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"EU-Illumination" des Konzerthauses am Gendarmenmarkt: Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die EU.

"EU-Illumination" des Konzerthauses am Gendarmenmarkt: Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die EU.© Jens Kalaene

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Friedensnobelpreis

"Man kann das schon machen"

Professor Michael Brzoska ist Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheit. Der Experte war überrascht, dass sich das Nobelpreiskomittee für die EU entschieden hat.

Hamburg. Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die EU. Halten Sie es für sinnvoll, eine bürokratische Organisation zu ehren?

Man kann das schon machen. Ich finde es sogar eine charmante Idee, eine Organisation insgesamt zu ehren. Es gibt durchaus historische Beispiele: So ist die UN für ihre Blauhelm-Einsätze ausgezeichnet worden oder die Internationale Atomenergieorganisation für ihre Arbeit. Es ist aber in der Tat das erste Mal, dass eine Staatengemeinschaft vorrangig dafür ausgezeichnet worden ist, dass sie lange den Frieden untereinander gehalten hat.

Hatten Sie damit gerechnet?

Nein, es war eine Überraschung. Niemand, den ich in den letzten Tagen gesprochen habe, hat erwartet, dass die EU überhaupt in Betracht kommen könnte. Vor allem Menschenrechtsaktivisten aus Russland waren im Gespräch. Wenn man aber zurückdenkt an die ursprüngliche Widmung, die Alfred Nobel dem Preis gegeben hat - da geht es um Völkerverständigung und Frieden unter den Völkern - dann ist die Ehrung der EU im Sinne des Preises.

Ist es angemessen, der EU ausgerechnet in ihrer größten Krise den Preis zu verleihen? Oder soll das als Aufmunterung wirken, sich nicht nur auf die aktuelle Finanzkrise zu konzentrieren?

Ich denke, genau so ist es gemeint: als Mahnung, sich daran zu erinnern, was der eigentliche Zweck der Europäischen Union ist, nämlich den Frieden unter den Völkern Europas zu stabilisieren. Die sozialen und wirtschaftlichen Fragen, die uns aktuell unter den Nägeln brennen, sind eigentlich nur ein Mittel zum Zweck. Dazu muss man sagen, dass das derzeitige Nobelkomitee zuletzt fast immer Auszeichnungen vergeben hat in aktuellen Fragen - und damit auch eine bestimmte politische Zielrichtung verfolgt hat.

Ist denn die EU so friedfertig wie sie aussieht? Vor nicht einmal 20 Jahren tobte noch Krieg auf dem Balkan.

Die Begründung des Komitees bezieht sich vor allem auf die Vergangenheit und den Frieden unter den Mitgliedsstaaten. Es wird darauf verwiesen, dass beispielsweise Deutschland und Frankreich traditionell stark verfeindet waren und die EU das Instrument war, dauerhaft Frieden zu stiften zwischen den zwei Nationen. Was heute auf jeden Fall stimmt: Unter den Mitgliedsstaaten gibt es eigentlich keine größeren Konflikte mehr. Es ist überhaupt nicht absehbar, dass ein Krieg zwischen Mitgliedsstaaten kommen könnte. Das ist eine wirklich große Leistung der EU.

Das bezieht ja vor allem auf eine länger zurückliegende Vergangenheit.

Eine weitere große Leistung besteht darin, neue Staaten in diesen Verbund von ursprünglich sechs Nationen hineinzubringen. Da mussten einige heftige Konflikte - etwa zwischen Rumänien und Ungarn - beigelegt werden, bevor die Länder beitreten konnten. Die EU-Perspektive ist sicherlich auch ein Faktor, der dafür sorgt, dass die Lage auf dem Balkan recht ruhig ist. Ohne diese Aussicht würde Serbien sicherlich anders im Kosovo auftreten.


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