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00:15 15.02.2016
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Hannover

Er nannte sich den neuen „Adolf“, trug T-Shirts mit dem Aufdruck „Terroristen mit E-Gitarre“, war Mitglied der Chat-Gruppe „Garage Hakenkreuz“. Am zweiten Prozesstag zum An-schlag auf das Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf wurde deutlich: Dennis L. (31) steckte tief im braunen Sumpf - und mit ihm Sascha D. (25).

Klar ist auch, dass die rechten Freunde versuchen, ihre radikale Gesinnung vor Gericht herunterzuspielen. In einer behutsamen Befragung bewahrte Richter Wolfgang Rosenbusch einen 16-Jährigen vor einer Falschaussage. Immer wieder hakte der Richter nach, sachlich im Ton, unerbittlich in der Sache. So erzählte der Zeuge von einer Unterhaltung Anfang 2015: „Wir haben über Hitler geredet.“ Und dass nicht so viele Fremde kommen sollen, weil es schon Einbrüche im Dorf gegeben hätte. „Was hat Dennis dann gesagt?“, fragt der Richter. Der Zeuge schweigt. Rosenbusch ermahnt ihn: „Sie wissen das.“ Der Jugendliche antwortet: „Dennis will sie brennen sehen.“

Dennis L. , Sascha D. und Saskia B. müssen sich wegen versuchten Mordes vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hannover verantworten. Sie haben gestanden, am 28. August 2015 einen Molotow-Cocktail in eine Flüchtlingsunterkunft geworfen zu haben (siehe auch Text unten).

Zuvor hatten sie in der Garage von Dennis L. rechtsradikale Musik gehört und getrunken. Auch ein 21-jähriger Freund war Mitglied der Chat-Gruppe. Am 16. September 2014 schrieb ihm Dennis L.: „Ich bin der neue Adolf, nix Zyklon B, erhängt wird das Pack.“ Der Zeuge antwortete: „Sieg heil und fette Beute.“ Der 21-Jährige bezeichnet das als „makabren Witz“. Als sich der Richter damit nicht zufriedengibt, erklärt der stark untersetzte Mann mit Kurzhaarfrisur: „Wir haben experimentiert mit dem rechten Gedankengut.“

Eine Einstellung, die in der 2100-Seelen-Gemeinde niemanden weiter zu stören schien. Der 21-Jährige musste nach dem Anschlag zwar auf „Druck der Medien“ von seinem Job als Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr zurücktreten, aus dem Dorf habe ihn aber niemand dazu bewegt. Nach wie vor sei er Mitglied in der Feuerwehr. So wie es bis zum Anschlag auch Sascha D. war. Er half bei den Löscharbeiten an der Flüchtlingsunterkunft. Kameraden sagten aus, dass sie nichts von Alkohol in der Nacht bemerkt hätten. Das steht im Gegensatz zur Erklärung des Angeklagten. Sascha D. behauptet, eine Flasche „Springer Urvater“ (Weinbrand) und sechs Flaschen Bier vor der Tat getrunken zu haben. So wie Dennis L. bezeichnete er sich als alkoholkrank. Die Tat sei nur durch den „Suff“ zu erklären.

Im Gerichtssaal müssen Zuhörer immer wieder ein Lachen unterdrücken. Und zwar immer dann, wenn es um das Trinkvermögen von Dennis L. geht; so als verhandle man eine Dorfschlägerei. Für sie ist Dennis ein netter Kerl, immer hilfsbereit. Kein Nazi, der um ein Haar ein Kind getötet hätte. Aber lässt sich mit Alkohol alles erklären? Wohl kaum. Sein Chef sagte, dass L. keine fünf Stunden nach der Tat am Arbeitsplatz erschienen sei und am Bohrer Präzisionsarbeiten ausgeführt habe; ohne Ausschuss. Sein Nazi-Kumpel (21) meinte: „Er konnte aufhören mit dem Trinken, das war kein Problem.“ Unter der Woche habe man sich nicht „abgeschossen“. Wieder dieses seichte, dumme Lachen im Publikum.

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