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Deutschland/Welt Käßmann verteidigt Kritik
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09:59 12.01.2010
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann. Quelle: lni

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat in der ARD- Sendung „Beckmann“ am Montagabend zu ihrer umstrittenen Neujahrspredigt Stellung genommen und ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz verteidigt. Ihre Sätze über die Lage in Afghanistan hätten in einem bestimmten Zusammenhang gestanden, den auch jeder nachlesen könne. Sie habe „eine sehr seelsorgerische Predigt mit einer kleinen Passage zum politischen gesellschaftlichen Geschehen“ gehalten, sagte die Bischöfin. „Die ist mir um die Ohren gehauen worden, dies habe ich nicht vorhergesehen, aber ich stehe zu dem, was ich gesagt habe.“

Die EKD-Vorsitzende war mit ihrer Kritik bei Union und SPD sowie dem Bundeswehrverband auf Ablehnung gestoßen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte Käßmann nach einem Gespräch am Montag zu einem Truppenbesuch am Hindukusch eingeladen. Die Theologin soll auch zur Führungsakademie der Bundeswehr nach Hamburg kommen, während der Minister eine Akademietagung der Evangelischen Kirche besucht. Das Treffen in Berlin war vereinbart worden, nachdem sich Käßmann mehrfach öffentlich vom Afghanistan-Einsatz distanziert hatte. Einer gemeinsamen Pressemitteilung zufolge bestand Einigkeit, dass für die Soldaten der Rückhalt der Gesellschaft wichtig sei. Eine offene Debatte könne dem nur dienlich sein.

Zu Weihnachten hatte die hannoversche Landesbischöfin in einem Zeitungsinterview gesagt, nach den Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sei „dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen“. In ihrer Neujahrspredigt ergänzte sie: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Zuletzt warf ihr der Bundestags-Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) Naivität und „populistische Fundamentalkritik“ vor. Als Konsequenz aus der Debatte wollen Guttenberg und Käßmann den Kontakt intensivieren.

Der EKD-Militärbischof Martin Dutzmann, der ebenfalls an dem Berliner Treffen teilnahm, berichtete von der übereinstimmenden Einschätzung der Gesprächspartner, dass es bei der Afghanistan- Politik „Nachbesserungsbedarf“ gebe. Alle seien sich einig gewesen, dass das zivile Engagement verstärkt und die Zielsetzung des Einsatzes genauer beschrieben werden müssten, sagte Dutzmann dem Radiosender NDR Info.

EKD-Vize Nikolaus Schneider hatte zuvor erklärt, ein Militäreinsatz sei aus Sicht der Evangelischen Kirche „nicht grundsätzlich abzulehnen“. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland forderte allerdings ein „realistisches Ausstiegsszenario“ für Afghanistan. Ein Abzug der Bundeswehr „Hals über Kopf“ sei unverantwortlich. Auch Käßmann hatte sich in ihrem umstrittenen Interview gegen einen überhasteten Abzug ausgesprochen.

Der Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, betonte, Terrorismus und Krieg ließen sich durch soziale Gerechtigkeit und den Einsatz gegen Hunger besser bekämpfen als mit militärischen Mitteln. Beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Karlsruhe forderte er: „Wir brauchen Solidarität und Gerechtigkeit - national wie global.“

Käßmann-Streit: CDU-Fraktion nimmt Minister in Schutz
Im Dauer-Streit über die Aussagen der hannoverschen Bischöfin Margot Käßmann zum Afghanistan-Einsatz hat die CDU-Fraktion im Landtag Innenminister Uwe Schünemann (CDU) in Schutz genommen. Die Grünen forderten Schünemann auf, sich für seine harsche Kritik an Käßmann zu entschuldigen. Auch die SPD-Landtagsfraktion kritisierte, der Innenminister qualifiziere die Bischöfin wie ein Oberlehrer ab. Der Vize-Fraktionschef der CDU, Heinz Rolfes, sagte dagegen der dpa, es gebe keinen Anlass für eine Entschuldigung.

„Wir halten das für ein vordergründiges Geplänkel. Das wird der Sache nicht gerecht“, sagte er zum Unmut der Opposition. Es gebe wichtigeres als über Formulierungen zu streiten. Rolfes sagte außerdem, die „Fragen Schünemanns“ seien berechtigt. Die CDU-Fraktion wolle aber vor allem ein gutes Verhältnis zur Bischöfin, das nicht belastet werden solle. Es sei ihr gutes Recht, den Afghanistan-Einsatz in ihrer Predigt anzusprechen, die Bischöfin müsse sich aber auch einer Diskussion stellen.

Schünemann hatte anders als Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wiederholt scharf kritisiert, er nannte sie unter anderem weltfremd. „Eine Bewertung des Afghanistan-Einsatzes jenseits gesinnungsethischer Prinzipien steht bei der obersten Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland bislang noch aus“, urteilte der Innenminister dann am Montag. Zu Weihnachten sagte die hannoversche Landesbischöfin in einem Zeitungsinterview, nach den Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland sei „dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen“. In ihrer Neujahrspredigt ergänzte sie: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Nach diesen Aussagen musste sich Käßmann deutliche Kritik aus der Politik gefallen lassen.

lni

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