Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Jüngere gehen lieber ins Netz als zum Ostermarsch
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Jüngere gehen lieber ins Netz als zum Ostermarsch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:30 03.04.2015
2014 waren bundesweit einige Tausend Ostermarschierer gezählt worden. Quelle: Franziska Kraufmann/Archiv
Hannover

Vor allem junge Menschen würden sich heute über Social Media und private Netzwerke austauschen, statt ihren Ängsten bei Großdemonstrationen Luft zu machen.

Frage: Die Teilnehmerzahlen bei den Ostermärschen schwinden seit Jahren. Woran liegt das?

Antwort: Es liegt zum einen auf jeden Fall an der veränderten Arbeitswelt. Solidarität ist entstanden mit kollektiver Arbeit. Wir sind aber in einer Situation, wo sich die Arbeit individualisiert.

Frage: Die Veranstalter vermissen vor allem jüngere Leute. Haben die kein Interesse mehr an Friedenspolitik?

Antwort: Das Politikverständnis hat sich völlig geändert. Das Vertrauen in Parteien und Politiker ist deutlich zurückgegangen. Institutionen und Verbände genießen ebenfalls weniger Vertrauen. Das heißt: Jüngere Leute schießen sich projekthaft auf einzelne Themen ein und gehen dann nicht auf die Straße, sondern in die virtuelle Welt. Es gibt Gruppen, die permanent irgendwelche Demonstrationen im Netz organisieren, und Verbindungen, die sich über Facebook oder Twitter zusammenfinden. Jeder soziale Dienst ist sozusagen geeignet, für bestimmte Gruppen in der Gesellschaft politische Arbeit zu organisieren.

Frage: In den 80er Jahren war die Friedensbewegung sehr stark, weil die Kriegsangst so groß war. Haben die Menschen heute keine Ängste mehr, etwa angesichts der Kämpfe in der Ostukraine?

Antwort: Ich glaube, die Ängste sind gleich. Aber sie richten sich nicht so sehr auf das kollektive Friedensbewusstsein, weil es nicht mehr das klare Ost-West-, also Gut-Böse-Schema gibt. Die Ängste sind sehr unterschiedlich. Und Untersuchungen weisen alle in die Richtung, dass die Ängste eher im Privaten liegen. Das Thema Gesundheit ist dabei ganz groß. Bei den Älteren gibt es völlig andere Ängste - das ist ganz klar geprägt mit der ökonomischen Sorge im Alter. Bei den Jüngeren sind es das persönliche Vorankommen und die Partnerschaft oder Beziehung an sich.

Frage: Welche Wege wählen die Menschen denn heute, um mit ihren Ängsten umzugehen?

Antwort: Ich würde von einer Clubkultur des Politischen reden. Es geht darum, dass man sich immer Gleichgesinnte sucht, wie früher auch. Nur die Perspektiven sind immer sehr unterschiedlich und nuancenreich. Das heißt, man hat nicht mehr große Gruppen. Sondern man hat viele kleine Gemeinschaften, und diese geben einem letzten Endes Bestätigung dadurch, dass sie die Weltsicht teilen.

Frage: Was können Organisatoren tun, um mehr Menschen für Veranstaltungen wie die Ostermärsche zu begeistern?

Antwort: Das Politische könnte sich dadurch verändern, dass der Dialog permanent geführt wird. Also nicht nur kurz vor den Wahlen, kurz vor dem 1. Mai oder kurz vor Ostern, sondern dass man tatsächlich Teil einer größeren Gruppe ist. Es muss ein ständiger Austausch sein. Das Interessante ist ja, dass schon das Motto zum Ostermarsch praktisch niemandem bekannt ist. Man überführt eine politische Aktion in ein Ritual, und das ist etwas, was die Jüngeren auf jeden Fall nicht akzeptieren.

ZUR PERSON: Peter Wippermann (65) betreibt ein Trendforschungsbüro in Hamburg. Der gelernte Schriftsetzer und Grafikdesigner lehrt außerdem als Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Koalitionsverhandlungen von SPD und Grünen in Hamburg ziehen sich in der Schlussphase in die Länge. Beide Parteien wollen auch über Ostern weiterberaten. "Es wird noch weiter verhandelt und weiter gearbeitet", sagte Grünen-Parteisprecherin Silke Lipphardt der Deutschen Presse-Agentur.

03.04.2015

Der verheerende Islamistenangriff auf die Universität von Garissa im Osten Kenias hat das Land in tiefe Trauer gestürzt. Mindestens vier maskierte Männer hatten die Hochschule am frühen Donnerstagmorgen gestürmt und anschließend fast 16 Stunden lang besetzt.

03.04.2015

Papst Franziskus erinnert am Karfreitag traditionell gemeinsam mit Tausenden Menschen an das Leiden und Sterben Jesu. Am Nachmittag leitet der Papst dazu einen von Stille und Ernst geprägten Gottesdienst im Petersdom.

03.04.2015