Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt „Beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft“
Nachrichten Politik Deutschland/Welt „Beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:17 08.10.2018
Symbol des Klimawandels: ein Eisbär Quelle: Stephan Wallocha/epd
Incheon

Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ist nach Ansicht des Weltklimarats IPCC technisch noch machbar. Sie kann aber nur durch rasches Handeln auf allen Feldern erreicht werden. Zwei Monate vor der nächsten UN-Klimakonferenz beschreibt das Gremium in einem Sonderbericht, wie sich zahlreiche Folgen des Klimawandels durch die Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zu einem 2-Grad-Szenario vermeiden ließen.

„Die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erfordert rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft“, hieß es am Montag in einer Mitteilung des IPCC nach einer mehrtägigen Sitzung im südkoreanischen Incheon. Der globale Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) müsste demnach von 2010 bis 2030 um 45 Prozent fallen und im Jahr 2050 Null erreichen.

Folgen des Klimawandels schon spürbar

„Eine der Kernaussagen des Berichts ist: Wir sehen derzeit bereits die Konsequenzen von einem Grad Erderwärmung wie mehr Extremwetter, steigende Meeresspiegel, schwindendes arktisches Meereis und andere Veränderungen“, sagte der Co-Vorsitzende einer IPCC-Arbeitsgruppe, Panmao Zhai.

Im Klimaabkommen von Paris hatten sich die Länder Ende 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Letzteres hatten vor allem die kleinen Inselstaaten gefordert. Der Sonderbericht des IPCC ist auch Grundlage für die Weltklimakonferenz im Dezember im polnischen Kattowitz.

Klimawandel wird immer mehr zur Überlebensfrage der Menschen“

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sieht den neuen IPCC-Bericht zur globalen Erderwärmung als Alarmzeichen. „Der Weltklimarat zeigt uns eindringlich: Der Klimawandel wird immer mehr zur Überlebensfrage der Menschheit”, sagte Müller dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Die Erderwärmung nimmt viel zu schnell zu. Auch bei uns in Deutschland zeigt die Rekordhitze mit ihren erheblichen Ernteausfällen, dass der Klimawandel in vollem Gange ist.“ In vielen Regionen der Welt habe er längst lebensbedrohliche Folgen, etwa im Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Somalia. „Dort hat es seit drei Jahren nicht mehr geregnet”, so der Minister, der die Region kürzlich besucht hatte. „Die Pflanzen sind verdorrt, Tiere liegen tot am Straßenrand und die Menschen können nur durch internationale Hilfe überleben.”

Müller warnte vor einer zunehmenden Zahl an Klimaflüchtlingen. „Handeln wir jetzt nicht entschlossen, werden Millionen Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen”, so der CSU-Politiker. „Um den Klimawandel zu bremsen und Schäden abzufedern, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr 3,65 Milliarden Euro bereitgestellt.” Gut drei Milliarden Euro davon habe das Bundesentwicklungsministerium zur Verfügung gestellt, um Klimaschutz- und Anpassungsprojekte in Entwicklungsländern zu ermöglichen.

„Gesetzlich verankerter Kohleausstieg ist überfällig“

Die Grünen fordern angesichts des neuen Sonderberichts des Weltklimarates deutlich mehr Klimaschutz-Anstrengungen von der Bundesregierung. „Die Antworten liegen auf dem Tisch. Die Bundesregierung muss nur endlich den Willen haben, diese wie andere Länder anzugehen“, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock dem RND.

„Ein gesetzlich verankerter Kohleausstieg und eine wirkliche Verkehrswende sind überfällig, denn jedes Jahr verpasster Klimaschutz und jedes Gramm mehr CO2 machen den Unterschied“, betonte die Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg.

Baerbock warf der Großen Koalition vor, mit ihrer Politik ihre eigenen Klimaschutzziele zu unterlaufen. „Auch die deutsche Bundesregierung bricht durch ihre aktuelle Politik mit dem Pariser Klimaabkommen. Die Bundesregierung kehrt einer ambitionierten Klimapolitik den Rücken, wie sich an der Blockade von strengen Grenzwert-Vorgaben für Autos zeigt“, kritisierte die Grünen-Politikerin.

Der Sonderbericht des Forschergremiums berge einen klaren Appell. „Der Bericht der Klimaforscher macht deutlich: Die Zeit des Redens ist vorbei, jetzt ist die Zeit des Handelns“, betonte Baerbock.

Hohes Einsparpotenzial durch Digitalisierung

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) warnt angesichts der neuen Veröffentlichung des Weltklimarats davor, Landwirte beim Klimaschutz übermäßig zu belasten. „Um unsere Lebensmittel zu produzieren, wird der Ausstoß von Treibhausgasen – anders als in anderen Branchen – nie komplett zu verhindern sein“, sagte Klöckner dem RND.

„Der Land- und Forstwirtschaft kommt beim Klimaschutz eine herausgehobene Rolle zu: Sie tragen aktiv zur Verringerung von Treibhausgasen bei. Boden, Wald und Holz nehmen Kohlenstoffdioxid auf und bremsen somit den Anstieg. Deshalb sind Land- und Forstwirtschaft Teil der Lösung, was den Klimaschutz betrifft“, betonte Klöckner. Zudem verwies die CDU-Politikerin auf die Auswirkungen des Klimawandels für Landwirte: „Die Landwirtschaft selbst ist unmittelbar vom Klimawandel betroffen und muss darauf reagieren, das haben wir in diesem Sommer gesehen“, so Klöckner.

Die CDU-Politikerin sieht jedoch durchaus Klimaschutzpotenziale der Land- und Forstwirtschaft. „Wir wollen Ressourcen sparen und effizienter produzieren. Ich sehe hier hohes Einsparpotenzial durch Digitalisierung und precision farming, also dem zielgenauen Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln durch digitale Techniken“, so Klöckner.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Hamburg haben Muslime zum ersten Mal in Deutschland eine Kirche zur Moschee umgebaut – dabei hätten alle lieber eine andere Lösung gesehen. Hat die Ausnahme das Zeug zum Modell für andere ungenutzte Kirchen?

08.10.2018

Protestanten und Katholiken sehen eine kommerzielle Nutzung alter Kirchen skeptisch – und die Nutzung durch andere Religionen auch.

08.10.2018

Brasilien stehen unruhige Zeiten bevor. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen siegt ein Kandidat, der mit unglaublichen Forderungen ins Rennen geht.

08.10.2018