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MIT MEINUNG: Peter Sutor ist Sprecher der Reformbewegung „Wir sind Kirche“.

MIT MEINUNG:
Peter Sutor ist Sprecher
der Reformbewegung
„Wir sind Kirche“.© sp / Sielski

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Interview

"Ich lass mir meine Kirche nicht vermiesen"

Warum tut sich die katholische Kirche mit Reformen so schwer? Der frühere Buchhändler Peter Sutor (67) aus Hannover, Sprecher der Reformbewegung „Wir sind Kirche“ im Bistum Hildesheim, über die verheerende Angst vor Veränderungen.

Papst Franziskus zeigt sich ungewöhnlich offen für Lebenswirklichkeiten. Hat die katholische Kirche mit ihm die Chance, sich zu modernisieren?

Wir sind froh, dass wir diesen Papst haben, müssen aber gleichwohl sehen, dass wir die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Sowohl für die Radikalblockierer als auch die Radikalreformer wird das Ergebnis schlecht ausfallen.

Der Papst ist nicht allein, erwarten Sie tatsächlich Reformen?

Ja, die erwarte ich. Das Reformerische ist, dass jetzt über Themen diskutiert wird, über die bei den vorigen Päpsten nicht mal geredet werden durfte. Und wer das tat, wurde gleich abgestraft.

Geht es um Glaubenssätze?

Nein, die sind unangreifbar. Man kann den Laden gleich zusperren, wenn man etwa die Auferstehung anzweifeln oder Gott in Frage stellen würde. Was aber die pastorale Praxis angeht, das Zugehen auf in Ehen gescheiterte Menschen, da könntet der Papst etwas befördern.

Warum tut sich eigentlich die katholische Kirche so schwer, eine Wiederverheiratung nach einer Scheidung anzuerkennen?

Sicher geht es in der römisch-katholischen Kirche auch um Tradition und Machtfragen. Und auch um das Thema Angst. Angst vor Veränderungen. Mit Blick auf Jesus - und der ist die Mitte unseres Glaubens - ist es aber verheerend, sich von Machtstreben und Angst leiten zu lassen. Der hat das genaue Gegenteil gemacht. Und weil er so mutig, rebellisch und prophetisch war, ist er gestorben. Nicht, um unserer Sünden willen - wie uns immer noch und dauernd eingeredet wird.

Welche Reformen sind am dringlichsten?

Die Angelegenheit der geschiedenen Wiederverheirateten. Dass gerade über dieses Thema mehrheitlich von Menschen entschieden wird, die zölibatär leben, das ist schon ein starkes Stück. Die haben von nichts eine Ahnung, die wissen gar nicht, welche Brüche es heute geben kann. Und argumentieren immer mit Jesus, der angeblich von der Unauflöslichkeit der Ehe eingeschworen hat. Das stimmt überhaupt nicht. Die lügen sich von Grund auf in die Tasche, diese Herrschaften.

Ein katholischer Priester aus Polen hat sich als homosexuell geoutet und seinen Lebenspartner vorgestellt ...

Diese Fakten sind ja längst bekannt, die werden nur ständig unter den Teppich gekehrt. Ich kenne auch Leute, die betroffen sind und denen der Kragen platzt angesichts der Heuchelei - insbesondere mit Blick auf die Tatsache, dass wir Christen der Wahrheit verpflichtet sind.

Aber er wurde sofort abgestraft...

Die Abstrafung folgte auf dem Fuße. Man behandelt diesen Menschen gleich einem schweren Missbrauchstäter. Aber genau die hat man gar nicht so schnell an den Kanthaken genommen. Sondern nur die, die auf Fehler im System hinweisen.

David Berger sagt, eine Mehrheit der Männer im Vatikan ist schwul, man dürfe dies nur nicht an die große Glocke hängen. Ist das so?

Ich kenne Berger persönlich und ich halte ihn für authentisch. Er hat selbst jahrelang in dem System gearbeitet und seine Homosexualität unter der Decke gehalten. Er sagt auch, diese Kirche ist nicht nur in der mehrheitlichen Zusammenstellung ihrer Priesterschaft homosexuell, sondern gleichzeitig noch in der ganzen Denkweise homophob.

Was sich ja noch dadurch erklärt, dass die Ehe als Zeugungsstätte für Kinder angesehen wird?

Es geht um das biologistische Bild von Sexualität, den reinen Rechtsakt der Eheschließung, aber Liebe, Verlässlichkeit, Verantwortung, Treue kommt da erst einmal gar nicht vor.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, aus der katholischen Kirche auszutreten?

Nein, das ist meine Heimat. Ich kämpfe in der Kirchenvolksbewegung seit 20 Jahren um die Verbesserung meiner Heimat. Ich bin gerne Katholik, bereits von Kindheit an. Damals in München haben wir nicht nur fromm gebetet, sondern wir haben Fußball gespielt, getanzt, und ich habe Kirche immer als etwas schönes empfunden. Mein Dialog mit Gott war mir immer etwas wertvolles. Dieser Dialog hat mir in der fürchterlichsten Katastrophe meines Lebens geholfen, als ich meine innigst geliebte Partnerin an den Krebs verloren habe. Was hätte ich da ohne meinen Dialog mit Gott gemacht? Da lasse ich mir von den Dogmatikern, die nicht in die Pötte kommen, die ihr Gehirn nicht gebrauchen, doch meine Kirche nicht vermiesen. Wir brauchen wieder mehr heiligen Geist in dieser Kirche und nicht den unheiligen Geist.


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