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Einen kurzen Schrecken jagte der Papst den Pilgern ein, als er zu Beginn der Open-Air-Messe stürzte.

Einen kurzen Schrecken jagte der Papst den Pilgern ein, als er zu Beginn der Open-Air-Messe stürzte. © Daniel Dal Zennaro

Kirche

Papst Franziskus wünscht sich rebellische Jugend

Der Papst betet, fährt Tram und redet der Jugend ins Gewissen. Und dann gibt es da noch eine Schrecksekunde.

Tschenstochau/Krakau. Papst Franziskus hat die jungen Menschen beim Weltjugendtag zur Rebellion für eine bessere Welt aufgerufen.

"Es schmerzt mich, wenn ich jungen Menschen begegne, die vorzeitig in Pension gegangen zu sein scheinen", sagte er bei einer Begrüßungszeremonie vor Hunderttausenden begeisterten Katholiken in Krakau. "Es macht mir Sorgen, wenn ich junge Menschen sehe, die das Handtuch geworfen haben, bevor sie zum Wettkampf angetreten sind."

Franziskus ermutigte die jungen Menschen, keine Angst vor Veränderungen zu haben. "Es ist schön und es tröstet mein Herz, euch so rebellisch zu sehen." Die Kirche könne davon lernen.

Am zweiten Tag seiner Polen-Reise fuhr Franziskus mit der Tram zum Blonia-Park in Krakau, wo ihn die Teilnehmer des großen katholischen Welttreffens trotz Regens frenetisch feierten. Auf dem weitläufigen Gelände, auf dem er mit dem Papa-Mobil herumfuhr, erschallten auch "Francesco, Francesco"-Rufe.

Bei seinem Abstecher in den Wallfahrtsort Tschenstochau hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche zuvor für eine Schrecksekunde gesorgt. Zu Beginn einer Open-Air-Messe stolperte er - mit einem Weihrauchfass in der Hand - an einem Absatz und stürzte. Der 79-Jährige konnte sich jedoch mit Hilfe von zwei Begleitern rasch wieder aufrichten und predigte wie geplant. Dem Papst gehe es gut, versicherte später ein Vatikansprecher. Er war in den vergangenen Jahren in seinen langen Gewändern schon mehrfach ins Straucheln geraten.

Am Freitag will der Argentinier als dritter Papst nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI. das ehemalige deutsche NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen. Dort trifft er auch Holocaust-Überlebende. Anders als seine Vorgänger Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. will Franziskus bei seinem Auschwitz-Besuch schweigen.

Rabbiner und jüdische Verbände halten das Vorhaben, in Stille zu verharren, für angemessen. "Papst Franziskus ist ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen Antisemitismus und Heuchelei, und ein wahrer Freund des jüdischen Volkes. Wir danken ihm für seinen Besuch in Auschwitz, der eine wichtige Geste ist", sagte Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses.

In Tschenstochau betete Franziskus vor der berühmten Schwarzen Madonna. Am Nationalheiligtum Polens - einem von Legenden umrankten Abbild der Muttergottes - jubelten ihm ebenfalls Massen fähnchenschwenkender Pilger zu, die auch die anschließende Messe zum 1050. Jahrestag der Christianisierung Polens verfolgten. Dabei prangerte er das Streben nach Einfluss und Macht an und ermutigte die Menschen, sich wie Gott "klein" zu machen, Demut zu zeigen sowie Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu praktizieren.

Am Weltjugendtag in Krakau nehmen bis Sonntag mindestens eine halbe Million Pilger aus 187 Staaten teil, darunter 15 500 aus Deutschland. Franziskus will bis dahin noch mehrfach mit den Pilgern zusammentreffen, darunter bei einer großen Messe zum Abschluss.

dpa


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