Navigation:
STETS VERSTECKT: Bei Fotoaufnahmen im Prozess trägt Holger G. eine Kappe oder verbirgt sein Gesicht hinter einem Aktenordner.

STETS VERSTECKT: Bei Fotoaufnahmen im Prozess trägt Holger G. eine Kappe oder verbirgt sein Gesicht hinter einem Aktenordner.© dpa

NSU-Prozess

Holger G.’s „unverfälschte Einblicke“

Noch dauert das Plädoyer der Staatsanwaltschaft im NSU-Prozess. Der Ex-Hannoveraner Holger G. hat sich, so der Eindruck, „selbst massiv belastet“.

Hannover.  Was im Saal des Oberlandesgerichts München derzeit Tage dauert, lässt sich im Internet in sehr viel kürzer Zeit minuziös verfolgen. Rechtsanwälte, die 95 Geschädigte oder Hinterbliebene von Mordopfern als Nebenkläger vertreten, bereiten auch das Plädoyer der Staatsanwaltschaft in Form eines Blogs auf. Sehr deutlich wird darin die zentrale Rolle des angeklagten Holger G.

Dem 44-Jährigen, der eine Zeit lang in Hannover lebte und jetzt von einem Ort im Umfeld der Region zu den Prozesstagen nach München reist, wird die Unterstützung der terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in drei Fällen zur Last gelegt (NP berichtete). Er soll Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt seinen Führerschein, eine Krankenversichertenkarte und einen Reisepass überlassen haben. Dass er ihnen im Auftrag Ralf Wohllebens eine Waffe (in einer Sporttasche) übergab, wird dem einstigen Kronzeugen nicht mehr vorgehalten.

Oberstaatsanwältin Anette Greger führte aus, dass G. mit Mundlos, Böhnhardt und Wohlleben „schon 1993, 1994“ die Kameradschaft Jena gegründet habe. Laut seiner Aussagen hatten sich „alle drei Personen, also Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe sich bereits seit ‘96 für die Bewaffnung ausgesprochen“. Greger: „Der Mitangeklagte hat sich durch diese Aussage selbst massiv belastet.“

Holger G. behauptete, er habe „für sich selbst anfänglich die Diskussion um die Anwendung von Gewalt für rein theoretischer Natur gehalten“. Aber: 1996 nahm die Polizei ihn und das spätere mörderische Trio am Jahrestag der Reichspogromnacht fest, „um Straftaten zu verhindern“. Im Auto der vier entdeckten die Beamten Sturmhauben, Schreckschusswaffen und mehrere Messer, in einer Wohnung später „eine Walther [Modell] 5,5 mm“.

Holger G., so heißt es, habe im Prozess zwar „keinen Belastungseifer gezeigt“, aber ein anderes Bild von Zschäpe gezeichnet, als diese es gern hätte. Nicht willensschwach, sondern stark, beteiligt „an allen relevanten Entscheidungsprozessen“. Diese Aussage hat offenbar Gewicht, denn: „Der Mitangeklagte Gerlach war die Person, der die drei am besten kannte. Er hielt durchgängig bis 2011 Kontakt. Er begleitete sie bei mehreren Urlauben. Ihm gelangen daher zuverlässige, in sich konsistente und relativ unverfälschte Einblicke in die Binnenstruktur“.

Über das Strafmaß, das den Ex-Hannoveraner erwartet (der sich von zwei hannoverschen Rechtsanwälten vertreten lässt), ist bisher nichts gesagt. Offen ist, ob die Staatsanwaltschaft bis zum Beginn der Gerichtsferien am 1. August mit ihrem Plädoyer fertig wird. Dann folgen längere Schlussvorträge der Nebenkläger. In einem gestern an die Prozessparteien verteilten Schriftsatz ist von 47 Einzelplädoyers die Rede. Es könnten mehr werden.

www.nsu-nebenklage.de

Von Vera König


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was ist Ihre Wunschkoalition für Niedersachsen?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie