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Khan erklärte nach der Bekanntgabe der Stimmenauszählung: «Ich möchte jedem einzelnen Londoner dafür danken, dass er das Unmögliche möglich gemacht hat.»

Khan erklärte nach der Bekanntgabe der Stimmenauszählung: «Ich möchte jedem einzelnen Londoner dafür danken, dass er das Unmögliche möglich gemacht hat.» © Andy Rain

Wahlen

Londoner Bürgermeister: Sadiq Khan tritt schwieriges Amt an

Seine Gegner wollten ihn in die Extremisten-Ecke rücken. Doch Sadiq Khan setzte sich durch. Erstmals wurde ein Muslim zum Londoner Bürgermeister vereidigt - die Stadt schreibt Geschichte.

London. "London ist die größte Stadt der Welt", schwärmt der frischgebackene Bürgermeister Sadiq Khan. Mit klarer Mehrheit ist der 45-Jährige zum ersten muslimischen Bürgermeister der Millionen-Metropole gewählt worden.

"Das war keine Wahl ohne Kontroversen", sagt er mit Blick auf böse Anfeindungen im Wahlkampf. Doch es habe "die Hoffnung über die Angst gesiegt". Am Samstag wurde Khan in der Southwark Cathedral feierlich vereidigt - die Reaktionen auf seine Wahl fallen unterschiedlich aus.

"Sadiq Khans Sieg ist ein aufregender Beginn in der britischen Politik", schwärmt der linksliberale "Guardian". Weniger positiv klingen die Worte des Labour-Abgeordneten David Lammy, der sich im Wahlkampf nicht hinter seinen Parteifreund Khan gestellt hatte. "Falls wir jemals einen farbigen Premierminister kriegen, dann für das, was Sadiq Khan erreicht hat." Aber auch er räumte ein, dass Khan "sicherlich eine Vision für die Stadt" habe.

Khan, Sohn pakistanischer Einwanderer, siegte mit 57 gegen 43 Prozent der Stimmen über seinen konservativen Rivalen Zac Goldsmith, den Spross einer schwerreichen Familie. Der britische Sender BBC spricht vom ersten muslimischen Bürgermeister einer westeuropäischen Metropole. Aber Rotterdam etwa hat bereits seit 2008 einen Bürgermeister islamischen Glaubens.

Schon vor dem Urnengang hatte die liberale Presse gejubelt. "Sadiq Khan als Bürgermeister wäre der schlimmste Albtraum der Terroristen", schwärmt der "Guardian". Nichts sei eine bessere Waffe gegen die Radikalisierung britischer Muslime als der soziale und berufliche Aufstieg der Einwanderer aus Nahost, Afrika und Pakistan.

Khan ist ein Bilderbuch-Politiker, wie es sich die Labour-Partei nicht besser wünschen kann: Die Familie stammt aus Pakistan, der Vater war Busfahrer, die Mutter Näherin - doch der Sohn hat es geschafft. Das sind Erfolgsstories, die das Land braucht.

Der Wahlkampf war überaus hart gewesen. Selbst konservative Politiker kritisierten nach dem Urnengang, dass versucht worden sei, Khan in die Nähe muslimischer Extremisten zu rücken. Dies habe "Brücken gesprengt", meinte der Konservative Andrew Boff. "Ich will nicht, dass wir das noch einmal tun." Auch Shuja Shafi, Chef des Muslimrates Muslim Council of Britain, kritisierte die Wahlkampagne der Konservativen scharf.

Khan verkörpert den Traum Zigtausender Einwanderer, die ihr Glück in der Weltstadt London suchen. Der ehrgeizige Sadiq studierte Jura und wurde Menschenrechtsanwalt. 2005 wählten ihn die Bürger in seinem Heimatviertel per Direktwahl zum Abgeordneten.

Unter Premierminister Gordon Brown diente Khan als Verkehrsminister. Bei der obligatorischen Vereidigung zum Geheimrat im Buckingham Palace legte Khan seinen Eid nicht auf eine Bibel, sondern auf einen Koran ab. Er bezeichnete sich als "britischen Muslim" und versicherte immer wieder, gegen Extremisten zu kämpfen. 

dpa


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