Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Israel: Tödlicher Anschlag als Protest gegen Gaza-Krieg
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Israel: Tödlicher Anschlag als Protest gegen Gaza-Krieg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:39 04.08.2014
Der umgestürzte Bus neben dem vom Attentäter genutzten Bagger.  Quelle: Abir Sultan
Anzeige
Jerusalem/Gaza

Dabei wurde ein Passant getötet, sechs Businsassen erlitten Verletzungen, wie der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld am Montag bestätigte. Der Attentäter, ein Palästinenser aus Ost-Jerusalem, wurde von der Polizei erschossen. Die israelische Nachrichtenseite "ynet" schrieb von "Terror vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs".

Ägypten bemüht sich derweil um eine 72-stündige Waffenruhe. Wie das Außenministerium in Kairo am Montagabend mitteilte, soll die Feuerpause am Dienstagmorgen (05.00 Uhr/GMT) beginnen. Zudem seien hochrangige israelische und palästinensische Delegationen eingeladen worden, um über eine langfristige Waffenruhe zu beraten.

Eine einseitige Waffenruhe, die Israel am Montag für die Zeit zwischen 09.00 Uhr und 16.00 Uhr (MESZ) erklärt hatte, erwies sich als brüchig. Beim israelischen Beschuss des Schati-Flüchtlingslagers sei ein achtjähriges Mädchen getötet worden, teilte ein Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums mit.

Auch das Lager Nuseirat sei von der israelischen Armee beschossen worden. Eine israelische Militärsprecherin teilte mit, man prüfe die Berichte. Die israelische Armee wies darauf hin, dass militante Palästinenser aus dem Gazastreifen während der Waffenruhe mindestens 23 Geschosse auf Israel abfeuerten.

Im bisher verlustreichsten und am längsten andauernden Gaza-Krieg wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums bislang 1838 Palästinenser getötet und rund 9500 verletzt, rund zwei Drittel davon Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten.

Die radikal-islamische Hamas hatte sich am Montag an die einseitig erklärte Feuerpause nicht gebunden gefühlt. Ihr Sprecher Sami Abu Suhri erklärte, Israel wolle damit nur "von seinen Massakern ablenken". Den Anschlag in Jerusalem bezeichnete ein anderer Hamas-Sprecher als "heroischen Akt". Hussam Badran erklärte: "Dies war die natürliche Reaktion auf die Verbrechen der (israelischen) Besatzungsmacht gegen unsere Zivilisten".

In Jerusalem hatte es in der Vergangenheit schon mehrmals ähnliche Anschläge mit Baufahrzeugen gegeben, etwa im Juli 2008. Damals waren drei Israelis getötet worden. Auch im März 2009 kam es zu einer solchen Amokfahrt, bei der zwei Polizisten verletzt und der Fahrer erschossen wurden.

Die israelische Luftwaffe griff bis kurz vor der Waffenruhe Ziele im Gazastreifen an, wie eine Militärsprecherin bestätigte. Dabei gab es nach palästinensischen Berichten mehrere Tote. Bei einem Luftangriff in Dschabalija kam ein ranghoher Kommandeur der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad ums Leben. Eine israelische Armeesprecherin in Tel Aviv sagte am Montag, Danijal Mansur sei nach Geheimdienstinformationen für die Koordinierung von Raketenangriffen auf Israel zuständig gewesen.

Beim Beschuss einer UN-Schule nahe Rafah waren am Sonntag zehn Menschen getötet worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die USA kritisierten den neuerlichen Beschuss einer UN-Einrichtung. Ban nannte ihn eine "moralische Schandtat" und "kriminellen Akt", US-Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte, die USA seien erschüttert über den "schandhaften" Vorfall.

Israels Militär räumte ein, ein Ziel nahe einer UN-Schule im Gazastreifen beschossen zu haben. Gegolten habe der Angriff drei Militanten auf einem Motorrad, teilten die Streitkräfte am Sonntagabend mit. Die "Konsequenzen" des Angriffs würden geprüft.

Nach dem Abzug der meisten israelischen Bodentruppen aus dem Gazastreifen brachte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman die Idee einer UN-Verwaltung für die Palästinenser-Enklave ins Spiel. "Es gibt einige Optionen. Eine internationale Kontrolle von Gaza, durch die UN, sollte sicherlich in Erwägung gezogen werden", sagte Lieberman nach Angaben der Zeitung "Haaretz" vom Montag. Der Politiker erwähnte in diesem Zusammenhang das historische britische Mandat über Palästina und die früheren UN-Verwaltungen in Ost-Timor und im Kosovo.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach dem weiteren Vormarsch der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) kommt das irakische Parlament an diesem Dienstag zusammen, um die politische Blockade im Land zu lösen.

04.08.2014

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sieht die Realisierbarkeit der geplanten Pkw-Maut zuversichtlich - trotz eines Bundestagsgutachtens, das einen Verstoß gegen EU-Recht sieht.

04.08.2014

Mit einem Aufruf zum Frieden haben Staats- und Regierungschefs aus Europa im belgischen Lüttich an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gedacht. Bundespräsident Joachim Gauck mahnte bei der Gedenkfeier, aus der Geschichte erwachse eine gemeinsame Verantwortung für die Welt.

04.08.2014
Anzeige