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Justiz

NSU-Prozess: Zschäpe will auspacken

Beate Zschäpe plant in dieser Woche eine umfangreiche Aussage. Schon allein das ist eine Sensation. Nun wird mit Spannung erwartet, wie viel sie preisgeben wird von ihrem Wissen über den NSU, über Mittäter und Behörden.

München. Zweieinhalb Jahre dauert der Münchner NSU-Prozess jetzt schon. Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte, hat bisher eisern geschwiegen. Doch jetzt will sie reden.

Bisher sagte sie nichts zu den zehn Morden, für die sie angeklagt ist, nichts zu den beiden Sprengstoffanschlägen und nichts über ihr Umfeld und die Unterstützer. Aber seit ein paar Wochen sieht sie auffallend fröhlich und gelöst aus. Sie lachte viel an den vergangenen Prozesstagen, wenn sie sich mit ihrem Verteidiger Mathias Grasel unterhielt. Und immer wieder blätterte sie in Papieren, die ihr Grasel in einem roten Pappdeckel reichte.

Grasel ist erst seit Juli einer der Zschäpe-Verteidiger. Bis dahin wurde die 40-Jährige allein von Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm vertreten. Und die drei machten immer wieder deutlich, welche Strategie sie für ihre Mandantin für die beste hielten: zu schweigen. Denn das, was die Bundesanwaltschaft ihr vorwirft, ist nicht einfach zu beweisen: Zschäpe soll zwar nicht selbst geschossen haben, sei aber dennoch Mittäterin, weil sie alles über die Terrormorde gewusst und diese mitgeplant habe und überdies Mitglied der terroristischen Vereinigung namens "Nationalsozialistischer Untergrund" gewesen sei.

Inzwischen ist die Beweisaufnahme in dem Mammutprozess fast abgeschlossen - jedenfalls dachte man das bisher. Manche Äußerung des Gerichts wurde von Prozessbeteiligten dahingehend gewertet, Zschäpe müsse mit der maximalen Strafe rechnen. Das wäre lebenslange Haft plus Sicherungsverwahrung. Sie müsste damit rechnen, nie wieder in die Freiheit entlassen zu werden. 

Dass Zschäpe jetzt eine Aussage plant, könnte genau damit zusammenhängen. Ihr sei klargeworden, "dass Schweigen sie nicht weiterbringt", sagt Rechtsanwalt Yavuz Narin, der die Familie des in München ermordeten Theodoros Boulgarides vertritt. Mildernde Umstände könne sie aber nur erwarten, wenn sie "umfassend aussagt". Das sei auch zu begrüßen - weil es dazu beitrage, die Wahrheit aufzuklären. Zschäpes Erklärung, die ihr Anwalt Grasel am Mittwoch verlesen will, ist dem Vernehmen nach sehr lang. Sie soll Details zu einzelnen Taten enthalten, auch darüber, mit wem Zschäpe in den 13 Jahren des Untergrundlebens Kontakt hielt. Es könnte sich um die Unterlagen aus dem roten Pappdeckel handeln, die Zschäpe während der vergangenen Prozesstage immer wieder las. Und die ihre Laune sichtlich zu verbessern schienen. Narin hält es für denkbar, dass Zschäpe "Auskunft über eine Verstrickung in Nachrichtendienste" geben könnte. Auch die "Bild"-Zeitung berichtet, ohne Angabe von Quellen: Es sei möglich, dass sich Zschäpe zu Kontakten des NSU zu Mitarbeitern von Sicherheitsbehörden äußern könnte.

Sollte sie ihr Wissen tatsächlich preisgeben, würde der Prozess viel länger dauern als bisher gedacht. Das Gericht müsste überprüfen, ob das, was sie sagt, "Hand und Fuß hat", sagt Rechtsanwalt Sebastian Scharmer. Er vertritt die Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik. Ein Teil der Beweisaufnahme müsste wiederholt werden. Ein bis zwei Jahre könnte das alles noch dauern, schätzen die Prozessbeteiligten.

Über die Inhalte der Erklärung ist bisher nichts Gesichertes bekannt. Es wird ein spannender Tag werden - nicht nur, weil Zschäpe brisante Einzelheiten preisgeben könnte, sondern auch, weil sich der Streit mit ihren drei ursprünglichen Verteidigern noch einmal zuspitzen würde. Nach allem, was man hört, halten die drei weiter an der Strategie des Schweigens fest. Offen ist, wie sie auf die Ankündigung der Grasel-Kanzlei reagieren. Reden wollten sie darüber am Montag nicht. dpa


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