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Wie es nach dem Referendum in Katalonien weitergeht, ist noch völlig offen.

Wie es nach dem Referendum in Katalonien weitergeht, ist noch völlig offen.
© dpa

Nach Volksabstimmung

Katalonien kommt nicht zur Ruhe

In Katalonien tickt die Uhr. Nach dem Sieg der Separatisten beim Referendum könnte die Region noch diese Woche die Abspaltung von Spanien verkünden. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht. Erinnerungen an einen lang zurückliegenden Bürgerkrieg werden plötzlich wieder wach.

Barcelona . Die Lage in Katalonien bleibt weiterhin angespannt. In der Hauptstadt Barcelona und in Dutzenden Städten und Gemeinden gingen am Montag erneut Zehntausende auf die Straßen, um gegen den harten Einsatz der staatlichen Polizei bei der Abstimmung am Sonntag zu protestieren. Für Dienstag riefen Gewerkschaften und andere Organisationen zu einem Generalstreik gegen die spanische Polizei auf. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont forderte den Abzug der rund 10 000 Angehörigen der von Madrid entsandten Trupps.

Die Regionalregierung pocht auf ihren Sieg

Puigdemont bekräftigte die Gültigkeit des Separatisten-Sieges und betonte, das Ergebnis der Abstimmung sei „verbindlich“. Nun müsse aber das Regionalparlament in Barcelona über die Ausrufung der Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens entscheiden. Über einen Termin wollte Puigdemont nicht spekulieren. Er bedauerte, dass es keinen Dialog mit Madrid gebe, und erklärte: „Es ist klar, dass eine Vermittlung nötig ist.“ Es gebe noch keine Indizien dafür, dass die Europäische Union diese Vermittler-Rolle übernehmen wolle.

Beim vom Verfassungsgericht verbotenen Referendum, das auch gegen den Willen der Zentralregierung stattfand, setzte sich das „Ja“-Lager mit rund 90 Prozent durch. Nach amtlichen Angaben nahmen knapp 2,3 Millionen der 5,3 Millionen Wahlberechtigten teil. Beim Einsatz der eigens nach Katalonien entsandten Polizeitrupps wurden nach jüngsten Angaben fast 900 Wähler und Demonstranten verletzt.

Auf der Plaça de Catalunya im Zentrum Barcelonas brachen Tausende Menschen am Montag wie schon am Vorabend bei der Rede von Puigdemont mehrfach in Jubel aus. Die Menschen sangen mit erhobenen Fäusten auch die katalanische Nationalhymne „Els Segadors“.

Angesichts der verhärteten Fronten wächst in Spanien und auch im Ausland die Sorge vor einer Zuspitzung der Konfrontation. In der Zeitung „El País“ schrieb Kolumnist Lluís Bassets, in Spanien würden plötzlich Erinnerungen an den Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 wach, „den schlimmsten Jahren unserer Geschichte“.

Madrid spricht von einer Farce

Ein Kompromiss zwischen Barcelona und der Zentralregierung war derweil am Montag trotz der unzähligen Aufrufe zum Dialog aus dem In- und Ausland nicht in Sicht. Der Chefkoordinator und „Nummer drei“ in der Hierarchie der konservativen Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy, Fernando Martínez Maíllo, sagte, man werde beim Schutz des Gesetzes „keinen Schritt zurückweichen“.

Er wies die von Barcelona angegebene Verletztenzahl ebenso wie das Referendum als „Farce“ zurück. Die Einheit Spaniens werde auf keinen Fall zur Disposition gestellt, sagte er nach einem Treffen der PP-Führung. Auf die Frage, ob eine Festnahme von Puigdemont möglich sei, sagte er: „Das ist nicht Sache der Politik. Das muss die Justiz entscheiden. Aber wir alle müssen uns für unsere Handlungen und Taten verantworten.“ Rajoy hatte das Referendum schon am Sonntagabend als „Inszenierung“ bezeichnet.

Von dpa/RND


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