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Deutschland/Welt „Mir tut Herr Hoeneß nicht leid“
Nachrichten Politik Deutschland/Welt „Mir tut Herr Hoeneß nicht leid“
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16:35 06.05.2013
KEIN VERSTÄNDNIS FÜR STEUERBETRUG: Millionär Dirk Roßmann hält Steuerehrlichkeit für eine unverzichtbare Säule des Rechtsstaates. Foto: dpa Quelle: Peter Steffen
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Sie haben gesagt, wer viel verdient, kann ruhig mehr Steuern zahlen. Mit Uli Hoeneß erleben wir gerade: Wer viel verdient, will weniger bezahlen. Ein Kavaliersdelikt?

Nein, das ist überhaupt kein Kavaliersdelikt, denn Steuerehrlichkeit ist für unseren Staat elementar. Wir können diesen Rechtsstaat, den wir in Deutschland aufgebaut haben, nur bewahren, wenn dieser Staat zuverlässig auch von denen seine Steuern bekommt, die hier Geld verdienen. Das gilt in ganz besonderem Maße für die, die viel verdienen. Steuerehrlichkeit ist unabdingbar. Steuerhinterziehung ist eine kriminelle Handlung.

Haben Sie Geld im Ausland liegen - was, wenn man es hier deklariert, ja nicht schlimm wäre?

Nein, privat habe ich weder offiziell noch inoffiziell Geld im Ausland liegen. Ich wäre auch nicht glücklicher, denn was ich habe, ist ja mehr, als andere haben, und es reicht allemal. Ich habe mein Geld in Deutschland. Familie, Freundschaften, Gesundheit, Fitness sind doch wichtig. Es gibt so viele Themen, die das Leben spannend und schön machen können. Geld ist sicher für die sehr wichtig, die ganz wenig haben. Die, die über genug Geld verfügen, haben andere Sorgen, als aus dem Vielen noch mehr zu machen. Das ist dann doch eher ein Problem als eine kluge Lebensführung.

Tut Ihnen Ulli Hoeneß leid?

Nein, leid tut mir Herr Hoeneß nicht. Als ich das mit der Verhaftung und der Kaution gehört habe, hatte ich Mitgefühl, weil er eine Riesendummheit gemacht hat. Das waren ja zwei Fehler: die Riesendummheit und die Tatsache, dass er sie jahrelang hätte korrigieren können. Aber dieses Mitgefühl ist kein Mitleid, denn das habe ich mit Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Uli Hoeneß hat sich da in etwas verrannt und bekommt jetzt die Quittung dafür. Das ist natürlich für einen Menschen, der in seinem Leben auf Wolke sieben schwebte, eine unendlich bittere und harte Erfahrung.

Befürchten Sie, dass wohlhabende Menschen in Deutschland generell in ein schlechtes Licht geraten?

Das befürchte ich nicht, deshalb nehme ich auch in der Öffentlichkeit Stellung. Es gibt doch in jeder Gesellschaftsschicht Leute, die Gesetze übertreten, und leider auch bei Vermögenden. Aber deshalb ist doch nicht jeder Vermögende kriminell oder hinterzieht Steuern. Das machen leider viel zu viele, das ärgert mich auch, aber ich glaube immer noch, dass die meisten Menschen ehrlich sind.

Sie sind einer der wenigen Unternehmer, die sich in der Öffentlichkeit zu staatsbürgerlicher Verantwortung bekennen. Muss sich da etwas ändern?

Das würde ich mir sehr wünschen. Natürlich muss sich nicht der Bäckermeister von der Ecke täglich öffentlich erklären, aber Menschen, die eine große Verantwortung für viele Mitarbeiter haben, sollten sich mehr in die Öffentlichkeit trauen. Es wäre wichtig, wenn mehr Unternehmer so deutlich machten, dass sie Teil unserer Gesellschaft sind und wie sie dies gestalten.

Wiegt ein Fall Hoeneß schwerer als der eines schwarzarbeitenden Handwerkers?

Das ist von der Sache her immer ein Gesetzesverstoß. Der Fall Hoeneß wiegt aber schwerer, weil es hier nicht um einen unangenehmen, unsympathischen Kriminellen geht, dem man das ohnehin immer zugetraut hat. Der hat jedes Jahr zwei Millionen Euro für soziale Zwecke gespendet, er hat ganz viel für Bayern München getan, für den deutschen Fußball. Das hat doch shakespearesche Ausmaße: Da ist ein Mann mit großen Verdiensten, der aber nicht weiß, dass es auch in seinem Interesse wäre, ordentlich Steuern zu zahlen. Man sollte ihn nicht pauschal verdammen, aber er muss sich nun dem stellen, was er getan hat.

Reichen unsere Gesetze aus?

Ich bin eigentlich froh über das, was gerade passiert. Es läuft eine Riesenwelle gegen Steuerhinterziehung - auch wegen der Steuer-CDs. Ich wäre aber froh gewesen, wenn das deutsch-schweizerische Steuerabkommen zustande gekommen wäre, auch wenn die Kritik daran berechtigt war. Da hätte der Staat zehn Milliarden Euro eingenommen. 5000 Schulen hätten je zwei Millionen Euro zur Sanierung bekommen können, ohne den Staat zu belasten. Man hätte einen Schnitt gemacht und Einnahmen für die Zukunft gesichert.

Zahlen Vermögende in Deutschland genug Steuern?

Ich fände es richtig, wenn die Steuer für Spitzeneinkommen auf 49 Prozent erhöht wird. Ich finde es auch überlegenswert, dass jeder - egal, wie viel er verdient - in die gesetzliche Krankenkasse einzahlt. Damit könnte man die Gesamtbelastung für Versicherungspflichtige senken, wovon auch die Unternehmen profitieren würden. Und ich fände es auch richtig, die Abgeltungssteuer auf Zinsen von 25 auf 30 Prozent zu erhöhen - nicht auf Dividenden, weil die schon einmal versteuert sind.

Schadet die Affäre Hoeneß der Demokratie?

Wir haben eher eine Entwicklung zur Steuerehrlichkeit, weil viele sich Gedanken darüber machen, dass es doch irgendwie rauskommt, wenn man Geld ins Ausland bringt. Dadurch nimmt der Staat mehr Geld ein, und der Staat braucht Geld. Denn selbst wenn es gut für Herrn Hoeneß ausgeht, muss er große Teile seines Vermögens abgeben. In Zukunft werden viel weniger Leute ihr Geld ins Ausland schaffen, denn das ist eindeutig der falsche Weg.

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