Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Iraks Parlament vertagt Wahl des Regierungschefs
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Iraks Parlament vertagt Wahl des Regierungschefs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:33 05.08.2014
Ministerpräsident Al-Maliki (R) möchte erneut mit der Regierungsbildung beauftragt werden.  Quelle: Ali Abbas
Anzeige
Bagdad/Mossul

n.

Augenzeugen berichteten zugleich von einer katastrophalen humanitären Lage der Flüchtlinge im Norden des Iraks. Mehrere Menschen seien im Sindschar-Gebirge westlich der Stadt Mossul an den Folgen der Flucht gestorben, hieß es.

Die Wahl eines neue Ministerpräsidenten war am Wochenende noch dringlicher geworden, nachdem die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Norden des Landes weitere Gebiete eingenommen hatte. Eine neue Regierung gilt als Voraussetzung, um den IS-Vormarsch zu stoppen.

Kurdische Einheiten liefern sich heftige Gefechte mit den Extremisten. Die Peschmerga-Kämpfer wollen die Gebiete nördlich und westlich Mossuls zurückerobern, die die Terrorgruppe unter Kontrolle gebracht hatte. Nach kurdischen Angaben konnten die Peschmerga mehrere Orte in der Provinz Sindschar westlich von Mossul zurückerobern. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht.

Die umkämpften Gebiete sind das Hauptsiedlungsgebiet der kurdischen Minderheit der Jesiden, Angehörige einer monotheistischen Religion. Zehntausende Menschen sind vor den IS-Extremisten auf der Flucht.

Ein Mann bezifferte die Zahl der gestorbenen Flüchtlinge auf 30 Kinder und Ältere. "Jede Stunde stirbt ein Mensch, weil Nahrung und Wasser fehlen", sagte ein anderer Augenzeuge der Nachrichtenagentur dpa. Die Menschen lebten im Sindschar-Gebirge im Freien. Sie hätten bislang keine Hilfslieferungen bekommen.

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef starben in den vergangenen zwei Tagen 40 jesidische Kinder an den Folgen von Gewalt, Vertreibung und Wassermangel. 25 000 Kinder seien mit ihren Familien in das Sindschar-Gebirge geflohen und bräuchten dringend Hilfe.

Seit dem Beginn ihres Vormarsches Anfang Juni hat die Terrorgruppe große Teile im Norden und Westen des Landes eingenommen. Dort geht sie mit rücksichtsloser Gewalt gegen Gegner und Andersgläubige vor. Viele Muslime betrachten die Jesiden als "Teufelsanbeter".

Während IS-Kämpfer neue Gebiete einnahmen, lähmt seit Wochen ein Streit um den Posten des Ministerpräsidenten die Politik in Bagdad. Der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki ist seit 2006 im Amt und möchte wiedergewählt werden. Sunnitische und kurdische, aber auch schiitische Politiker fordern jedoch seinen Rückzug. Sie geben ihm die Schuld für den IS-Vormarsch.

Präsident Fuad Massum hat laut Verfassung noch bis Donnerstag Zeit, den größten Block im Parlament mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Al-Maliki erhebt darauf Anspruch, weil seine Rechtsstaats-Allianz bei den Wahlen Ende April als stärkste Kraft abgeschnitten hatte. Seine Rivalen argumentieren hingegen, dieses Recht stehe der Nationalen Allianz zu. Dabei handelt es sich um ein Bündnis der schiitischen Parteien, zu dem auch Al-Malikis Rechtsstaats-Allianz gehört.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellt seine Unterstützung für die unter Betrugsverdacht stehende Staatskanzleichefin Christine Haderthauer unter doppelten Vorbehalt.

05.08.2014

In den Streit um einen muslimischen Schützenkönig im westfälischen Werl hat sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) eingeschaltet. In einem Brief an den Geschäftsführer des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft (BHDS) nennt ADS-Leiterin Christine Lüders die Haltung des Dachverbandes intolerant und diskriminierend.

05.08.2014

Bei ihren Kampfeinsätzen gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram sollen die nigerianischen Streitkräfte laut Amnesty International auch Kriegsverbrechen begangen haben.

05.08.2014
Anzeige