und schwarze Extremistengruppen hatte.

Der 25-Jährige war früher Heeresreservist und wurde Ende 2013 in Afghanistan eingesetzt, allerdings nicht in Kämpfen. Mehreren Medienberichten zufolge wurde er nach dem Vorwurf der sexuellen Belästigung einer Soldatin vorzeitig zurück nach Hause geschickt.

Brown zufolge wurde der Täter anscheinend "in seinem Wahn" durch die Polizeischüsse auf die Schwarzen in Minnesota und Louisiana angestachelt und entschloss sich zu dem Angriff. Er soll zuvor im Garten seines Wohnhauses militärische Praktiken geübt haben - so die Heckenschützentaktik, die er bei seiner Attacke anwendete: Schießen und dann immer wieder schnell den Ort wechseln.

Der Polizeichef enthüllte auch, dass der Täter während der stundenlangen Verhandlungen mit Polizisten nicht nur geschossen, sondern auch gelacht und gesungen habe. Wiederholt habe er darüber gesprochen, wie viele Polizisten er wohl noch töten werde.

Im Treppenhaus der Garage, in der er später gezielt durch einen Sprengsatz getötet wurde, schmierte Johnson mit seinem eigenen Blut die Buchstaben RB an die Wand, so Brown. Was das bedeute, werde noch untersucht.

Entschieden verteidigte Brown den Einsatz eines Roboters mit einer Bombe zur gezielten Tötung des Schützen. Es habe keine andere Wahl gegeben, den Schützen auszuschalten, ohne weitere Polizisten "in ernste Gefahr zu bringen". Brown sagte: "Ich würde es unter den gleichen Umständen wieder tun."

Obama war unterdessen sichtlich bemüht, die nach den Vorfällen der vergangenen Woche aufgewühlte Nation zu beruhigen. Das Land sei nicht so gespalten, wie manche behaupteten, sagte Obama nach Abschluss des Nato-Gipfels in Warschau.

Er sprach von einer "schmerzlichen" Woche, betonte aber zugleich, dass "die Taten von Einzelnen nicht für uns alle stehen dürfen". Es gebe genügend Gemeinsamkeiten, auf die man bauen könne.

Dennoch blieb die Stimmung vielerorts angespannt, wuchs die Sorge, dass es zu weiterer Gewalt kommen könnte. In Dallas schreckte am Samstagabend (Ortszeit) ein neuer Sicherheitsalarm Polizei und Bewohner auf. Ein Teil des Polizeihauptquartiers wurde abgesperrt und nach einer "verdächtigen Person" gesucht, später folgte Entwarnung.

In San Antonio (ebenfalls Texas) wurden anscheinend mehrere Schüsse auf das Polizeihauptquartier im Stadtzentrum abgefeuert. Polizisten zufolge wurde das Gebäude getroffen und mindestens eine Patronenhülse gefunden, wie der örtliche Sender KSAT berichtete. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden.

dpa


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