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Reisende steigen im Kölner Hauptbahnhof in einen Thalys mit Ziel Paris Nord. Die Gewerkschaft der Polizei hält einen Einsatz von Sicherheitsbegleitern in Zügen nach dem Vorbild der «Sky-Marshalls» im Luftverkehr für sinnvoll.

Reisende steigen im Kölner Hauptbahnhof in einen Thalys mit Ziel Paris Nord. Die Gewerkschaft der Polizei hält einen Einsatz von Sicherheitsbegleitern in Zügen nach dem Vorbild der «Sky-Marshalls» im Luftverkehr für sinnvoll. © Rolf Vennenbernd

Kriminalität

Nach vereitelter Thalys-Attacke Debatte über Zug-Sicherheit

Die Passagiere eines Thalys-Zugs nach Paris hatten wohl Glück im Unglück. Nach der vereitelten Attacke eines Schwerbewaffneten fordern Politiker mehr Sicherheit im Zug - doch ob die Behörden diesen Aufwand stemmen können, sehen viele skeptisch.

Paris. Nach der vereitelten Attacke in einem Thalys-Zug gibt es auch in Deutschland Rufe nach einem besseren Polizeischutz in Bahnhöfen und Zügen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält einen Einsatz von Sicherheitsbegleitern in Zügen nach dem Vorbild der "Sky-Marshalls" im Luftverkehr für sinnvoll.

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), sagte der "Passauer Neuen Presse", im Vergleich zum intensiv kontrollierten Flugverkehr sei der Bahnverkehr wesentlich anfälliger. Um die Polizeipräsenz zu erhöhen, "bedarf es aber unweigerlich zusätzlicher Stellen bei der Bundespolizei".

Frankreichs Verkehrs-Staatssekretär Alain Vidalies kündigte am Montag im Sender Europe 1 stichprobenartige Gepäckkontrollen an. Weil jeden Tag 20-mal so viele Menschen in Frankreich die Bahn neben wie ein Flugzeug, könnten solche Überprüfungen nur punktuell sein.

Der belgische Premier Charles Michel brachte für internationale Züge Kontrollen wie beim Eurostar ins Spiel, der vom europäischen Festland aus nach London verkehrt. Dessen Passagiere müssen sich alle ausweisen und ihr Gepäck durchleuchten lassen.

Die EU-Kommission hielt sich merklich zurück: Es müssten zwar nötige Maßnahmen getroffen werden, aber ohne in einen "Hyperaktionismus" zu verfallen, warnte ein Sprecher der Behörde am Montag. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte zuvor gesagt, er könne sich nicht vorstellen, in jede S-Bahn und in jeden Zug Sicherheitsbeamte zu stellen. Der stellvertretende GdP-Vorsitzende Jörg Radeck mahnte in der "Neuen Westfälischen", Schlüssel für mehr Kontrollen sei die Personalstärke der Bundespolizei.

Der französische Präsident François Hollande zeichnete drei Amerikaner und einen Briten für ihren "Heldenmut" bei der Abwehr der Thalys-Attacke mit einem Orden (Ehrenlegion) aus. Die Männer hätten "eine Tragödie, ein Massaker" verhindert, sagte Hollande bei der Vergabe der Auszeichnung im Élyséepalast.

Den 25-jährigen Marokkaner, der am Freitagabend in dem Hochgeschwindigkeitszug Amsterdam-Paris das Feuer eröffnet hatte, bezeichnete Hollande als Terroristen. Der schwer bewaffnete Angreifer war von den Fahrgästen niedergerungen worden; terroristische Absichten leugnet er. "Eine Person hatte entschieden, einen Anschlag im Thalys zu begehen", sagte Hollande. "Er hatte genug Waffen und Munition, um ein Blutbad anzurichten."

Der Präsident überreichte die hohe Auszeichnung den US-Soldaten Alek Skarlatos und Spencer Stone, dem amerikanischen Studenten Anthony Sadler sowie dem Briten Chris Norman. Die drei Amerikaner waren in Begleitung ihrer Mütter in Hollandes Amtssitz gekommen, auch die US-Botschafterin Jane Hartley und Belgiens Premier Michel waren bei der Zeremonie dabei.

Der Marokkaner war von den spanischen Behörden als Islamist gemeldet worden. Die belgischen Sicherheitsbehörden kannten den Mann zwar, hielten ihn aber nicht für sehr gefährlich. Deshalb sei er nicht rund um die Uhr überwacht worden, sagte der belgische Innenminister Jan Jambon am Montag dem belgischen Sender Radio 1.

Der 25-Jährige wurde festgenommen und in einem Vorort von Paris von Anti-Terror-Ermittlern verhört. Laut seiner Anwältin bestreitet er, ein Terrorist zu sein, und behauptet, er habe die Fahrgäste ausrauben wollen. Die Bezwinger des Angreifers halten das angesichts seines Waffenarsenals - eine Kalaschnikow, eine Pistole und zahlreiche Magazine - für unglaubwürdig.

dpa


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