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Deutschland/Welt Nach Mammut-Prozess Haftstrafen für somalische Piraten
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Nach Mammut-Prozess Haftstrafen für somalische Piraten
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16:35 19.10.2012
Der erste Piratenprozess seit Jahrhunderten auf deutschem Boden endet mit mehrjährigen Haftstrafen für zehn angeklagte Somalier. Quelle: Philipp Guelland
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Hamburg

Das Gericht sprach sie des Angriffs auf den Seeverkehr und des erpresserischen Menschenraubes schuldig. Der Prozess hatte sich immer wieder in die Länge gezogen und am Schluss fast zwei Jahre gedauert. Die Angeklagten hatten nach Überzeugung des Gerichts den deutschen Frachter "Taipan" Ostern 2010 vor der Küste Somalias gekapert.

"Wir sind sicher, dass es eine geplante Tat war, dass keiner von Ihnen gezwungen wurde", sagte der Vorsitzende Richter Bernd Steinmetz zu den Angeklagten. Das Gericht sei überzeugt, dass die Piraten, die "Taipan" nach Somalia steuern und dann ein Lösegeld von mindestens einer Million Dollar fordern wollten. "Jeder von Ihnen zehn hatte die Erwartung, einen Anteil zu erhalten - wenn auch nur einen geringen", hielt Steinmetz den Angeklagten vor.

Die drei jüngsten Beschuldigten erhielten jeweils zwei Jahre Jugendstrafe. Die sieben erwachsenen Angeklagten wurden zu Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte Strafen zwischen sechs und zwölf Jahren Gefängnis für die sieben erwachsenen Angeklagten sowie vier bis fünfeinhalb Jahre für die drei Jüngsten gefordert.

Schon am vorletzten Prozesstag hatten die Anwälte erklärt, dass ein solches Verfahren nicht in Deutschland geführt werden sollte. "Wir maßen uns hier an, Recht zu sprechen nach unseren deutschen Vorstellungen über Menschen, deren Lebenssituation wir nicht mal annähernd nachvollziehen können", sagte Rainer Pohlen, Verteidiger des jüngsten Beschuldigten.

Die deutschen Reeder sehen das anders. "Piraterie ist ein Verbrechen, und Verbrecher gehören vor Gericht", sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), am Freitag der dpa. Da das überfallene Schiff "Taipan" unter deutscher Flagge gefahren sei, habe der Prozess in Deutschland abgehalten werden müssen. An Bord des Frachters waren auch zwei deutsche Besatzungsmitglieder.

Mit dem Prozess übernehme das Landgericht "auch ein Stück internationale Verantwortung", sagte Gerichtssprecher Conrad Müller-Horn noch vor der Urteilsverkündung. Schließlich habe Deutschland das Seerechtsübereinkommen unterzeichnet und sich darin verpflichtet, die Piraterie zu bekämpfen.

Zu Beginn des letzten Verhandlungstages hatte das Gericht einen Antrag eines Verteidigers auf weitere Überprüfungen der Aussage eines geständigen Angeklagten abgelehnt. Der Richter schloss die Beweisaufnahme in dem seit knapp zwei Jahren laufenden Verfahren damit bereits zum sechsten Mal.

In ihren Plädoyers verwiesen Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Wesentlichen auf die bereits gehaltenen Ausführungen. Auch die Angeklagten machten nur teilweise von ihrem Recht auf ein letztes Wort Gebrauch. Dabei schilderten sie die chaotische Lage im Bürgerkriegsland Somalia und betonten die Verantwortung, die sie für ihre dort lebenden Familien trügen.

In früheren Jahrhunderten gab es Hamburg viele Piratenprozesse. Von 1390 bis 1600 wurden nach Recherchen von Ralf Wiechmann vom Museum für Hamburgische Geschichte mindestens 428 Seeräuber enthauptet, der berühmteste war Klaus Störtebeker 1401. Die Hansestadt hatte seit 1359 das sogenannte Seeräuberprivileg zugestanden bekommen - also das Recht vom Kaiser, "ohne Rücksicht auf landesherrliche Gerichtsrechte" selbst Piraten zu jagen und zu verurteilen.

dpa

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