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Israelische Panzer werden auf Sattelschlepper verladen.

Israelische Panzer werden auf Sattelschlepper verladen. © Jim Hollander

Konflikte

Israel beginnt mit Abzug aus Gaza

Fast vier Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs zeichnet sich ein Ende der israelischen Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet ab. Die meisten Soldaten seien bereits aus dem Gazastreifen abgezogen worden, berichteten israelische Medien.

Gaza/Tel Aviv. Sie hätten Stellungen in grenznahen Aufmarschräumen in Israel bezogen. Ein im Gazastreifen zunächst als entführt gemeldeter Leutnant wurde nahe Tel Aviv beigesetzt.

Ungeachtet des beginnenden Abzugs der Bodentruppen setzte die Armee am Sonntag ihre Angriffe gegen Ziele im Gazastreifen fort. Beim Beschuss einer UN-Schule nahe Rafah seien mindestens zehn Menschen getötet worden, teilte Aschraf al-Kidra, Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums, mit. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe den Vorfall.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die USA kritisierten den neuerlichen Beschuss einer UN-Einrichtung. Ban nannte ihn eine "moralische Schandtat" und "kriminellen Akt", US-Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte, die USA seien erschüttert über den "schandhaften" Vorfall.

"Die israelische Armee ist mehrfach über den Standort der Schule informiert worden", sagte Ban in New York. "Dieser Angriff und andere Verstöße gegen das Völkerrecht müssen rasch aufgeklärt und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden." Ban forderte Israel und die radikal-islamische Hamas auf, die Kämpfe umgehend zu beenden: "Dieser Wahnsinn muss aufhören."

Dem Begräbnis des israelischen Soldaten Hadar Goldin wohnten am Sonntagabend in Kfar Saba bei Tel Aviv tausende Menschen bei. Der 23-Jährige war am Freitag zunächst als entführt gemeldet worden. Am Sonntag erklärte ihn das Militär für tot. Die genauen Umstände seines Todes sind unklar. Nach israelischen Angaben wurde er beim Kampf im Gazastreifen von einem Hamas-Kommando getötet. Unter den Trauergästen war auch Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon. Goldin war sein Großneffe, wie der Politiker israelischen Medien bestätigte.

Israelische Truppen waren nach Medienberichten am Sonntag noch im Einsatz, um Tunnel der Hamas zu zerstören, mit deren Hilfe israelische Ortschaften überfallen werden können. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Samstagabend angekündigt, seine Regierung werde die Lage nach Abschluss der Tunnel-Zerstörung "neu bewerten". Weitere Schritte werde sie unter Wahrung der israelischen Sicherheitsinteressen festlegen.

Im bisher verlustreichsten und am längsten andauernden Gaza-Krieg wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 1830 Palästinenser getötet und mehr als 9500 verletzt, rund zwei Drittel davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten. Militante Palästinenser feuerten mehr als 3000 Raketen auf Israel ab, davon rund 60 am Sonntag.

Die Vereinten Nationen warnen vor einer humanitären Katastrophe im Gazastreifen. Die Zerstörung des einzigen Elektrizitätswerks in der Küsten-Enklave und der Mangel an sauberem Wasser verschärften die Flüchtlingssituation dramatisch. Mehr als 254 000 der 1,8 Millionen Palästinenser hätten Zuflucht in einer der 90 UN-Unterkünfte gesucht.

Wie der Krieg abgeschlossen werden soll, war am Sonntag unklar. Israelische Politiker gaben nach Medienberichten zu erkennen, dass sie an keiner formellen Waffenstillstandsvereinbarung mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas interessiert seien. Feindselige Akte der Militanten könnten auch künftig jederzeit mit Luftangriffen beantwortet werden, hieß es. Israel sah auch davon ab, eine Delegation zu Waffenruhe-Verhandlungen nach Kairo zu schicken.

In der ägyptischen Hauptstadt trafen am Wochenende Unterhändler der Palästinensischen Autonomiebehörde von Präsident Mahmud Abbas sowie der Hamas und ihrer Verbündeten ein. Die Hamas hat bislang ihre Zustimmung zu einer Waffenruhe davon abhängig gemacht, dass Ägypten seinen Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen wieder öffnet.

Die Weigerung Israels, nach Kairo zu kommen, folgte auf den Zusammenbruch einer humanitären Waffenruhe kurz nach ihrem Beginn am Freitag. Hamas-Kämpfer hatten israelische Soldaten bei Zerstörungsarbeiten an einem Tunnel angegriffen. Bei der Aktion in der Nähe von Rafah waren zwei israelische Soldaten getötet worden.

Zur Frage, was mit dem am Sonntag beigesetzten Goldin bei diesem Zwischenfall passierte, gibt es unterschiedliche Darstellungen beider Seiten. So gibt es widersprüchliche Berichte, ob er bei diesem Einsatz starb oder entführt und danach getötet wurde - und wenn ja von wem.

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, bestritt vehement, den Soldaten in seine Gewalt gebracht zu haben. Außerdem habe der Angriff auf die Einheit Goldins am Freitag vor Beginn der Waffenruhe stattgefunden. Das israelische Militär erklärte, er habe sich anderthalb Stunden nach deren Beginn ereignet.

Der Chef der Hamas-Exilorganisation, Chaled Maschaal, bestritt, dass die Hamas die von den UN und den USA vermittelte Waffenruhe gebrochen habe. Seine Organisation habe die israelische Bedingung, wonach das Militär auch während der Waffenruhe gegen die Tunnel vorgehen kann, nie akzeptiert, sagte er am Samstag dem US-Nachrichtensender CNN.

Nach dem Verschwinden des Soldaten hatte die israelische Armee im Raum Rafah eine mit massiver Feuerkraft unterstützte Suchaktion eingeleitet. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei mehr als 100 Palästinenser getötet und 500 weitere verletzt, zumeist Zivilisten.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso riefen Israel und die Hamas auf, "Mut" und "Weisheit" zu zeigen und die Kämpfe umgehend zu beenden.

dpa


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