Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Nationalkonservative Petry gewinnt AfD-Machtkampf
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Nationalkonservative Petry gewinnt AfD-Machtkampf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:46 04.07.2015
Die neu gewählte AfD-Vorsitzende Frauke Petry. Quelle: Federico Gambarini
Anzeige
Essen

Petry erhielt am Samstag in Essen 2047 der 3428 abgegebenen Stimmen, das sind 59,7 Prozent. Lucke kam nur auf 38,1 Prozent. Außerdem hatten drei weitere Mitglieder für den Posten kandidiert.

In einem zweiten Wahlgang wählten die Mitglieder den Volkswirtschafts-Professor Jörg Meuthen zum Zweiten Vorsitzenden. Der baden-württembergische Landeschef, der inhaltlich eher Positionen des liberalen Flügels vertritt, errang gegen vier Mitbewerber 62 Prozent der Stimmen. Laut Satzung wird die Erstgewählte Petry aber nach Verabschiedung des Parteiprogramms - geplant Ende 2015 - die Alternative für Deutschland (AfD) alleine führen. Meuthen wird dann automatisch zu einem ihrer vier Stellvertreter. Der Europaabgeordnete Lucke hatte sich nach seiner Niederlage gegen die sächsische Partei- und Fraktionsvorsitzende nicht mehr zur Wahl gestellt.

Seine Niederlage deutete sich schon zu Beginn des Parteitags an, als die Teilnehmer ihn mit Pfeifkonzerten und Buh-Rufen empfingen. Seine Begrüßungsrede in der Essener Gruga-Halle wurde von Anhängern Petrys mehrfach mit Zwischenrufen unterbrochen.

Mit einer Mehrheit von 61 Prozent beschloss der Parteitag, die von Lucke ausdrücklich gewünschte Wahl eines Generalsekretärs von der Tagesordnung zu nehmen. Teil desselben Antrags war allerdings auch der Vorschlag, die Wahl des neuen Vorstands auf der Grundlage der Anfang Februar verabschiedeten Satzung abzuhalten. Diese Satzung hatte Petry damals vehement bekämpft, weil sie eine schrittweise Verengung der Parteispitze von heute drei auf dann nur noch einen Vorsitzenden vorsieht.

Der Machtkampf zwischen den Parteiflügeln und insbesondere Lucke und Petry dauerte bereits seit einem halben Jahr an und wurde erbittert geführt. Lucke warf Petry vor, sich zu wenig nach Rechtsaußen abzugrenzen, Petry hielt ihm ihrerseits eine Verengung auf Wirtschaftsthemen vor.

In seiner Essener Rede übte Lucke Selbstkritik. "Statt parteiintern sachlich und problemorientiert zu diskutieren, ist uns die Sache entglitten, bis wir uns in aller Öffentlichkeit stritten, dass die Fetzen flogen", sagte er. Zugleich machte er aber erneut Front gegen Islam- und Fremdenfeinde.

Konrad Adam, der im alten Vorstand neben Lucke und Petry der Dritte im Bunde war, erntete von den Parteimitgliedern viel Applaus für den Satz: "Als rechts gilt heute, wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Ansicht ist, dass sich der Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen lässt."

In anderen Parteien wurde das Ergebnis als klarer Rechtsruck interpretiert. Der Vorsitzende der konkurrierenden FDP, Christian Lindner, nannte die AfD eine Pegida-Partei. "Die Wirtschaftskonservativen Lucke, Henkel und Starbatty haben Geister gerufen, von denen sie heute weggefegt wurden", schrieb er in einer Mitteilung. Grünen-Fraktionschef Katrin Göring-Eckardt twitterte: "Mit #petry ist #AfD jetzt Rechtsaußen." Linken-Parteichef Bernd Riexinger schrieb ebenfalls in dem Internet-Kurznachrichtendienst: "Schlimmer geht immer."

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Tunesien hat gut eine Woche nach der Ermordung Dutzender Urlauber durch einen Islamisten den Ausnahmezustand verhängt. Das verkündete Präsident Béji Caïd Essebsi am Samstag bei einer Ansprache im Staatsfernsehen.

04.07.2015

Kurz vor dem mit Bangen erwarteten Referendum in Griechenland hat Finanzminister Gianis Varoufakis der EU "Terrorismus" vorgeworfen. "Was man mit Griechenland macht, hat einen Namen: Terrorismus", sagte der Minister zu den Verhandlungen mit den Gläubigern in einem Interview der spanischen Zeitung "El Mundo" (Samstag).

04.07.2015

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht für alle Länder des westlichen Balkans eine EU-Beitrittsperspektive. "Bei allen Schwierigkeiten, die wir noch haben, gibt es Fortschritte", sagte Merkel vier Tage vor ihrer Reise nach Albanien, Serbien und Bosnien-Herzegowina in Berlin.

04.07.2015
Anzeige