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Streit um Zusammensetzung

Muslime kritisieren neue Deutsche Islamkonferenz

Kritik an der neuen Deutschen Islamkonferenz: Die Muslime bemängeln den Ausschluss des Islamrats – auch prominente Islamkritiker sind bei der Konferenz nicht mehr dabei.
Muslimische Frauen verfolgen 2007 in Berlin den Beginn der 2. Islamkonferenz.

Muslimische Frauen verfolgen 2007 in Berlin den Beginn der 2. Islamkonferenz.

© dpa (Archiv)

Nur wenige Tage nach der Neuausrichtung der Deutschen Islamkonferenz (DIK) droht dem Gremium der Zerfall. Es sei „völlig offen, ob und in welcher Form die islamischen Dachorganisationen teilnehmen“, sagt Ayyub Axel Köhler, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Er reagierte damit auf Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Dieser hatte die Zusammensetzung des Gremiums verändert, das von seinem Amtsvorgänger Wolfgang Schäuble 2006 zum Dialog zwischen Vertretern des Staates und der Muslime in Deutschland ins Leben gerufen worden war und am 17. Mai neu zusammentreten soll.

Auf Kritik der muslimischen Verbände stößt vor allem der Ausschluss des Islamrats. Dahinter steht der Moscheenverband Milli Görüs, gegen den derzeit Ermittlungen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten laufen. „Ich möchte mich nicht mit jemandem an einen Tisch setzen, gegen den wegen des erheblichen Verdachts auf Delikte wie Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ermittelt wird“, begründet de Maizière seine Entscheidung. Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, erblickt als eigentlichen Grund des Rauswurfs die angeblich kritische Haltung seines Verbandes in der DIK. Er wolle kein „Feigenblatt zur Legitimierung von Positionen sein, die von muslimischer Seite nicht tragbar sind“, sagte Kizilkaya der „Süddeutschen Zeitung“. Das Innenministerium hatte Kizilkaya eine ruhende Mitgliedschaft angeboten, solange die Vorwürfe gegen Milli Görüs nicht ausgeräumt sind. Dies hatte der Islamrat abgelehnt.

Der Islamrat ist ebenso wie der Zentralrat seit drei Jahren mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religionen Ditib, dem Verband der Islamischen Kulturzentren und den Alevitischen Gemeinden im Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland zusammengeschlossen. Köhler appelliert an all diese Verbände, zu fragen, „ob wir in der Islamkonferenz fehl am Platz sind“. Eine Entscheidung fällt nach den Worten von Ditib-Vertreter Bekir Alboga am morgigen Freitag. Nach Köhlers Worten fühlen sich die Islamverbände in der neuen DIK „eindeutig unterrepräsentiert“. Auch fehlten auf der DIK-Tagesordnung Themen wie Islamfeindlichkeit und Diskriminierung, wozu er auch deutsche Kopftuchverbote rechnet.

Nicht auf Kritik der Islamverbände stieß de Maizières Entscheidung, auch profilierte Islamexperten wie die Schriftstellerin Necla Kelek oder die Rechtsanwältin Seyran Ates nicht mehr in das Gremium zu berufen. Sie wurden wegen ihrer Hinweise auf Zwangsehen und Ehrenmorde im muslimischen Kulturkreis von den Islamverbänden wiederholt als islamfeindlich kritisiert. Speziell der Publizistin Necla Kelek wurde oft vorgeworfen, sie spreche nur für sich selbst, nicht aber für den Islam. Allerdings repräsentieren auch alle im islamischen Dachverband vereinigten Organisationen zusammen nur eine Minderheit der Muslime in Deutschland.

Mehr Praxis, weniger Profil?

Die Neuausrichtung der Deutschen Islamkonferenz verfolgt das erklärte Ziel, mehr Praktiker zu berufen. Sie sind freilich weniger prominent als manches bisherige Mitglied. Außerdem sollen Muslime in ihrer ethnischen und religiösen Vielfalt stärker repräsentiert werden, aber auch säkulare Muslime zu Wort kommen. Deshalb ist neben allen bisherigen Islamverbänden außer dem Islamrat auch die Türkische Gemeinde in Deutschland repräsentiert. Zu den profiliertesten neuen Personen in der Konferenz zählt der aus Ägypten stammende Politologe und Autor Hamed Abdel-Samad. Er empfiehlt einen „Islam light“, der ohne Scharia und Dschihad auskommt. Profiliert ist auch der Islamwissenschaftler Bülent Ucar, der als Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück den ersten Studiengang für Islamkunde in Deutschland mitverantwortet. Für ethnische Vielfalt steht – neben zahlreichen türkischstämmigen Vertretern – Armina Omerika, Islamwissenschaftlerin mit bosnischen Ursprüngen. Und erstmals ist auch eine Frau mit Kopftuch in der Islamkonferenz dabei – die 28-jährige Tuba Isik-Yigit, die in Hannover über „Islamischen Religionsunterricht“ promoviert.

Daniel Alexander Schacht


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  • P. S. Guido Kommentar R. Wilke – 21.03.10
    Der Buddhismus ist keine Religion, wie fälschlicher Weise oft angenommen wird. Es ist eine Weltanschauung. Hierbei muß man sich seine eigenen Gedanken machen und diese selbstständig ins Leben einbringen. Daher ist der Buddhismus bei vielen Leuten gefürchtet.
  • Islamfeindlichkeit PC-Rider – 15.03.10
    Kein Wunder, dass es nirgendwo eine Christenkonferenz gibt: In keinem "zivilisierten" Land der Erde werden heutzutage Christen diskriminiert. Bei Muslimen ist das anders...

    Wer sich darüber ernsthaft informieren will, dem empfehle ich ein Buch: "Islamfeindlichkeit, wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen", vom Politologen Thorsten Gerald Schneiders.
  • Islamkonferenz efe – 11.03.10
    Die islamkonferenz wurde von der Regierung zum leben erweckt.
  • Islamkonferenz Guido – 11.03.10
    Gibt es eigentlich irgendwo in muslimischen Staaten eine Christenkonferenz? Ist mir nicht bekannt.
    Dieser ganze Mummenschanz nimmt sich viel zu wichtig und wird hier viel zu wichtig genommen.
    Es gibt keine Religion auf dieser Welt, die nicht in irendeiner Form Unheil über die Menschen gebracht hat.
    Vielleicht der Buddhismus-das ist dann aber auch die einzige Ausnahme.

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