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Deutschland/Welt KSK offenbar an Luftangriff auf Tanklastzüge bei Kundus beteiligt
Nachrichten Politik Deutschland/Welt KSK offenbar an Luftangriff auf Tanklastzüge bei Kundus beteiligt
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17:07 10.12.2009
Die Kommando-Spezialkräfte der Bundeswehr sollen maßgeblich am Luftschlag bei Kundus beteiligt gewesen. Quelle: ddp

Berlin. Entsprechende Medienberichte wurden am Donnerstag in Verteidigungskreisen in Berlin bestätigt. Mehrere Bundestagsabgeordnete kritisierten die Informationspolitik der Regierung zu dem Angriff.

Nach Berichten der „Bild“-Zeitung sowie von „Spiegel Online“ vom Donnerstag spielte bei Vorbereitung und Umsetzung des Angriffsbefehls eine geheime Einheit namens Task Force 47 (TF47) eine entscheidende Rolle, die zu einem erheblichen Teil aus KSK-Soldaten besteht. Im deutschen Feldlager Kundus wurde demnach der gesamte Einsatz - vom ersten Hinweis eines afghanischen Informanten bis zur abschließenden Entscheidung für das Bombardement - aus einem Kommandostand der TF47 geführt.

Während des Einsatzes sei der deutsche ISAF-Kommandeur in Kundus, Oberst Georg Klein, zugleich auch Chef der TF47 gewesen, schreibt „Bild“ dazu weiter. Klein sei von fünf weiteren Offizieren und Unteroffizieren beraten und betreut worden, die allesamt der TF47 angehört hätten, mindestens einer von ihnen auch der KSK. Laut „Spiegel Online“ wurde der TF47-Befehlsstand wegen seiner besseren technischen Ausstattung dem normalen Befehlsstand vorgezogen.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte indirekt die Verwicklung der TF47 in den Angriff: „Die Task Force 47 war auch Thema der Unterrichtung der Obleute des Verteidigungsausschusses am 6. November“, bei der es um den Luftangriff bei Kundus ging. Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour sagte AFP, in der Sitzung sei auch die KSK erwähnt worden.

„Es ist höchste Zeit, dass wir erfahren, welche Berichte zu Kundus es gibt und wann sie dem Minister vorgelegen haben“, sagte Nouripour. Davon hänge die Glaubwürdigkeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ab. „Guttenberg spielt ein gefährliches Spiel mit seiner Glaubwürdigkeit“, sagte auch der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitagsausgabe). Die Verteidigungsexperten der Linken, Wolfgang Gehrcke und Paul Schäfer, forderten die Bundesregierung auf, die Obleute der Bundestagsausschüsse für Auswärtiges und Verteidigung über die Angelegenheit aufzuklären.

„Die Zusage, dass wir umfassend informiert werden, wurde nicht eingehalten“, kritisierte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Rainer Arnold. Es stelle sich die Frage, ob es sich insgesamt um einen KSK-Einsatz gehandelt habe, sagte Arnold dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitagsausgabe). Der SPD-Politiker äußerte den Verdacht, dass es den Beteiligten an dem Luftangriff darum gegangen sei, offenbar vor Ort befindliche vier Taliban-Führer zu treffen und dass sie dabei den Tod Dutzender Zivilisten billigend in Kauf nahmen.

Unterdessen berichtete die „Leipziger Volkszeitung“ (Freitagsausgabe), an der Entscheidung über die Bombardierung sei auch ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) vor Ort beteiligt gewesen. Das ergebe sich aus streng vertraulichen Unterlagen der Bundesregierung, hieß es.

Bei dem Angriff auf die zuvor von Taliban entführten Tanklaster waren bis zu 142 Menschen getötet worden, darunter viele Zivilisten. Guttenberg hatte den Angriff zunächst als „militärisch angemessen“ bezeichnet, dies aber später revidiert.

AFP

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