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Flüchtling in der Schreinerei der Initiative „Arrivo“ in Berlin: Viele Betriebe suchen dringend Mitarbeiter.

Flüchtling in der Schreinerei der Initiative „Arrivo“ in Berlin: Viele Betriebe suchen dringend Mitarbeiter.
© dpa

Speakers’ Corner

„Ich mache ohne Geld!“

Viele Flüchtlinge wollen arbeiten, egal wie viel es ihnen einbringt – unser Kolumnist kennt ein besonders eindrucksvolles Beispiel.

Berlin.
Mein Freund Mohamad aus Syrien hat eine Frau und zwei Kinder, sie wohnen in Berlin-Lichterfelde. Sie freuen sich darauf, eines Tages in ihre Heimat zurückzukehren und ihr Haus wieder aufzubauen. Sie sind dankbar für die Wohnung, die sie gefunden haben, für die Kita und die tolle Schule. Alle vier lernen Deutsch. Mohamad, der mit 16 die Schule verlassen und in Aleppo im familieneigenen Textilbetrieb gearbeitet hat, hat es mit der Sprache am schwersten. Deshalb will er unbedingt arbeiten – egal was, egal wo, egal zu welchem Lohn. „Ich mache ohne Geld!“, sagt er, aber das geht natürlich nicht. Er will sein Deutsch verbessern, er will Deutsche kennenlernen, die deutsche Kultur verstehen.

Integrieren will er sich nicht.

„Was heißen integrieren? Mohamad soll sich ändern? Ich bin Syrer! Lernen ja, verstehen ja, deutsch werden nein.“

Eine Bäckereikette, die händeringend Mitarbeiter sucht, hat ihn eingestellt. Mohamad macht, was anfällt. Er hat die Wörter Zimtschnecke, Mehrwegbecher, Weltmeisterbrötchen und Lebkuchenherz gelernt und arbeitet auch im Verkauf. Ich habe ihn in der Filiale besucht, er macht seine Sache gut. Es ist eine Erfolgsgeschichte.

Da das Jobcenter den Mindestlohn verrechnet, hat er allerdings monatlich nur 20 Euro mehr als vorher. Dafür steht er morgens um halb fünf auf. Ich habe ihn gefragt, ob er nicht lieber auf seinem Balkon sitzen, in den Berliner Himmel schauen, von der warmen Heimat träumen wolle? Mohamad lächelt: „Du hast es nicht geglaubt. Ich habe vorher gesagt. Ich mache ohne Geld!“

Gregor Hens ist Schriftsteller und Übersetzer in Berlin.

Von Gregor Hens


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