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Eröffnung des Evangelischen Kirchentags auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

Eröffnung des Evangelischen Kirchentags auf dem Stuttgarter Schlossplatz. © Bernd Weißbrod

Kirche

Kirchentag mit Open-Air-Feier eröffnet

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei einem Open-Air-Gottesdienst in Stuttgart mit Zehntausenden Menschen den Beginn des Deutschen Evangelischen Kirchentags gefeiert.

Stuttgart. "Kirchentage sind Motivationstraining für alle, die nicht an den großen Problemen der Zeit vorbeisehen wollen", sagte Gauck am Mittwochabend zur Eröffnung des protestantischen Laientreffens. Armut, Ungerechtigkeit, Friedlosigkeit, Intoleranz und Umweltzerstörung belasteten die Menschen in vielen Teilen der Welt.

Der Platz vor dem Neuen Schloss war zum Eröffnungsgottesdienst bei bestem Sommerwetter mit rund 45 000 Besuchern übervoll. Die U-Bahn-Haltestelle dort wurde geschlossen. Die meisten Besucher saßen auf ausgelegten Matten. Wegen der Hitze und Abendsonne spannten viele Schirme auf oder nutzten auch die traditionellen Kirchentagsschals, um sich vor der Sonne zu schützen. An mehreren anderen Orten in der Stadt gab es weitere Eröffnungsgottesdienste - insgesamt kamen nach Angaben der Organisatoren 81 000 Menschen zusammen.

Zu einem großen Straßenfest wurden am Abend in der gesamten Innenstadt 250 000 Menschen erwartet. Zu später Stunde sollte ein riesiges Kerzenmeer leuchten. Rund 100 000 Dauerbesucher wollen bis zum Sonntag das Glaubensfest mit insgesamt rund 2500 Veranstaltungen mitfeiern.

Der Kirchentag ist mittlerweile auch ein großes Politiker-Treffen: Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan werden dabei sein. Diskussionen zur Flüchtlingsarbeit oder zum umstrittenen Freihandelsabkommen der EU mit den USA (TTIP) stehen ebenso auf dem Programm wie das Thema Homosexuellen-Ehe.

Der evangelische Kirchentag wird alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt organisiert, Stuttgart ist zum vierten Mal Gastgeber. Beim Kirchentag in Hamburg vor zwei Jahren waren am Ende fast 120 000 Dauerbesucher gezählt worden.

Angesichts von Kriegen, Terror und weltweiten Flüchtlingstragödien soll von Stuttgart ein Zeichen des Friedens ausgehen. "Die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft insgesamt hängt davon ab, dass wir die Fähigkeit entwickeln, Frieden zu schaffen und zu sichern", sagte Kirchentagspräsident Andreas Barner.

Württembergs evangelischer Landesbischof Frank Otfried July begrüßte den Kirchentag in einer weltoffenen Stadt, "in der Integration seit vielen Jahrzehnten gelingt". Das Zusammenleben von Menschen aus 170 Ländern sei "Stuttgarts Reichtum".

Kirchentags-Generalsekretärin Ellen Ueberschär sagte, beim Kirchentag versammele sich ein aktiver Teil der Bürgergesellschaft. Der Kirchentag sei so immer wieder auch eine Chance für einen religiösen, sozialen und politischen Dialog.

Zum Auftakt gab es am Mittwoch auch eine kleine Protestaktion, bei der die Bezuschussung der 18 Millionen Euro teuren Veranstaltung aus Steuermitteln kritisiert wurde. Immer wieder löst die Finanzierung der Kirchentage Kontroversen aus. Für den Stuttgarter Kirchentag trägt das Land etwa fünf Millionen Euro, auch die Stadt Stuttgart zahlt einen Millionenbetrag.

dpa


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