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Deutschland/Welt Deutsche Doppelmoral bei der Energieversorgung
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05:00 25.09.2018
Blick über den riesigen Tagebau Cerrejon in Kolumbien. Quelle: Georg Ismar/dpa
Hannover

In den Wipfeln des Hambacher Waldes und in den sozialen Netzwerken zeigen Umweltaktivisten dem Energiekonzern RWE die Rote Karte. RWE ist der Bösewicht, weil der Konzern den Hambacher Forst abholzen lassen will – der Braunkohle wegen. Die Kritik an dem Vorgehen ist berechtigt, doch der Fall zeigt auch noch etwas anderes: nämlich die deutsche Doppelmoral in der Energieversorgung.

Ob RWE, Eon oder EnBW – sie alle importieren Kohle aus Kolumbien, um die ausbleibenden Lieferungen aus Deutschland auszugleichen. Und dann verfeuern sie diese Kohle in ihren Kraftwerken.

Unmenschliche Bedingungen bei der Kohle-Förderung in Kolumbien

Der Bund und die Länder Nordrhein-Westfalen und Saarland ließen sich vor zehn Jahren für den Beschluss zum Ausstieg aus der Steinkohle feiern. Das Gewissen war beruhigt. Doch während in Deutschland das letzte Steinkohlebergwerk schließt, wird in Kolumbien unter bisweilen unmenschlichen Bedingungen gefördert, wie es sie in Deutschland nicht gegeben hätte. Menschenrechtler berichten über die Ermordung von Aktivisten, viele Kohleförderer haben eine unheimliche Nähe zu rechten paramilitärischen Gruppen, die auf Bestellung Kritiker auslöschen, weil sie die Geschäfte stören. Die Berichte über Umweltschäden sind Legion.

Auch mit dem Braunkohleabbau wird in Deutschland wohl bald Schluss sein. Die Umweltschützer könnten sich feiern lassen, gerodet und gestorben würde dann woanders. Vielleicht gibt es dann noch den einen oder anderen, der einen kritischen Post zu den Verhältnissen in Kolumbien absetzt. Für den großen Rest gilt: Das ist nicht mehr unser Problem.

Tobias Käufer arbeitet als Journalist in Bogotá.

Von Tobias Käufer

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