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Terror im Namen der Tiere

Organisation Peta geht immer militanter gegen missliebige „Tiernutzer“ vor

„Letzte Warnung an die Gesellschaft“: Mit geschickt manipulierten Bildsequenzen in Videos suggerieren Tierschützer, dass es in deutschen Schweine- oder Hühnerställen nur gequälte und deshalb kranke Tiere gibt.

Ihr Protest war zunächst friedlich. Die Gegner des geplanten Tierimpfstoffzentrums der Firma Boehringer in Hannover besetzten die Baustelle und bauten ein Hüttendorf. Dann griffen die Tierschützer auch zu härteren Mitteln der Auseinandersetzung. Kühllastwagen eines Feinkosthändlers gingen in Flammen auf, Wachleute wurden mit Steinen beworfen. Wenn Gewalt ins Spiel kommt, stehen hinter den Aktionen kaum die bekannten Tierschutzorganisationen. Es sind vielmehr die sogenannten Tierrechtler, für die der gute Zweck jedes Mittel heiligt. Zu dieser Gruppe zählen sich vor allem die Anhänger der Organisation Peta.Manchmal verzichten die Militanten auf Gewalt und bedienen sich nur hinterhältiger Methoden. Zu Ralf Remmert kamen sie angemeldet und am helllichten Tag aber gut getarnt. Der aus Niedersachsen stammende Landwirt betreibt mit zwei Kollegen die Prignitzer Landschwein GmbH in Brandenburg. Die drei Landwirte züchten, mästen und schlachten Schweine im großen Stil. Wem Remmert da im Mai 2008 arglos die Tür öffnete, ahnte er nicht.

Die Anfrage für eine Dreherlaubnis in seinem Betrieb war von dem Spartensender Tier TV gekommen, der der United Screen Entertainment gehört. Die Berliner Firma betreibt digitale TV-Kanäle, die sich an ausgewählte Zielgruppen wie Tierhalter und Tierfreunde wenden. Tier TV wollte einen Bericht über die umstrittene Ferkelkastration bringen.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 22 Millionen Ferkel kastriert, um das Entstehen des typischen Ebergeruchs zu verhindern. Nach dem Tierschutzgesetz dürfen den Tieren bis zum Alter von sieben Tagen ohne Betäubung die Hoden entfernt werden. Gegen diese legalisierte Quälerei als Auswuchs der Massentierhaltung kämpft der Deutsche Tierschutzbund, größte Tierschutzorganisation in Europa, seit Jahren - und hat immerhin erreicht, dass die EU-Kommission endlich ein Verbot erarbeitet.

Auch in Remmerts Betrieb werden Ferkel kastriert, mit schmerzstillenden Mitteln, wie erklärt wird. Weil er auf ein Verbot und damit auf schonendere Alternativen hofft, versprach sich der Landwirt durch den Fernsehbeitrag zusätzlichen Druck auf die Politik - ein naives Ansinnen, wie sich herausstellen sollte.Ein Teil des Filmmaterials von Tier TV wurde dem Verein Peta Deutschland und der mit ihm kooperierenden „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ zugespielt. Peta Deutschland ist ein Ableger der größten amerikanischen Tierrechtsorganisation „People for the ethical Treatment of Animals“ (Peta). Auch die Stiftung hat sich der Förderung der Tierrechte verschrieben, ihr Präsident Wolfgang Schindler tritt in Gerichtsverfahren als Rechtsanwalt von Peta auf.

Die Filmausschnitte über das Abtrennen der Hoden bei den Ferkeln wurden offensichtlich so zusammengeschnitten, dass sich nicht nur jedem Tierfreund beim Ansehen des via Internet verbreiteten neuen Films der Magen umdrehen musste. Mit dem nach Angaben der Prignitzer Landschwein GmbH „manipulierten“ Bildmaterial als Beweismittel stellten die Tierrechtler auch Strafanzeigen gegen das Unternehmen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin stellte das Verfahren jedoch mangels Tatverdachts ein. Wie bei etlichen Strafanzeigen gegen Unternehmen der Agrarbranche und des Handels zuvor, mit denen Peta nach eigener Darstellung für die Rechte aller Tiere kämpft.

Die Masche ist immer die gleiche: Geschickt manipulierte Bildsequenzen suggerieren, dass es in deutschen Schweine- oder Hühnerställen nur gequälte und deshalb kranke Tiere gibt. Strafanzeigen folgen auf dem Fuße.

