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Deutschland/Welt Mit Razzien und Luftangriffen gegen den Terror
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16:40 16.11.2015
Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek haben Spezialeinsatzkräfte mehrere Verdächtige festgenommen. Foto: AFP
Paris/Brüssel

In Brüssel gab es am Montag erneut einen Polizeieinsatz in Molenbeek - dort waren die Beamten auf der Suche nach Salah Abdeslam, einem der Hauptverdächtigen der Anschläge vom Freitag mit 129 Toten. Nach dem als "gefährlich" beschriebenen 26-Jährigen wird international gefahndet. Er hatte den Polo gemietet, den die Attentäter bei ihrem Angriff auf die Konzerthalle Bataclan benutzten. Salah ist der Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris, Brahim Abdeslam. Der Einsatz in Molenbeek wurde ohne Festnahmen beendet. Die belgische Justiz eröffnete aber Strafverfahren gegen zwei weitere Verdächtige. Ihnen würden ein "Terroranschlag und die Teilnahme an den Aktivitäten einer Terrorgruppe" vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit, ohne die Namen zu nennen. Fünf weitere Verdächtige, die am Wochenende festgenommen worden waren, wurden allerdings ohne weitere Beschuldigungen auf freien Fuß gesetzt.

Unter den Freigelassenen ist auch Mohamed Abdeslam, der Bruder von Salah und Brahim Abdeslam. Laut Ermittlern stand Brahim in Verbindung mit dem belgischen Islamisten Abdelhamid Abaaoud. Der 27-Jährige aus Molenbeek gilt als Kopf der Gruppe, die im Januar im belgischen Verviers zerschlagen wurde, bevor sie einen Anschlag ausführen konnte. Er soll inzwischen wieder für den IS in Syrien kämpfen. Eine Verbindung von Abaaoud mit den Pariser Anschlägen war zunächst unklar. In Frankreich wurden in der Nacht bei Razzien im islamistischen Milieu 168 Wohnungen durchsucht, vor allem im Großraum Paris, in Lyon, Grenoble und Toulouse. Wie Innenminister Bernard Cazeneuve mitteilte, wurden 23 Verdächtige festgenommen und 104 Menschen unter Hausarrest gestellt. Außerdem wurden über 30 Waffen beschlagnahmt, darunter eine Panzerfaust und ein Sturmgewehr.

In Syrien griffen französische Kampfflugzeuge am Sonntagabend eine Kommandozentrale und ein Ausbildungscamp des IS in der Hochburg Raka an, wie Paris mitteilte. Allerdings räumten die Extremisten offenbar schon vor den Angriffen teils ihre Stellungen. Der IS habe einige Hauptquartiere evakuiert und die Angehörigen ausländischer Kämpfer aus der Stadt gebracht, sagte der Chef der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Dies sei infolge der Luftangriffe Russlands und der US-geführten Koalition geschehen. Frankreich beteiligt sich an den Luftangriffen auf den IS im Irak und mittlerweile auch in Syrien. Unterdessen wurden zwei weitere tote Attentäter von Paris identifiziert: Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, kam einer der Männer offenkundig aus Syrien als Flüchtling nach Europa. Demnach stimmen die Fingerabdrücke eines der drei Attentäter vom Stade de France mit jenen eines Mannes überein, der im Oktober als syrischer Flüchtling in Griechenland registriert worden war. Die Echtheit des syrischen Passes muss noch bestätigt werden.

Identifiziert wurde zudem ein weiterer Selbstmordattentäter, gegen den 2012 in Frankreich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt wurde. Der 28-jährige Samy Amimour entzog sich 2013 einer richterlichen Überwachung und wurde seitdem per Haftbefehl gesucht. Nach Angaben seiner Familie reiste er vor zwei Jahren nach Syrien. Er war unter den drei Attentätern, die am Freitagabend das Bataclan stürmten und 89 Menschen töteten. Premierminister Manuel Valls warnte vor erneuten Anschlägen der IS-Miliz in Europa. Auch "gegen andere europäische Länder" würden Einsätze vorbereitet, sagte Valls im Sender RTL. Frankreich könne ebenfalls erneut von Anschlägen heimgesucht werden. Valls zufolge wurden die Pariser Anschläge "von Syrien aus organisiert, erdacht und geplant".

Auch der US-Geheimdienst CIA fürchtet weitere Attacken gegen den Westen. Es sei "klar", dass die IS-Miliz eine "externe Agenda" habe, sagte CIA-Direktor John Brennan. Unterdessen folgten Millionen Europäer am Montagmittag dem Aufruf, mit einer Schweigeminute der Opfer zu gedenken. In Frankreich hielten die Menschen auf den Straßen, in Büros und Schulen um 12.00 Uhr eine Minute lang inne. Am Brandenburger Tor versammelte sich eine dichte Menschenmenge, vor der französischen Botschaft wurden hunderte Blumensträuße niedergelegt. dpa

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