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Deutschland/Welt Griechenlands Muslime bejubeln Erdogan
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19:38 08.12.2017
Recep Tayyip Erdogan auf seiner Visite in Komotini. Die Stadt ist das Zentrum der muslimischen Griechen. Quelle: AP
Athen

Mit Sprechchören, Beifall und Blumengebinden haben Angehörige der muslimischen Minderheit im griechischen Westthrazien am Freitag den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan begrüßt. Zum Abschluss seines zweitägigen Griechenland-Besuchs machte Erdogan einen Abstecher in die Kreisstadt Komotini, das Zentrum des Siedlungsgebiets der Minderheit im Nordosten des Landes. Der Besuch galt als politisch heikel, denn Griechenland und die Türkei streiten seit Jahrzehnten um den Status und die Rechte der Minderheit.

Erdogan hielt sich an das Protokoll

In Westthrazien leben gut 100 000 Muslime. Sie sind griechische Staatsbürger. In der Mehrzahl handelt es sich um ethnische Türken. Daneben gibt es Pomaken und Roma. Griechenland erkennt die Muslime als religiöse, nicht aber als ethnische Minderheit an. Vor allem das führt immer wieder zu Spannungen mit der Türkei, die sich als eine Art Schutzmacht der in Nordgriechenland lebenden Muslime betrachtet.

Der türkische Präsident auf dem Weg zum Gebet. Fast 1000 Anhänger begrüßten ihn euphorisch. Quelle: PRESIDENCY PRESS SERVICE

In Athen sah man deshalb dem Besuch des türkischen Präsidenten in Komotini mit Nervosität entgegen. Auf ausdrücklichen Wunsch der griechischen Gastgeber verzichtete Erdogan auf eine ursprünglich geplante öffentliche Kundgebung. Er besuchte in Komotini zunächst eine Moschee und nahm am Freitagsgebet teil. Etwa tausend Angehörige der Minderheit sowie mehrere islamische Geistliche hatten sich vor dem Gotteshaus versammelt, um den türkischen Präsidenten zu begrüßen. Die Menge stimmte Sprechchöre an: „Unser Führer, unser Führer!“

Die Zentralregierung investierte nichts in die Infrastruktur

Die Siedlungsgebiete der Muslime, die viele Griechen lange als „Fünfte Kolonne“ des Erbfeindes Türkei betrachteten, wurden in vergangenen Jahrzehnten von der Athener Regierung systematisch vernachlässigt. Man investierte nicht in die Infrastruktur, es gab keine Gelder aus der Hauptstadt. Griechenlands Muslime hatten kaum eine Chance auf eine höhere Schulbildung, sie bekamen keine Baugenehmigungen. „Als Muslim fiel man bei der Fahrprüfung quasi automatisch durch“, erinnert sich ein Angehöriger der Minderheit.

Erst in den 1990er Jahren änderte sich diese kurzsichtige Politik der Einschüchterung und Diskriminierung, nachdem internationale Menschenrechtsorganisationen und europäische Politiker die Weltöffentlichkeit zunehmend auf die Situation der muslimischen Minderheit aufmerksam machten.

Es gibt aber weiterhin gravierende Benachteiligungen, etwa beim Zugang zu höheren Schulen oder bei Bewerbungen im öffentlichen Dienst. Auch das Anliegen der Muslime, die Muftis, ihre islamischen Rechtsgelehrten, selbst zu wählen, lehnt die griechische Regierung bisher ab. Die Muftis werden als Beamte vom Staat ernannt. Erdogan kritisierte das am Vortag in seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit dem griechischen Premier Alexis Tsipras.

Auch ein Schulbesuch stand auf dem Programm. Viele Muslimen können dennoch keine höheren Schulen besuchen. Quelle: PRESIDENCY PRESS SERVICE

Nach dem Freitagsgebet besuchte Erdogan eine Schule der Minderheit. „Ihr führt hier seit Jahren einen Überlebenskampf, und dafür gratuliere ich Euch“, rief Erdogan den dort versammelten Menschen in einer kurzen Ansprache zu und appellierte an die Minderheit, als griechische Bürger die Wahrung ihrer Rechte einzufordern.

Von Gerd Höhler/RND

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