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Ein junger Mann versucht, über eine Stacheldrahtsperre vor dem Regierungspalast in Beirut zu klettern.

Ein junger Mann versucht, über eine Stacheldrahtsperre vor dem Regierungspalast in Beirut zu klettern. © Oliver Weiken

Demonstrationen

"Ihr stinkt": Demonstrationen gegen Müllkrise in Beirut

Seit Wochen türmen sich in den Straßen der libanesischen Hauptstadt stinkende Müllberge. Die Regierung kann die Krise nicht lösen. Die Wut der Proteste richtet sich gegen die gesamte politische Führung.

Beirut. Erneut haben in der libanesischen Hauptstadt Beirut Tausende Menschen gegen die ungelöste Müllkrise und die politische Lähmung im Land protestiert. Unter dem Slogan "Ihr stinkt" forderten die Demonstranten die Regierung auf, die Probleme bis Dienstag zu lösen.

Sonst würden die Proteste verschärft. Seit Juli türmt sich in den Straßen Beiruts stinkender Abfall, weil eine überquellende Deponie der Hauptstadt geschlossen wurde. Aufgebrachte Einwohner machen die Regierung für die Zustände verantwortlich.

Polizeikräfte nahmen in der Nähe des Regierungssitzes mehrere Menschen fest, die versuchten, eine Absperrung aus Stacheldraht zu überwinden. Die Demonstranten riefen "Nieder mit der Regierung" und warfen Steine und leere Flaschen auf die Sicherheitskräfte. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden zahlreiche Verletzte gegeben.

"Wir sind hier, weil wir von den derzeitigen politischen Führern genug haben", sagte ein Demonstrant. Die Libanesen kritisieren, dass die Regierung nicht in der Lage sei, die Basisversorgung sicherzustellen. So fällt mehrmals am Tag der Strom aus.

Verärgert sind die Libanesen auch, weil das Parlament bisher nicht in der Lage war, einen Nachfolger für Präsident Michel Suleiman zu wählen. Dessen Amtszeit war im Mai vergangenen Jahres abgelaufen. Seit Monaten scheitert die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts jedoch, weil sich die Parteien nicht auf einen Kandidaten einigen können.

In dem multikonfessionellen Staat ist die Macht nach einem Abkommen aus dem Jahre 1943 zwischen Christen, Sunniten und Schiiten aufgeteilt. So muss der Präsident immer ein maronitischer Christ sein. Die Lähmung des libanesischen Politik ist auch eine Folge des Bürgerkriegs im Nachbarstaat Syrien. Dort kämpft die von Iran unterstützte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah an der Seite des Regimes; andere libanesische Kräfte unterstützen die Rebellen.

dpa


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