Bei der Inszenierung vermeintlicher Skandale kooperiert Peta mit einem Netzwerk, zu dem neben der „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ auch das „Deutsche Tierschutzbüro“ eines gewissen Ingo Schulz gehört. Nach unseren Recherchen fungiert Schulz als Beschaffer von Filmmaterial für Peta. Um „unentdeckt“ zu bleiben, tritt Schulz, der in Wahrheit Jan Peifer heißt, demnach unter verschiedenen Namen auf und unterhält unter der Kölner Adresse der Organisation lediglich ein „Nummernpostfach“. „Im Wege eines Pressemeldungs-Pingpongs“ samt TV-Tipp und Spendenaufruf sowie anschließender Strafanzeige arbeitet Jan Peifer alias Ingo Schulz alias Thomas Wegteck alias Thomas Sailer eng mit Peta zusammen, wie ein Insider berichtet.

Petas Kampf vor den Gerichten ist trotzdem zumeist erfolglos und kostet hohe (Spenden-)Summen, auch wenn das Edmund Haferbeck, promovierter Agrarwissenschaftler und „wissenschaftlicher Berater“ von Peta, bestreitet. Doch darüber ist auf den Internetseiten von Peta & Co. nichts zu finden. Warum auch? Das Ziel ist in jedem Fall erreicht: mediale Aufmerksamkeit, auch in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Sie beschert den Tierrechtlern wachsenden Zulauf an Sympathisanten und Spenden, die laut Haferbeck komplett für Kampagnen und zur Werbung für vegetarische Ernährung verwendet werden.

„Wir vermarkten das Mitgefühl mit den Mitgeschöpfen“, sagt Haferbeck offen. Mit Erfolg. Ein Herz für Tiere hat fast jeder. Dass es unappetitliche Missstände in der industrialisierten Massentierhaltung gibt, belegen zudem Skandale wie die BSE-Krise - wenngleich das die wenigsten abhält, auf Schnitzel oder Bratwurst zu verzichten.

Vor allem Prominente lassen sich gerne als Sympathieträger einspannen. Internationale Stars wie Elton John, Paul McCartney oder Britney Spears sind darunter, in Deutschland etwa Udo Lindenberg, Petra Gerster, Dirk Bach oder 96-Torhüter Robert Enke. Glaubt man Haferbeck, der vor Kurzem als Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Schweriner Stadtrat zurücktrat, drängen sie sich quasi als nützliche Idioten auf für „die gute Sache der Tierrechte“ und verschaffen damit den Tierrechtlern noch mehr Aufmerksamkeit - und Einfluss zulasten der seriösen Tierschützer.

In den USA wird Peta die Unterstützung der Tierterroristen von Animal Liberation Front nachgesagt. In Deutschland bedient sich die Schwesterorganisation ihrer “15.000 bis 20.000 Aktivisten“, um mit Randale Angst und Schrecken bei den „Tiernutzern“ zu verbreiten. Einige drangen auch bei dem Landwirt Remmert gewaltsam ein und bedrohten einen Mitarbeiter mit einem Messer. Dass es von der Polizei als Attrappe identifiziert wurde, ändert an der Absicht nichts: Terror „gegen jegliche Nutzung von Tieren“, wie Peta fordert.

Parallel dazu betreiben die Fanatiker das „Spiel mit den Medien“, um „das Establishment zu unterwandern“, wie Haferbeck die Peta-Strategie beschreibt. Wie gut es funktioniert, zeigt die Peta-Kampagne „Holocaust auf Ihrem Teller“ von 2003, garniert mit dem menschenverachtenden Zitat der Peta-Präsidentin Ingrid Newkirk: „In den Konzentrationslagern starben sechs Millionen Juden, aber sechs Milliarden Hühner werden in diesem Jahr in Schlachthäusern sterben, um als Brathähnchen zu enden.“ Der Zentralrat der Juden klagte wegen dieses den Massenmord an den Juden herabsetzenden Vergleichs. Der Streit ging bis zum Bundesverfassungsgericht, vor dem Peta unterlag.

Trotzdem war er für Peta ein medialer Coup, der laut Haferbeck Mitgliederzahlen und Spenden steigen ließ. Und er war, kündigt Haferbeck an, „die letzte Warnung an die Gesellschaft“, sonst sei eine „Al Qaida für die Tiere nicht mehr zu verhindern“.

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