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Hoffnung auf Angela Merkel und ein Leben in Deutschland: Zu Fuß fliehen immer mehr Migranten aus Ungarn. Foto: Zsolt Szigetvary

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Migration

Hunderte Flüchtlinge in Ungarn zu Fuß auf dem Weg nach Westen

Mit aller Macht wehren sich Flüchtlinge gegen ihre Registrierung in Ungarn. Sie wollen weiter nach Österreich und Deutschland. Ungarische Sicherheitskräfte stoppen mehrere Züge mit Migranten. Hunderte machen sich zu Fuß auf den Weg.

Budapest. Hunderte Flüchtlinge haben sich in Ungarn zu Fuß auf den Weg gemacht, um ihre Reise nach Westeuropa fortzusetzen.

Mit Händen und Füßen wehren sie sich gegen eine Registrierung in Ungarn, weil sie befürchteten, in diesem Fall in dem Land festgehalten zu werden, das wegen seiner Flüchtlingspolitik international am Pranger steht. Viele Migranten wollen sich weiter nach Deutschland durchschlagen.

Allein am Ostbahnhof von Budapest brachen mehrere hundert Menschen auf, um über Ungarns Autobahn 1 nach Österreich zu marschieren. Bis zur Landesgrenze sind es etwa 170 Kilometer. Sicherheitskräfte hatten mehrere Züge Richtung Westgrenze gestoppt, um Flüchtlinge an der Weiterreise zu hindern.

Etwa 300 Menschen flohen aus dem Erstregistrierungslager Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze. Die Polizei bestätigte entsprechende Berichte ungarischer Medien. Die Flüchtlinge waren unzufrieden mit den langen Wartezeiten in der eingezäunten Einrichtung. Viele liefen auf die Autobahn, die nach Budapest führt. Einige Dutzend von ihnen habe die Polizei wieder gefasst und in das Lager zurückgebracht, hieß es.

Illegaler Grenzübertritt gilt in Ungarn vom 15. September an nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. Das beschloss das Parlament am Freitag im Eilverfahren auf Initiative des rechtskonservativen Innenministers Sandor Pinter. Schlepper sollen mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden.

Das zehnteilige Gesetzespaket zur Verhinderung der illegalen Einwanderung beinhaltet auch die Einrichtung von Transitzonen für Flüchtlinge direkt an der Grenze. Sie sollen zur serbischen Seite hin offen sein, auf der ungarischen geschlossen. Die Transitzonen sind als größere Flächen geplant, auf denen sich Flüchtlinge bis zum Ende ihres Asylverfahrens aufhalten dürfen.

Ob der neue Zaun an der serbischen Grenze wie von der rechtskonservativen Regierung geplant auch von Soldaten bewacht werden darf, wurde zunächst nicht entschieden. Die links-liberale Opposition hatte eine Abstimmung darüber unter Berufung auf Formalitäten der Parlaments-Hausordnung verhindern können.

Auf der Autobahn Richtung Wien marschierten am Freitagabend etwa 600 Menschen, wie Augenzeugen berichteten. Die Polizei ließ die Flüchtlinge gewähren. Zwischendurch ließen sie sich immer wieder am Grünstreifen zu einer kurzen Rast nieder. Freiwillige Helfer brachten mit Autos Wasser und Kekse für die Marschierenden. Die Polizei stoppte zwischenzeitlich den Verkehr.

In der Stadt Bicske - knapp 40 Kilometer westlich von Budapest - verbrachten etwa 500 protestierende Flüchtlinge die Nacht zum Freitag in einer Bahn. Sie wehrten sich gegen ihren geplanten Transport in ein Flüchtlingslager.

Rund 300 von ihnen brachen am Freitag auf, um entlang der Schienen Richtung Österreich zu laufen. Bis zur ungarisch-österreichischen Grenze sind es von dort etwa 200 Kilometer. Weitere 50 Menschen seien auf dem Weg zurück in Richtung Budapest, berichtete die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI. Die Polizei habe sie nicht aufhalten können. Mehrere Dutzend Menschen blieben zunächst im Zug.

Ein zweiter Zug mit Flüchtlingen wurde am Donnerstag im Dorf Nagyszentjanos gestoppt. Alle 120 Reisenden wurden in Flüchtlingslager gebracht. Augenzeugen berichteten auch von weiteren Durchsuchungen von Zügen.

Ministerpräsident Viktor Orban sprach sich erneut gegen die Einwanderung von Muslimen aus. Eines Tages würden die Europäer entdecken, dass sie auf dem eigenen Kontinent in der Minderheit seien, sagte der Regierungschef im ungarischen Staatsrundfunk. Wie die Polizei in Budapest mitteilte, kamen innerhalb von 24 Stunden mehr als 3000 neue Flüchtlinge in Ungarn an. Gleichzeitig wurden elf Schlepper festgenommen.

dpa


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