Navigation:
Teilnehmer einer Demonstration gegen eine Veranstaltung des rechtsgerichteten Compact-Magazines in Leipzig.

Teilnehmer einer Demonstration gegen eine Veranstaltung des rechtsgerichteten Compact-Magazines in Leipzig.

© dpa

Auf Konferenz in Leipzig

Höcke bezeichnet Denkmal-Aktivisten als „Terroristen“

Während Björn Höcke im Leipziger Eventpalast spricht, wird draußen protestiert. Rund 200 Menschen versammelten sich auf der Alten Messe, um gegen die Konferenz des rechten Compact-Magazins zu protestieren. Dabei kam es auch zu Rangeleien mit der Polizei. Im Heimatort von Höcke spitzt sich die Situation um das „Holocaust-Denkmal“ weiter zu.

Leipzig. Absperrgitter, Räumpanzer, Wasserwerfer: Das Gelände rund um den Eventpalast in Leipzig gleicht am Samstag einem Hochsicherheitstrakt. Mit einem Großaufgebot von vier Hundertschaften sichert die Polizei die Konferenz des rechtspopulistischen Compact-Magazins auf der Alten Messe. Trotz strömenden Regens protestierten seit dem Morgen rund 200 Menschen weitgehend friedlich und lautstark gegen die Konferenz. Sie tragen Transparente wie „Rechte Netzwerke zerschlagen“ oder „Compact zu Confetti“.

Zur Compact-Konferenz sind namhafte Rechtsextremisten und -populisten angereist. Der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke wird mit „Höcke, Höcke“-Rufen von den rund 200 Teilnehmern begrüßt. Er äußert sich dabei auch zu dem nachgebauten Holocaust-Denkmal samt Kameraüberwachung, das das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) in dieser Woche neben seinem Wohnhaus in Thüringen errichtete. „Wer so etwas tut, ist in meinen Augen ein Terrorist“, sagt Höcke unter Applaus. Das Zentrum für politische Schönheit bezeichnet er als „terroristische Vereinigung“.

Mittlerweile sind in Höckes Heimatort Flyer aufgetaucht, die für neuen Zündstoff sorgen könnten. Auf den Flyern groß das Gesicht vom AfD-Mann abgedruckt steht daneben geschrieben: „Wer kennt diesen Mann?“ „Wer hat Informationen, die zur Ergreifung von Landolf Ladig führen?“. Vermutlich eine weitere Aktion des ZPS. Sie wollen aufdecken, dass Björn Höcke unter dem Alias Landolf Ladig Texte für die NPD verfasst. Auf dem Schreiben soll auch eine Belohnung für „journalistisch verwertbare“ Hinweise ausgeschrieben sein. Die Aktivisten haben mittlerweile die Kündigung zum 31. Dezember für das Grundstück neben dem Höcke-Wohnhaus bekommen. Der Vermieter habe nicht gewusst, was die Aktivisten planen.

Das ZPS hat unterdessen angekündigt, nicht mehr auf einem Kniefall Höckes vor dem Mahnmal-Nachbau zu bestehen und statt dessen bald belastendes Material im Fall „Landolf Ladig“ zu veröffentlichen. „Unverbesserliche können wir auch nicht ändern.“ Gegen die Bezeichnung des ZPS als „Terroristen“ will Ruch nicht juristisch vorgehen. „Wir werden damit werben. Wenn Höcke uns für eine terroristische Vereinigung hält, haben wir alles richtig gemacht. Das ist ein Gütesiegel“, teilte Ruch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit.

Polizei räumt Demonstranten von der Straße

Bei der Compact-Konferenz in Leipzig werden auch Pegida-Chef Lutz Bachmann sowie Martin Sellner von der Identitären Bewegung sprechen. Pressevertreter sind bei der sogenannten „Souveränitätskonferenz“ nicht erwünscht Der LVZ wird der Zutritt zum Saal verwehrt. An den Eingängen finden intensive Personenkontrollen statt. Vermutlich wollen die Veranstalter damit auch unliebsame Videomitschnitte verhindern.

Vor Beginn der Konferenz in der Messehalle 16 gibt es kleinere Rangeleien zwischen Polizei und Gegendemonstranten. Die Polizei räumt eine Zufahrt zum Eventpalast und drängt dabei Protestierende gewaltsam zurück. „Etwa 40 bis 50 Personen versuchten, den Zugang auf der Puschstraße zu versperren“, erklärt Polizeisprecher Uwe Voigt gegenüber LVZ.de. Die Beamten ziehen mehrere Personen aus der Menge heraus. Es werde in drei Fällen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt, so die Polizei.

Ein Protestzug mit 180 Teilnehmern hatte sich bereits gegen 9 Uhr auf dem Kleinen Willy-Brandt-Platz vor dem Hauptbahnhof formiert und führte anschließend unter Polizeibegleitung über Augustusplatz und Prager Straße zum Eventpalast. Rund 20 Menschen beteiligten sich zudem an einer Fahrraddemo. Unter den Protestteilnehmern waren auch der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann (Linke) und der Grünen-Landesvorsitzende Jürgen Kasek.

Compact-Magazin soll Konferenz getarnt haben

Die Veranstalter hatten den Ort der Konferenz erst am Freitag bekannt gegeben. Die Geschäftsführung des Eventpalastes distanzierte sich daraufhin öffentlich und beklagte, von den Organisatoren im Vorfeld vorsätzlich getäuscht worden zu sein. Diese sollen die Konferenz als „Motivationstraining für Auktionatoren“ getarnt haben. Der Eventpalast kündigte an, rechtliche Schritte einzuleiten.

Der Eventpalast war im Vorfeld von der Polizei hermetisch abgeriegelt worden. Um das Veranstaltungsgebäude wurde ein Ring aus Metallzäunen errichtet. Auch zwei Wasserwerfer und ein Räumpanzer fuhr die Polizei auf. Vier Hundertschaften seien am Samstag im Einsatz, sagte Polizeipräsident Bernd Merbitz, der sich persönlich ein Bild von der Lage vor Ort machte, gegenüber LVZ.de. Die Polizei ließ Konferenzteilnehmer nur mit Einladung durch.

Die Initiative NoCompact hatte im Vorfeld mit rund 500 Teilnehmern beim Protest gerechnet. „Wir haben hier in Leipzig schon sehr erfolgreich gegen Naziaufmärsche demonstriert und wir werden auch diese Konferenz nicht unwidersprochen lassen“, erklärte Sprecherin Irena Rudolph-Kokot (SPD) im Vorfeld gegenüber LVZ.de. Kurzfristig abgesagt werden musste wegen der Konferenz die Modellautobörse im angrenzenden Pavillon der Hoffnung. Einige Besucher, die davon nichts wussten, reisten umsonst zur Alten Messe. Sie standen am Samstag vor verschlossenen Türen.

Von nöß/A.T./LVZ/jsg/fw


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie