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Der Polizeichef des Burgenlandes Hans Peter Doskozil und die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sprechen mit der Presse.

Der Polizeichef des Burgenlandes Hans Peter Doskozil und die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sprechen mit der Presse. © Roland Schlager

Flüchtlinge

Nach Leichenfund in Lkw: Mutmaßliche Schlepper in U-Haft

71 tote Flüchtlinge in einem abgestellten Lastwagen in Österreich: Nach dem ersten Schock versucht die Justiz nun mit allen Mitteln, die Täter ausfindig zu machen. Vier Verdächtige sitzen schon in Untersuchungshaft.

Eisenstadt/Kecskemét. Nach dem grausigen Fund von 71 vermutlich erstickten Flüchtlingen in einem Lastwagen bei Wien hat ein ungarisches Gericht vier mutmaßliche Schlepper in Untersuchungshaft genommen.

Es handelt sich um drei Bulgaren im Alter von 29, 30 und 50 Jahren sowie einen 28-jährigen Afghanen, wie das Kreisgericht der Stadt Kecskemet am Samstag mitteilte. Die Polizei in Österreich griff zudem erneut einen Laster mit 26 Flüchtlingen auf. Aus dem stickigen Laderaum wurden drei entkräftete Kleinkinder gerettet, die kurz vor dem Verdursten waren.

Der Lastwagen wurde bereits am Freitag auf der Bundesstraße 148 bei Braunau gestoppt, wie die Behörden erst am Samstag mitteilten. Die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Bangladesch kauerten demnach in dem Wagen auf engstem Raum zusammen. Die wegen Wassermangels benommenen Kinder wurden mit ihren Eltern ins Krankenhaus Braunau gebracht. Ein 29 Jahre alter mutmaßlicher Schlepper wurde festgenommen.

Die vier in Ungarn inhaftierten mutmaßlichen Schlepper waren schon am Donnerstag nahe der Grenze zu Serbien festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gewerbsmäßigen Menschenschmuggel und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. Das Kreisgericht gab dem Antrag auf Untersuchungshaft statt, weil es Flucht-, Verdunkelungs- und Wiederholungsgefahr gegeben sah. Die Verdächtigen legten Berufung gegen ihre Verhaftung ein. Sie bestritten die Anschuldigungen.

Die österreichische Polizei entsandte zudem ein Untersuchungsteam nach Ungarn, wie Landespolizeichef Hans Peter Doskozil dem ORF sagte. Die Behörden hatten am Donnerstag an einer Autobahn 50 Kilometer südöstlich von Wien einen abgestellten 7,5-Tonner entdeckt. Darin fanden sich die Leichen von 59 Männern, 8 Frauen und vier Kindern. Nach bisherigen Erkenntnissen war der Lkw am Mittwoch südlich von Budapest losgefahren.

Derzeit werden vor allem die Handys der 71 Toten ausgewertet, um deren Identität und Herkunft zu ermitteln, wie Doskozil weiter sagte. Ausweisdokumente deuteten darauf hin, dass zumindest ein Teil der Menschen aus Syrien kam.

Für die weiteren Ermittlungen ist vor allem der Todeszeitpunkt von Bedeutung. Bislang ist die österreichische Staatsanwaltschaft am Zuge. Sie ermittelt wegen Schlepperei, versuchter Gemeingefährdung mit Todesfolge und Mordverdachts, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, Johann Fuchs, erklärte.

Sollte sich jedoch bei der Obduktion herausstellen, dass die getöteten Flüchtlinge mit Sicherheit nicht mehr am Leben waren, als der Lkw nach Österreich einreiste, wären in erster Linie die ungarischen Strafverfolgungsbehörden zuständig.

Die Toten werden derzeit von der Gerichtsmedizin Wien untersucht. Dies könne einige Tage dauern, hieß es.

Unterdessen löste die Veröffentlichung eines Fotos toter Flüchtlinge in dem Lastwagen in Österreich Dutzende Beschwerden beim Presserat aus. Die "Kronen Zeitung" hatte zuvor ein ungepixeltes Bild zusammengedrängter Leichen im Laderaum veröffentlicht.

dpa


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