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Die Linke fordert, dass die Regelsätze für Kinder erhöht werden.

Die Linke fordert, dass die Regelsätze für Kinder erhöht werden. © Rolf Vennenbernd/Archiv

Soziales

Jedes siebte Kind von Hartz IV abhängig

Hunderttausende Kinder brauchen Hartz IV - in Bremen und Berlin sogar fast jedes dritte. Zuletzt sind die Zahlen wieder etwas gestiegen. Die Zahlen bringen auch die Bundesregierung unter Druck.

Berlin. Rund jedes siebte Kind in Deutschland ist abhängig von Hartz IV. Im vergangenen Jahr waren im Schnitt 1,54 Millionen unter 15-Jährige betroffen. Das waren gut 30 000 mehr als im Vorjahr.

Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Sozialverbände und Opposition forderten die Bundesregierung am Dienstag in Berlin zum Kampf gegen Kinderarmut und Langzeitarbeitslosigkeit auf.

In einzelnen Regionen ist die Lage besonders schwierig: So ist in den Stadtstaaten Bremen und Berlin mit 31,5 Prozent fast jedes dritte Kind unter 15 Jahren auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen (Ende 2015). In Sachsen-Anhalt sind es 21,8 Prozent, in Hamburg 20,4 Prozent. Prozentual am wenigsten Betroffene gibt es in Bayern mit 6,5 Prozent.

Insgesamt sind in Ostdeutschland 20,3 Prozent der unter 15-Jährigen Hartz-IV-abhängig, in Westdeutschland 13,0 Prozent. Den stärksten Anstieg gegenüber dem Vorjahr gab es mit 2,1 Prozentpunkten in Bremen, den deutlichsten Rückgang mit minus 0,7 Punkten in Brandenburg und Sachsen.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann hatte die Statistik anlässlich des internationalen Kindertages am 1. Juni erfragt. Die Statistik der BA führt die "nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten" unter 15 Jahren auf. Ihr Anteil an den Kindern bis 14 Jahren in Deutschland insgesamt lag 2015 bei 14,4 und im Jahr zuvor bei 14,1 Prozent.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) nannte Kinderarmut "ein bedrückendes Phänomen". Schlüssel für den Kampf dagegen sei es, "einen oder am besten beide Elternteile in Arbeit zu bekommen". So könne der Teufelskreis von Erwerbslosigkeit und Armut durchbrochen werden. Höhere Sozialleistungen führten hingegen nicht zu einer strukturellen Lösung des Problems. Verbesserte Kinderbetreuung sei aber ein nützlicher Hebel, sagte sie mit Blick auf die dann vor allem für Frauen bessere Vereinbarkeit von Kind und Job.

Ein Zusammenschluss von rund 30 Sozialverbänden und Gewerkschaften rund um die Diakonie forderten von der Politik Konzepte gegen die Armut von Kindern. Die Grundsicherung für Kinder, so die Kernforderung, müsse um rund 50 Euro erhöht werden. "Armut gefährdet ihre Zukunftschancen", sagte der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. "Der Kampf gegen Kinderarmut muss eine zentrale Aufgabe für die Politik sein", sagte Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

Die Linken-Politikerin Zimmermann forderte: "Die sozialen Leistungen müssen Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen." Die Bundesregierung müsse zudem das Problem angehen, dass es in vielen Regionen zu wenige Arbeitsplätze und zu viele Niedriglöhne gebe. Die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer verlangte ein energischeres Vorgehen gegen Langzeitarbeitslosigkeit.

Aus Sicht der Arbeitgeber ist Langzeitarbeitslosigkeit ein Problem, "das immer noch zu viele Familien betrifft", wie ein Sprecher ihres Verbands BDA sagte. Gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund setze sich die BDA für ein Programm auch gegen Kinderarmut ein. Sowohl die Teilnahme der Jobcenter als auch die der Hartz IV-Empfänger wäre freiwillig. "Qualifizierte Fallmanager würden gemeinsam mit den Hilfesuchenden eine individuelle Eingliederungsstrategie entwickeln und vereinbaren", erläuterte er.

dpa


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