Navigation:

Arm dran: Die Kinderarmut in Deutschland ist einer Unicef-Studie zufolge höher als in vielen anderen Industrieländern.© dpa

Armes Deutschland

Kinderarmut in Deutschland ist besonders hoch

Diese Studie ist beschämend: Obwohl Deutschland ein reiches Industrieland ist, ist die Kinderarmut vergleichsweise hoch. Auf einer Liste mit 29 Ländern zu Entbehrungen von Kindern belegt die Bundesrepublik Platz 15, teilte das UN-Kinderhilfswerk am Dienstag in Köln mit.

Köln. Demnach erhält in Deutschland zum Beispiel eines von 20 Kindern keine tägliche warme Mahlzeit. Nach der Unicef-Studie wachsen rund 30 Millionen Kinder in den 35 reichsten Staaten der Welt in relativer Armut auf; fast 1,2 Millionen davon leben in Deutschland.

Für die Studie stellte Unicef einen sogenannten Deprivationsindex auf, der insgesamt 14 verschiedene Güter oder Angebote erfasst; darunter sind etwa ein Platz für Hausaufgaben, Internetanschluss oder Freizeitaktivitäten. Rund 13 Millionen Kinder in 29 Industrieländern entbehren mehr als zwei dieser grundlegenden Dinge. Dies wird als Hinweis auf eine besondere Mangelsituation bewertet.

In Deutschland liegt dieser Anteil bei 8,8 Prozent. Deutschland schneidet damit deutlich schlechter ab als Dänemark (2,6 Prozent) oder Schweden (1,3 Prozent), obwohl die Länder hinsichtlich des Pro-Kopf-Einkommens und der wirtschaftlichen Entwicklung auf einem ähnlichen Niveau liegen. Im Vergleich zu Schweden, das nach Island auf Platz 2 der Rangliste liegt, ist die Rate der Benachteiligung in der Bundesrepublik sogar fast sieben Mal höher.

Besser als in Deutschland geht es auch Kindern in Großbritannien, obwohl dort die Pro-Kopf-Einkommen im Schnitt niedriger liegen. Die höchsten Armutsraten finden sich in den ärmeren Staaten Europas wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn. "Es ist enttäuschend, dass Deutschland es nicht schafft, die materiellen Lebensbedingungen für Kinder entscheidend zu verbessern", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Bund, Länder und Kommunen müssten sich klare Ziele mit Zeitangaben setzen, um Armut und Ausgrenzung Schritt für Schritt abzubauen.

Basis der Studie ist eine repräsentative Erhebung der Europäischen Union, für die 125.000 Haushalte nach Daten zu Kindern befragt wurden. Am häufigsten mangelt es Kindern hierzulande an regelmäßigen Freizeitaktivitäten (6,7 Prozent). Nahezu eins von 20 Kindern muss auf eine tägliche warme Mahlzeit verzichten (4,9 Prozent). 4,4 Prozent der Mädchen und Jungen haben keinen Platz, an dem sie ihre Hausaufgaben machen können. 3,7 Prozent der Kinder besitzen nur ein einziges Paar Schuhe. 3,1 Prozent der unter 16-Jährigen erhalten nie neue Kleider und drei Prozent leben in einem Haushalt ohne Internetanschluss.

Besonders häufig entbehren Kinder in Deutschland wichtige Dinge, wenn die Eltern arbeitslos sind (42,2 Prozent) oder wenn sie einen niedrigen Bildungsabschluss haben (35,6 Prozent).


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Der Einzelhandelsverband fordert zehn verkaufsoffene Sonntage pro Jahr. Was meinen Sie?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie