Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Kritik an Steinbrück-Aussagen zu Sportunterricht
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Kritik an Steinbrück-Aussagen zu Sportunterricht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:40 05.04.2013
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verliert an Zustimmung. Quelle: Kay Nietfeld
Anzeige
Berlin

"Das ist eine sehr unglückliche Äußerung von Herrn Steinbrück", sagte der Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), der "Welt". Steinbrück hatte aus Rücksicht auf Schüler muslimischen Glaubens bei einem Bürgerdialog einen getrennten Sportunterricht als denkbaren Weg bezeichnet, dies aber keineswegs generell befürwortet.

Steinbrück war bei der "Klartext"-Veranstaltung am Mittwoch in Berlin mit Blick auf Forderungen eines muslimischen Vaters nach getrenntem Sportunterricht gefragt worden, wie weit seine Toleranz hier reiche. Daraufhin sagte er: "Wenn Schulen es einrichten können, dann sollen sie es machen. Ich würde da Rücksicht nehmen auf religiöse Überzeugungen. Aber da denkt vielleicht jeder anders." Ihm sei die Problematik wegen Schilderungen seiner Frau bewusst. Diese ist Lehrerin in Bonn. Oft würden muslimische Mädchen durch Krankmeldungen vom gemeinsamen Schwimmunterricht ferngehalten. Ehe dies geschehe, sei es sinnvoll, andere Lösungen zu finden.

Buschkowsky betonte: "Junge Leute brauchen moderne gesellschaftliche Orientierung - in Ergänzung oder auch im Gegensatz zu tradierten Familienriten. Mädchen- und Jungenschulen hatten wir vor 150 Jahren." Es gebe in Deutschland keine Geschlechtertrennung. Es könne nicht sein, jetzt die gesellschaftliche Uhr zurückzudrehen.

Unterdessen musste Steinbrück in einer neuen Umfrage einen Dämpfer hinnehmen. Laut dem aktuellen ARD-"Deutschlandtrend" liegt die Zustimmung für seine politische Arbeit nur noch bei 32 Prozent - das sind vier Punkte weniger als im Vormonat. Es ist der schlechteste Wert für ihn seit 2005. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekommt 68 Prozent Zustimmung. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier liegen mit jeweils 54 Prozent Zustimmung weit vor ihrem Kanzlerkandidaten.

Die schwarz-gelbe Koalition nutzte die Schulsport-Aussagen zu neuen Attacken auf Steinbrück. "Getrennter Sportunterricht fördert nicht, sondern behindert die Integration muslimischer Kinder", sagte Unions-Fraktionsvize Günter Krings (CDU). Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer (CDU), sagte der "Bild"-Zeitung: "Peer Steinbrück irrt. Schule, gerade der Sportunterricht, ist ein Ort des sozialen Lernens. Gemeinsames Lernen und gemeinsamer Sportunterricht fördern die Integration". FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der "Rheinischen Post": "Wir wollen Integration auf der Basis unserer Grundrechte - dazu gehört die Gleichberechtigung von Mann und Frau."

Auch aus Reihen der Grünen kam Kritik an Steinbrück. Memet Kilic, Sprecher für Migrationspolitik, sagte, Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle sei Teil des Grundgesetzes. "Dies darf aber nicht auf Kosten universell gültiger Menschenrechte geschehen." Zu diesen gehöre die Gleichberechtigung der Geschlechter.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht sich nach einem Besuch bei Frankreichs Präsident François Hollande in seiner Kritik an einer einseitigen Sparpolitik zur Überwindung der Schuldenkrise bestätigt.

05.04.2013

Angesichts der harten Haltung des Gerichts bei der Vergabe der Presseplätze im NSU-Prozess haben sich mehrere Medien aktiv in die Suche nach einer Lösung eingeschaltet.

05.04.2013

Der Bundesnachrichtendienst hat 2011 fast 2,9 Millionen E-Mails und SMS wegen des Verdachts auf Terrorismus, Waffen- oder Menschenhandel überprüft. Das geht aus einem Bericht des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages hervor, der am Freitag bekannt wurde.

05.04.2013
Anzeige