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Die Folgen des Krieges: Ein durch Gefechte weitgehend zerstörtes Haus in der Ortschaft Petrovka.

Die Folgen des Krieges: Ein durch Gefechte weitgehend zerstörtes Haus in der Ortschaft Petrovka. © Igor Kovalenko

Konflikte

"Humanitäre Katastrophe" in der Ostukraine

Die Lage der Bevölkerung in den von Separatisten beherrschten Städten der Ostukraine wird immer dramatischer. Nach wochenlangen Kämpfen sind in Lugansk etwa 250 000 Menschen ohne Wasser und Strom.

Kiew/Moskau/Washington. m. Die Behörden sprechen von einer "humanitären Katastrophe". Im benachbarten Donezk verließen nach einem dringenden Appell der Regierungstruppen viele Menschen die Stadt durch einen Fluchtkorridor.

Beobachter schließen einen Beschuss der von prorussischen Rebellen besetzten Industriestadt nicht aus. Die ukrainische Armee zog ihren Belagerungsring um die Millionenmetropole erneut enger. Die Regierungskräfte würden eine massive Offensive vorbereiten, sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew. "Der Angriff ist noch nicht im Gang, aber wir bereiten die Befreiung von Donezk vor."

Russland hat die Zahl seiner Soldaten an der Grenze zur Ukraine nach US-Berichten fast verdoppelt. Moskau habe in den vergangenen Wochen bis 21 000 Soldaten im grenznahen Gebiet zusammengezogen, meldete die "New York Times" unter Berufung auf westliche Regierungsvertreter. Diese "gefechtsbereite Streitmacht" könne mit wenig Vorwarnung aktiv werden.

Die Ukraine sprach sogar von 45 000 russischen Soldaten an ihrer Grenze. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonte im belgischen Mons die Geschlossenheit der westlichen Allianz. "Die Nato ist entschlossen, alle Verbündeten gegen jederlei Bedrohung zu verteidigen", bekräftigte er. Aus Moskau gab es dazu zunächst keinen Kommentar.

Russland hatte zuletzt einen massiven Beschuss seiner Grenze von ukrainischem Territorium aus kritisiert. Dabei starb mindestens ein Mensch, mehrere Gebäude wurden zerstört. Außerdem begründete Moskau in der Vergangenheit die Truppenkonzentration damit, dass man auf diese Weise den Nachschub für prorussische Separatisten in der Ukraine verhindern wolle.

Bei heftigen Gefechten zwischen Regierungskräften und Separatisten in der Ostukraine kamen erneut mehrere Menschen ums Leben. Die ukrainische Armee sprach von 3 Toten und 46 Verletzten in den eigenen Reihen, die prorussischen Gruppen meldeten 2 Tote und 13 Verletzte in ihren Reihen. Schätzungen zufolge wurden bei den Kämpfen schon mehr als 2000 Menschen getötet.

Russische Behörden teilten dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit, seit Jahresbeginn hätten bereits 730 000 Menschen wegen der Kämpfe in der Ostukraine Zuflucht in Russland gesucht. Unabhängige Möglichkeiten zur Überprüfung dieser Angaben hat das UNHCR nicht.

Trotz der Gefechte in der Ostukraine setzten internationale Experten ihre Arbeit am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17 fort. An dem riesigen Trümmerfeld bei Grabowo seien etwa 110 Helfer aus den Niederlanden, Australien und Malaysia eingetroffen, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit. Die Experten suchen nach Leichenteilen und privaten Gegenständen der 298 Opfer.

Der von der Bundesregierung verfügte Ausfuhrstopp für ein Gefechtsübungszentrum hat nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums keine Auswirkungen auf den Betrieb der Anlage. "Zur Zeit sind alle Objekte zu 95 Prozent fertig. Am 1. September beginnt die Testphase und bis zum 1. Dezember ist alles betriebsbereit", sagte Generalleutnant Juri Petrow der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Was von Deutschland jetzt nicht geliefert werde, erhalte die Armee von der einheimischen Rüstungsbranche.

Die Moskauer Tageszeitung "Wedomosti" berichtete, als Reaktion auf die Sanktionen des Westens könnte Russland europäischen Fluggesellschaften den Überflug über sein Territorium verbieten. Ein entsprechender Schritt werde im Transport- und im Außenministerium geprüft, hieß es.

Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte sich aber skeptisch. "Man muss alle Vor- und Nachteile abwägen, um nicht den Amerikanern und Europäern zu ähneln und sich mit Sanktionen selbst den Hammer auf den Kopf zu schlagen", sagte Peskow. Regierungssprecherin Natalia Timakowa sagte, dem Kabinett liege kein solcher Vorschlag vor.

Wegen der EU-Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Konflikt hatte die Moskauer Billigfluglinie Dobroljot ihren Betrieb vor wenigen Tagen eingestellt. Einige europäische Vertragspartner würden angesichts der Strafmaßnahmen ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen, hieß es.

Nach japanischen Sanktionen gegen Russland verschob das Außenministerium in Moskau geplante Gespräche mit der Führung in Tokio auf unbestimmte Zeit. Die "antirussischen" Schritte würden ein für August vorgesehenes Treffen der Vizeminister leider unmöglich machen, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa in Moskau.

dpa


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