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Flüchtlinge aus Pakistan und Afghanistan protestieren in einem Lager auf Lesbos gegen die Rückführung in die Türkei.

Flüchtlinge aus Pakistan und Afghanistan protestieren in einem Lager auf Lesbos gegen die Rückführung in die Türkei. © Orestis Panagiotou

Migration

Griechenland schiebt über 200 Migranten in die Türkei ab

Griechenland setzt den EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei um. Auch auf bilateraler Ebene wurden Migranten abgeschoben. Die Schutzsuchenden in den Aufnahmelagern und den wilden Camps reagieren wütend.

Istanbul/Athen. Drei Wochen nach der Einigung der EU mit der Regierung in Ankara sind erneut Flüchtlinge und andere Migranten von Griechenland aus in die Türkei abgeschoben worden.

Athen schickte zudem auf Grundlage eines bilateralen Abkommens Migranten zurück in die Türkei. Insgesamt wurden am Freitag 220 Menschen abgeschoben.

Zwei Schiffe brachten insgesamt 124 Migranten von den griechischen Ägäis-Inseln in die westtürkische Hafenstadt Dikili. Das griechische Staatsfernsehen ERT berichtete, die Abgeschobenen stammten aus Pakistan, Indien, Marokko, Irak und Palästina und hätten keinen Asylantrag in Griechenland gestellt.

Die türkischen Behörden schickten einen Pakistaner zurück nach Griechenland, teilte die griechische Küstenwache mit. Es habe Probleme mit der Identität des Mannes gegeben, hieß es aus Kreisen der Polizei. Weitere Abschiebungen seien vorerst nicht vorgesehen. Erst müssen Asylanträge anderer Migranten und Flüchtlinge geprüft werden, hieß es aus griechischen Regierungskreisen.

Vergeblich protestierten einige Aktivisten gegen die "Deportation". Drei Aktivisten sprangen im Hafen von Lesbos ins Wasser und kletterten auf die Ankerkette eines der Schiffe, um ein Auslaufen zu verhindern, wie Fernsehbilder zeigten. Beamte der Küstenwache schritten ein.

Die Rückführungen im Rahmen des umstrittenen Flüchtlingspakts der EU mit der Türkei hatten am Montag begonnen, waren dann aber bis Freitag unterbrochen worden. Am Montag waren 202 Migranten vor allem aus Südasien in die Türkei zurückgeschickt worden.

Griechenland schob am Freitag auf bilateraler Ebene Migranten in die Türkei ab: Insgesamt wurden 97 illegal aus der Türkei nach Griechenland eingereiste Migranten zurückgeschickt: 71 aus Pakistan und 20 aus Bangladesch, drei aus Algerien, zwei aus dem Iran und einen aus Marokko. Dies teilte das Bürgerschutzministerium in Athen mit.

Die Abschiebung dieser Menschen fand am Grenzübergang von Kipoi-Ipsala am Grenzfluss Evros (Türkisch: Meriç) statt. Griechenland und die Türkei hatten vor 14 Jahren ein Abkommen unterzeichnet. Diese Ausweisungen finden unabhängig von den Rückführungen von Migranten und Flüchtlingen im Rahmen des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes statt.

Unterdessen kommen weiterhin Schutzsuchende aus der Türkei nach Griechenland, allerdings bei weitem weniger als im Vormonat. Innerhalb von 24 Stunden hätten 149 Migranten auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, teilte der Krisenstab in Athen mit. Am Donnerstag hatten 76, am Mittwoch 68 und am Dienstag 225 Asylsuchende auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt. Im März kamen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR täglich mehr als 900 Migranten auf dieser Route.

Auf der Insel Chios beendete die Polizei zusammen mit den Bürgermeister Manolis Vournous in der Nacht zum Freitag die Besetzung eines Teils des Hafens durch etwa 300 Migranten. Auf Samos konnte die Polizei rund 250 aus einem Auffanglager geflohene Asylbewerber überreden, wieder zurückzukehren, wie örtliche Medien berichteten.

Auf der Insel Leros kam es am Donnerstagabend zu Tumulten zwischen Einwohnern und Beamten der Küstenwache. Die Einwohner protestierten gegen die Unterbringung von mehr als 200 Migranten aus Chios auf ihrer Insel. Eine Fähre hatte zur Entlastung der Insel Chios die Migranten nach Leros gebracht wo die Aufnahmelager fast leer sind. Dies berichteten örtliche Medien.

Nach dem Flüchtlingspakt der EU mit Türkei sollen alle Migranten, die seit dem 20. März illegal in Griechenland eingereist sind, in die Türkei zurückgeführt werden. Ausgenommen sind nur Asylsuchende, die nachweisen können, dass sie in der Türkei verfolgt werden. Für jeden abgeschobenen syrischen Bürgerkriegsflüchtling nimmt die EU einen syrischen Flüchtling auf, der legal und direkt einreisen darf.

dpa


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