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Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster: «Gerade die jüdische Gemeinschaft weiß, was Flucht und Heimatverlust bedeuten.»

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster: «Gerade die jüdische Gemeinschaft weiß, was Flucht und Heimatverlust bedeuten.» © Markus Hibbeler/Archiv

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Jüdische Gemeinden blicken zwiegespalten auf Flüchtlinge

Am "Mitzvah Day" heißen die Juden in Deutschland dieses Jahr hilfesuchende Menschen willkommen. Nach den Attentaten in Frankreich hat das noch mal eine besondere Bedeutung.

Berlin. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland haben an ihrem Tag der guten Tat ein Willkommenssignal für Flüchtlinge gesetzt. "Die jüdische Gemeinschaft weiß, was Flucht und Heimatverlust bedeuten", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der dpa.

Trotz der Terroranschläge in Paris sei es wichtig gewesen, am "Mitzvah Day" festzuhalten. "Würden wir uns jetzt in unserem Leben einschränken und ausgerechnet solche Hilfsaktionen absagen, hätten die Terroristen genau ihr Ziel erreicht."

Schuster äußerte sich "erschüttert" über die schrecklichen Vorfälle in Paris. Muslimische Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak hätten mit den Terroristen des Islamischen Staats (IS) nichts gemein, betonte er zugleich. "Viele von ihnen sind gerade vor der Gewalt des IS geflohen. Wir dürfen Muslime nicht in Generalhaftung nehmen."

Der Zentralratsvorsitzende verteilte selbst Getränke und Essen in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Bundesweit beteiligten sich rund 2000 Freiwillige an dem Aktionstag.

Im Gespräch mit der dpa räumte Schuster ein, dass die jüdischen Gemeinden in Deutschland der hohen Zahl von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten mit gemischten Gefühlen begegneten. "Zum einen empfinden wir eine große Empathie, zum anderen fragen wir uns aber, welche Haltung sie zu Israel und zu Juden generell haben", sagte er der dpa. In Ländern wie Syrien oder dem Irak sei der Antisemitismus stark ausgeprägt. "Diese Prägung legen die Menschen nicht automatisch ab, wenn sie die Grenze nach Deutschland überschritten haben."

Von den muslimischen Verbänden in Deutschland erwartet Schuster ein stärkeres Engagement gegen Antisemitismus in ihren Reihen. "Wir sollten darauf achten, dass die muslimischen Flüchtlinge primär in unsere Zivilgesellschaft integriert werden und nicht in die Fänge von muslimischen Extremisten geraten." Mit Schrecken beobachte er zudem den Zulauf am rechten politischen Rand. "Das muss politisch eindeutig geächtet werden", forderte er.

dpa


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