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Peschmerga-Soldaten drängen mit US-Unterstützung die IS-Kämpfer zurück.

Peschmerga-Soldaten drängen mit US-Unterstützung die IS-Kämpfer zurück. © Mohammed Jalil

Konflikte

Kurden melden Erfolge im Kampf gegen IS-Terrormiliz

Unterstützt von neuen US-Luftangriffen haben kurdische Kämpfer im Irak ihre Gegenangriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verstärkt. Es gelang ihnen, die Extremisten aus zwei wichtigen nördlichen Grenzstädten nahe Erbil zu vertreiben, wie US-Medien berichteten.

Erbil/Bagdad. Nach Angaben des US-Zentralkommandos in Tampa (Florida) führten Kampfjets und Drohnen am Sonntag insgesamt fünf erfolgreiche Luftschläge aus, "um kurdische Truppen nahe Erbil zu verteidigen". Die Autonomieregion Kurdistan im Nordirak bat die Welt um Waffenlieferungen. In Bagdad dauerte der Machtkampf der rivalisierenden politischen Blöcke weiter an.

Die Lage der Flüchtlinge, die sich vor den IS-Terrormilizen in die Berge geflüchtet haben, bleibt weiterhin dramatisch. Vornehmlich jesidische Familien waren am Sonntag noch immer bei Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius im Sindschar-Gebirge eingeschlossen. Die UN-Mission im Irak schätzte ihre Zahl auf 15 000 bis 55 000.

Die jesidische Parlamentsabgeordnete in Bagdad Vian Dachil warnte nach Angaben des kurdischen Nachrichtenportals Basnews vor einem Massensterben, sollten die jesidischen Flüchtlinge nicht innerhalb von zwei Tagen in Sicherheit gebracht werden. Ihren Angaben nach starben bereits 50 jesidische Kinder in den Bergen. Die Jesiden sind eine alte monotheistische Glaubensgemeinschaft, der vor allem Kurden angehören.

Nach Informationen des Nachrichtenportals Rudaw gelangten Tausende am Wochenende über einen zehn Kilometer langen Schutzkorridor über Syrien in die kurdische Autonomieregion - Aktivisten gingen von etwa 10 000 aus. Am Freitag konnten Peschmerga-Soldaten ebenfalls 10 000 Angehörige dieser monotheistischen Minderheit durch einen solchen Korridor retten.

Nach UN-Angaben sind in Gebieten nördlich und westlich der Stadt Mossul, wo zahlreiche Vertreter religiöser Minderheiten leben, seit Montag vergangener Woche rund 200 000 Menschen vor den vordringenden IS-Kämpfern geflohen. Die meisten stammten aus christlichen und jesidischen Dörfern.

Die USA flogen am Samstag zum Schutz der Jesiden in der Sindschar-Region vier Luftangriffe. Am Sonntag folgten dann fünf weitere Schläge bei Erbil, bei denen Kampfjets und Drohnen eingesetzt wurden. Dem US-Zentralkommando zufolge verliefen alle Einsätze erfolgreich. US-Flugzeuge versorgten auch die in das Sindschar-Gebirge geflohenen Menschen mit Wasser und Lebensmitteln.

Der "Washington Post" und "New York Times" zufolge eroberten kurdische Kräfte am Sonntag die etwa 35 Kilometer von Erbil entfernten Grenzstädte Al Kwair und Machmur zurück. Die Zeitungen beriefen sich dabei auf kurdische Beamte. "Es ist den Luftschlägen zu verdanken, dass wir zu Fortschritten fähig gewesen sind", zitierte die "Washington Post" Mahmud Hadschi, einen Beamten aus dem kurdischen Innenministerium.

Kurdenpräsident Massud Barsani rief unterdessen zu verstärkten militärischen Hilfen auf. "Wir bitten unsere Freunde, uns zu unterstützen und die notwendigen Waffen zur Verfügung zu stellen, um diese terroristischen Gruppen zu besiegen", zitiert das kurdische Nachrichtenportal Rudaw Barsani am Sonntag in Erbil. Barsani betonte, dass die Verbündeten nicht für die Kurden kämpfen müssten. "Wir werden unseren eigenen Krieg führen."

Der einflussreiche republikanische US-Senator John McCain unterstützte die Forderung der Kurden. In einem Interview des Senders CNN forderte er außerdem Luftangriffe auf die IS-Terrormiliz nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien.

Obama bekräftigte am Wochenende, dass der Militäreinsatz der USA begrenzt sei und keine Bodentruppen in den Irak zurückkehren würden. Er mahnte die Iraker, dass die USA auch mit ihren militärischen Mittel die Irakkrise letztlich nicht lösen könnten. Nötig sei die Bildung einer Regierung, die die religiöse und gesellschaftliche Vielfalt im Irak widerspiegele. Er glaube nicht, "dass wir dieses Problem innerhalb von Wochen lösen können", sagte Obama mit Blick auf die IS-Miliz. "Es ist wird ein Langzeit-Projekt sein."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) stellte sich hinter Obama. "Angesichts der humanitären Katastrophe unterstützen wir das gezielte Eingreifen der USA", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Das Vorgehen der Dschihadisten "übersteigt alles, was wir bisher an Schreckensszenarien in der Region kannten". Deutschland erhöhe seine Nothilfe von bisher 2,9 Millionen Euro um 1,5 Millionen Euro.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte die Aufklärung von Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen im Irak. Dort würden vor allem Minderheiten zur Flucht getrieben. "Einige dieser Taten könnten Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen und müssen rasch untersucht werden, damit die Täter zur Verantwortung gezogen werden könnten", erklärte Ashton in einer in Brüssel veröffentlichten Mitteilung.

dpa


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