Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Hoffnung und Zweifel: Kuba vor der "Reisewende"
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Hoffnung und Zweifel: Kuba vor der "Reisewende"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:09 14.01.2013
Viele Kubaner hoffen auf eine Reisefreiheit. Quelle: Str
Anzeige
Havanna

n. Für die Ausreise sind künftig grundsätzlich nur ein Reisepass, gegebenenfalls ein Visum und natürlich ausreichende finanzielle Mittel nötig. Ein Ansturm auf die Passstellen blieb am Montag noch aus. Dissidenten sind ungläubig und abwartend, denn sie fürchten, dass für einige die Restriktionen weiter gelten.

Eine Ausreisewelle steht nicht bevor, denn die neue Reisefreiheit stößt an viele Grenzen. Die Situation in Kuba ist beispielsweise nicht vergleichbar mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze im Herbst 1989. Zum einen hat die Karibikinsel Kuba keine Landgrenze. Zum anderen sind die meisten Kubaner wesentlich ärmer als seinerzeit die DDR-Bürger, so dass sich viele überhaupt keine Reise ins Ausland leisten können. Darüber hinaus gilt für die meisten Länder - vor allem die westlichen - Visumspflicht. Zudem gaben Oppositionelle an, dass sie mindestens zwei Wochen auf einen Reisepass warten müssen.

Die bekannte oppositionelle Kuba-Bloggerin Yoani Sánchez beantragte als eine der Ersten einen Reisepass. "Die Beamtin versicherte mir, dass ich, sobald ich den Reisepass habe, auch reisen könne. Ich kann das noch nicht glauben", schrieb die 37-Jährige im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Jetzt müsse sie zwei Wochen warten, bis sie das Dokument in den Händen halte. "Ich rechne, dass ich in der ersten Februar-Woche meinen Pass habe und reisen kann... ich kreuze die Finger. Wenn ich im Flugzeug sitze, glaube ich es!" Ihr wurde bereits 20 Mal die Ausreise verweigert. Sie hatte aber stets betont, dass sie nach einer Ausreise nach Kuba zurückkehren werde.

Auch die Kubanerin Marta Caridad hat Reisepläne. "Ich denke, ich werde im Februar fahren, wenn Gott will", sagte die 58-Jährige der Nachrichtenagentur dpa vor einem der Migrationsbüros. Sie rechnet mit einem Visum für die USA und hofft, dass sie bald ihre Familie im US-Bundesstaat North Carolina besuchen kann. Über die neue Reiseregelung sei sie "sehr glücklich". Der 23-jährige Student Carlos schaute vor allem aus Neugier bei dem Büro vorbei. "Ich bin gekommen, um Informationen zu erhalten und nicht mehr." Er will bald nach Mexiko reisen. "Ich wollte nur sehen, dass ich keine Probleme bekomme, wenn ich fliegen will."

Für die Beantragung der Reisepässe richteten die Behörden landesweit fast 200 Büros ein. In Kuba kursierten bereits Listen mit solchen Ländern, für die Kubaner kein Visum brauchen. Allerdings gilt die Visapflicht für die allermeisten Zielländer, die den Kubanern auch nicht ohne weiteres eine Einreiseerlaubnis erteilen. Dennoch könnte die am 16. Oktober 2012 verkündete Neuregelung des Migrationsgesetzes erhebliche Vorteile für die Menschen bringen. Unter anderem wurde auch die erlaubte Maximal-Dauer von Privatreisen von 11 auf 24 Monate ausgeweitet.

Die Regierung von Präsident Raúl Castro hatte im Oktober 2012, als sie die Lockerungen im Reiseverkehr ankündigte, bereits Einschränkungen angedeutet. Mit Restriktionen müsse gerechnet werden, wenn etwa Gründe des "öffentlichen Interesses" oder der "nationalen Sicherheit" gegen eine Ausreise sprächen.

Kuba will eine massenhafte Abwanderung hoch qualifizierter Berufsgruppen verhindern - in der Amtssprache heißt das "von der Revolution geschaffenes Humankapital". Betroffen dürften vor allem Mediziner sein. Ärzte und Hochschullehrer sind in Kuba schlecht bezahlt. Sie verdienen umgerechnet etwa 25 Euro. Zum Leben braucht man aber etwa 100 Euro.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zur weiteren Unterstützung Frankreichs im Kampf gegen islamistische Rebellen in Mali will die EU so schnell wie möglich Militärausbilder in das Land schicken.

14.01.2013

Knapp eine Woche vor Beginn seiner zweiten Amtszeit hat US-Präsident Barack Obama den Republikanern einen entschlossenen Kampf um die Erhöhung der Schuldengrenze angedroht.

14.01.2013

In Griechenlands Hauptstadt Athen haben Unbekannte mehrere Schüsse auf Büros der regierenden Partei Nea Dimokratia (ND) abgefeuert. Eine Kugel wurde im Büro des Ministerpräsidenten Antonis Samaras entdeckt, teilte ein Regierungssprecher mit.

14.01.2013
Anzeige