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Gaza-Stadt liegt seit Tagen unter Dauerbeschuss.

Gaza-Stadt liegt seit Tagen unter Dauerbeschuss. © Mohammed Saber

Konflikte

Israel lehnt Kerry-Vorschlag vorerst ab

Im Ringen um eine Feuerpause im Gazastreifen fordert Israel Nachbesserungen am Plan von US-Außenminister Kerry. Die Hamas äußerte sich zunächst nicht. Ihr fiel es schon schwer, dem ursprünglichen Vorschlag zuzustimmen.

Tel Aviv/Gaza. Israel hat den US-Vorschlag für eine Waffenruhe im Nahen Osten in seiner jetzigen Form abgelehnt. Die Diskussionen über eine Nachbesserung des Vorschlags gingen aber weiter, berichtete "haaretz.com" unter Berufung auf einen Regierungsvertreter am Freitagabend. Das Sicherheitskabinett der israelischen Regierung hatte seit dem Nachmittag über den Plan von US-Außenminister John Kerry beraten. Er sieht eine rasche Feuerpause mit der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas vor. Die Kämpfe im Gazastreifen gingen mit unverminderter Härte weiter.

Nach Kerrys Vorstellungen sollen mit Einstellung der Kämpfe von Sonntag an unter ägyptischer Vermittlung Gespräche über eine längerfristige Friedenslösung aufgenommen werden, wie die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete. Israel darf demnach in dem Zeitraum weiterhin Tunnel im Gazastreifen zerstören, die die Hamas für Angriffe auf Israel oder andere militärische Zwecke gebaut hat.

Militante Palästinenser feuerten erneut Raketen auf den Großraum Tel Aviv ab. In der Küstenstadt Aschkelon wurde ein Haus direkt getroffen.

Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg auf 848. Mehr als 5500 Palästinenser wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben 35 Soldaten und drei Zivilisten.

Die Hamas in Gaza reagierte zunächst nicht auf Kerrys Vorschlag, prüfte ihn aber laut palästinensischen Medienberichten. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu traf in Katar ein, um Hamas-Exilchef Chaled Maschaal zu treffen. Katar und die Türkei gelten als die letzten Verbündeten der Hamas.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ bislang keine Bereitschaft erkennen, die Angriffe einzustellen. Rechtsorientierte Minister forderten eine Fortsetzung und sogar Verstärkung der Angriffe im Gazastreifen. Der israelische Rundfunk berichtete, die Armee sei angewiesen worden, sich auf eine "echte Ausweitung" der Offensive in der kommenden Woche vorzubereiten, sollte Hamas die vorgeschlagene Feuerpause ablehnen. Die israelische Luftwaffe zerstörte nach palästinensischen Angaben das Haus des Hamas-Führers Salah Bardawil in Chan Junis im Süden des Gazastreifens. Dabei habe es keine Verletzten gegeben. Bei einem anderen Angriff im Süden des Palästinensergebiets sei ein örtlicher Führer des radikalen Islamischen Dschihad getötet worden. Der 45-jährige Salah Abu Hasanin und sein 15-jähriger Sohn seien bei dem Luftangriff in Rafah ums Leben gekommen.

Bei gewaltsamen Protesten tausender Palästinenser im Westjordanland wurden nach Angaben von Rettungskräften am Donnerstagabend und Freitag sechs Menschen getötet und Dutzende verletzt. Drei der Opfer kamen durch Schüsse des israelischen Militärs ums Leben. Zwei weitere, einen 22-Jährigen und einen 17-Jährigen, erschoss ein jüdischer Siedler in der Nähe von Nablus. Obwohl Palästinenser weiterhin Raketen Richtung Großraum Tel Aviv und Flughafen Ben Gurion schießen hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA ihr Flugverbot am Donnerstag wieder aufgehoben. Auch der britische Billigflieger Easyjet, die italienische Alitalia und die französische Air France kündigten die Wiederaufnahme des Flugbetriebs nach Israel an. Die Lufthansa und Air Berlin wollen ab Samstag ebenfalls wieder Flüge nach Tel Aviv aufnehmen. Sie hatten den Flughafen Ben Gurion wegen der anhaltenden Raketengefahr seit Dienstag nicht mehr angeflogen.

In mehreren deutschen Städten, darunter in Berlin, Stuttgart und Bonn, protestierten Demonstranten erneut gegen das Vorgehen Israels im Gazastreifen. Judenfeindliche Ausrufe, wie sie zuletzt bei Protesten laut geworden waren und auch für diesen Freitag befürchtet wurden, blieben bis zum Abend aus. Polizei und Politik hatten zuvor die Veranstalter in mehreren Bundesländern aufgefordert, antisemitische Propaganda bei den Kundgebungen zu verhindern. Die französische Behörden untersagten eine für Samstag geplante pro-palästinensische Demonstration in Paris.

Irans Präsident Hassan Ruhani rief die islamische Welt zum Widerstand gegen Israel auf. "Was die Zionisten (Israel) in Gaza machen, ist ein unmenschlicher Völkermord, daher muss die islamische Welt heute einheitlich ihren Hass und Widerstand gegen Israel erklären", sagte der sonst moderate Kleriker am Rande einer anti-israelischen Demonstration in Teheran. Der Iran erkennt Israel nicht an und betrachtet die dortige Regierung als Wurzel aller Probleme in Nahost.

dpa


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